BIG-Partei und AD-Demokraten - Quo vadis?

Lesezeit
3 Minuten
Gelesen zu

BIG-Partei und AD-Demokraten - Quo vadis?

06. Mai 2017 - 00:19
Kategorie:
0 Kommentare

In der historischen und glorreichen Nacht vom 15.07 auf den 16.07 hat der versuchte Militärputsch die gespaltene Gesellschaft spektakulär für eine kurze Zeit vereint und hat der ganzen Welt gezeigt, dass die Türken sich in schwierigen Zeiten an ihre gemeinsame Geschichte erinnern und durch den immensen Zusammenhalt gewaltige Hindernisse aus dem Weg räumen können.

In der Putschnacht vom 15. auf den 16. Juli wurden etliche Panzer so ausser Gefecht gesetzt

Kommentar M.Teyfik Oezcan / TP - Es gibt in der türkischen Sprache das Sprichwort: "Vatanına ve Bayrağına Sahip Çıkmayan Bir Ülke, Yok Olmaya Mahkûmdur." Frei übersetzt in die deutsche Sprache heißt das: "Wenn man sich für sein Vaterland nicht einsetzt, ist es dem Untergang geweiht." 

In den 1980er Jahren haben sich viele Freunde, die aus dem damaligen Jugoslawien stammten, nicht zu ihrem Land bekannt. Sie gaben sich in der Öffentlichkeit als Deutsche aus und haben wissentlich ihre ursprüngliche Herkunft verleugnet. Das Resultat ist hinlänglich bekannt. Aus einem bedeutsamen Staat, sind nach einem brutalen Krieg mitten in Europa, viele kleine kontrollierbare Kleinstaaten entstanden. Der Vielvölkerstaat Afghanistan ist faktisch in verschiedene Regionen aufgeteilt und wird von diversen Gruppierungen auf der einen Seite und von dem afghanischen Staatspräsidenten (USA) auf der anderen Seite regiert. 

Auch andere Länder wie Libyen (Frankreich/USA), Irak (USA/Iran), Syrien (USA/Russland), Ägypten (USA) oder Yemen (USA/Iran) müssen durch die Spaltung des Landes und der Gesellschaft einen politischen, militärischen sowie ökonomischen Bedeutungsverlust hinnehmen und sich unweigerlich ihrem tragischen Schicksal fügen. Alle diese Länder wurden zum Spielball der imperialistischen Mächte und konnten nicht durch einen kollektiven Zusammenhalt (wie jetzt in der Türkei), die Spaltung und damit die Machtteilung respektive den Machtverlust ihres Landes verhindern. 

Auch die Türkei ist seit vielen Jahrzenten aufgrund ihrer geostrategischen Lage mit einigen Konflikten konfrontiert, die das Ziel haben, die Türkei geographisch und mental zu zerschlagen, um es einfacher kontrollieren zu können. In den 1970 er Jahren war zwar nicht das Land, aber die Gesellschaft geteilt. Nach dem Militärputsch von 1980 wurde der Bürgerkrieg zwar beendet, aber mit dem Erstarken der PKK wurde das Land weiterhin in politischer und militärische Abhängigkeit zum Ausland gehalten und permanent in militärische Auseinandersetzung verstrickt, um geostrategisch die machtpolitischen Ambitionen der Türkei im Keim zu ersticken. 

Die ethnische Zugehörigkeit wie Türken oder Kurden, des Weiteren die religiöse Zugehörigkeit wie Sunniten, Aleviten oder Schiiten und last but not least die politische Zugehörigkeit wie weißen Türken oder die schwarzen Türken, wurden jahrelange politisch instrumentalisiert, um einen Keil in die türkische Gesellschaft in der Türkei und in Europa zu treiben. 

Bisher hat die herrschende Klasse in der Türkei und auch in Europa die moralische Erosion der türkischen Gesellschaft gewissenlos zugelassen, mit dem Resultat, dass sich Freunde oder Familienangehörige feindlich gegenüber stehen und damit einer geschlossenen starken türkisch/kurdischen Gemeinschaft die Zukunft verwehren. 

In der historischen und glorreichen Nacht vom 15.07 auf den 16.07 hat der versuchte Militärputsch die gespaltene Gesellschaft spektakulär für eine kurze Zeit vereint und hat der ganzen Welt gezeigt, dass die Türken sich in schwierigen Zeiten an ihre gemeinsame Geschichte erinnern und durch den immensen Zusammenhalt gewaltige Hindernisse aus dem Weg räumen können. Der Geist vom 15.07.2016 wird die Türkei zukünftig noch stärker und unverwundbarer machen. 
Diese Gewissheit kann man leider nicht auf die in Europa lebenden Türken übertragen. Die z.B. in Deutschland organisierten türkischen Verbände, Vereine, Parteien und Organisationen sind untereinander so zerstritten, dass eine starke und machtvolle türkische Lobby sich als eine Utopie darstellt. 

Warum können die nationalen türkischen/kurdischen Verbände sich nicht Im Interesse der Zukunft ihrer Kinder, einer gemeinsamen Politik, unterordnen? Warum können die religiösen türkischen Vereine sich nicht gegenseitig akzeptieren, unterstützen und eine geschlossene Außendarstellung abgeben? Warum kann eine Person, die an Allah, an seinen Gesandten Mohammed und an den heiligen Koran glaubt, nicht uneingeschränkt als Moslem angesehen werden. 

Muss es verpflichtend sein, dass man in der Moschee betet oder muss man unbedingt im Cemhaus das Gebet verrichten, kann man nicht einfach zu Hause beten, seine Religion privat ausüben und trotzdem als Moslem akzeptiert werden? Solange wir es zulassen, dass hiesige Politiker wie Cem Özdemir oder Sevim Dagdelen, wie in der Armenienfrage, die Spaltung der türkischen Gesellschaft in Deutschland vorantreiben und wir uns als eine geschlossene türkische Community nicht eindrucksvoll entgegenstellen, solange werden noch unsere Kinder und Kindeskinder dem alltäglichen Rassismus und der offenen oder latenten Diskriminierung in Deutschland ausgesetzt sein. 

Daher fordere ich alle relevanten türkischen Verbände, Vereine, Parteien und Organisationen in Deutschland auf, die persönlichen machtpolitischen Interessen zurückzustellen, alle gemeinsam unter einem Dach mit einer starken Stimme zu sprechen und die Interessen der ca. 3,5 Millionen türkisch- und kurdischstämmigen Mitbürger geschlossen und bedingungslos zu vertreten. 

Nach mittlerweile 55 Jahren unseres Lebensmittelpunktes in Deutschland, sind wir es unseren Großeltern, Eltern, Kindern und unseren Enkeln schuldig. Wer diesen Sachverhalt ignoriert, verleugnet seine eigene Geschichte, seine eigene Identität und entzieht sich der Verantwortung. Unsere Verwandten und Bekannten haben es uns in der Türkei vorgemacht. Nun sind wir an der Reihe, unter unbedingter Einhaltung der deutschen Gesetze, für eine friedvolle Gesinnungsveränderung der in Deutschland lebenden Türken / Kurden zu sorgen. 

Divide et impera, eine Spaltung der innertürkischen Gesellschaft oder die türkisch/kurdischen Gesellschaft in Deutschland, die einer ideologischer Agitation ausgesetzt ist, dürfen wir nicht mehr zulassen. Nur gemeinsam können wir die zukünftigen Herausforderungen mit gegenseitigem Respekt, mit viel Empathie, mit altruistischer Verhaltensweise und großer Geschlossenheit, meistern.

weitere Informationen zum Artikel