Türkei: Deniz Naki drohen fünf Jahre Haft

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Türkei: Deniz Naki drohen fünf Jahre Haft

06. Oktober 2016 - 13:10
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Dem ehemaligen Fußballprofi von St. Pauli Deniz Naki drohen wegen Terrorpropaganda für die PKK in der Türkei bis zu 5 Jahre Haft. Naki spielt derzeit für den Zweitligisten Diyarbakir-Amed SK.

Diyarbakir / TP - Gegen den Fußballprofi Deniz Naki, der seine Karriere in Deutschland begann, ist in der Türkei Anklage erhoben worden. Bereits zuvor hatte der 27-jährige keinen Hehl daraus gemacht, wie er zur Terrororganisation PKK steht, die in der EU, USA und der Türkei als Terrororganisation gelistet wird.

Deniz Naki wurde immer wieder vom türkischen Fußballverband wegen politischer Betätigung während der 2. Ligaspiele verwarnt und von Spielen gesperrt. Zuletzt hatte der Fußballverband eine Strafe von umgerechnet 6.000,- verhängt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Deniz Naki vor, mit Propaganda die Terrororganisation PKK verherrlicht zu haben. In der Anklageschrift wirft man ihm vor, mit Bildern aus dem Gaza-Streifen Zustände im Südosten der Türkei in seinem Twitter-Account suggeriert zu haben. In einem Bild die die Staatsanwaltschaft vorbrachte sollen zwei tote palästinensische Kinder als Angehörige des kurdischen Volkes in Cizre ausgegeben und auf dem sozialen Netzwerkprofil veröffentlicht worden sein. Sechs weitere Bilder seien in dieser Form im laufe der Zeit ebenfalls benutzt worden sein, um der PKK den Kampf zu legimitieren.

Naki nimmt auch in Europa an kurdischen Festivals oder Konferenzen teil, die laut Verfassungsschutz in den jeweiligen Ländern aber auch in Deutschland als politische Organisationen der PKK aufgeführt werden. So nahm Deniz Naki an "Kulturfestivals" in oder teil, zuletzt im Juli 2016 in Düsseldorf an der "Europaweiten Jugenddemonstration und Kundgebung", die von der Nav-Dem ausgerufen wurde. Die Nav-Dem ist die Nachfolgeorganisation der Yek-Kom, die in Verfassungsschutzberichten ebenfalls als PKK-nahe Organisation in Europa aufgelistet ist.

Zur Saison 2013/14 wechselte Naki zum türkischen Erstligisten Gençlerbirliği Ankara. In seiner ersten Saison kam Naki auf 16 Einsätze und blieb hinter den Erwartungen zurück. Nach fünf Einsätzen in der Saison 2014/15 gab Naki am 4. November 2014 auf seiner Facebook-Seite bekannt, dass sein Vertrag auf seinen Wunsch hin aufgelöst worden sei und er zurück nach Deutschland kommen werde. Naki hat es bei den Hauptstädtern unter fünf unterschiedlichen Cheftrainern nicht geschafft, sich als Stammspieler zu etablieren. 

Als Grund für seine Vertragsauflösung nannte er einen nach eigenen Aussagen rassistisch motivierten Angriff von Unbekannten in Ankara. Der Pressesprecher von Gençlerbirliği, Hakan Kaynak, verurteilte in einer Pressemitteilung diese Angriffe. In der gleichen Mitteilung wurde aber auch darauf hingewiesen, dass Naki aus anderen Gründen um eine Vertragsauflösung gebeten habe. 

So soll Naki seine Stellung innerhalb der Mannschaft, seine wenigen Spieleinsätze und seinen Wunsch, nach Deutschland zurückzukehren, aber nichts von den Angriffen als Gründe vorgebracht haben. Zudem verwies Kaynak in der Pressemitteilung darauf, dass Naki den Angriff auf seine Person unterschiedlichen Vereinsmitarbeitern unterschiedlich erzählt habe: Mal soll der Angriff im zentralen Bezirk Bahçelievler vor einem Café vorgefallen sein, ein anderes Mal vor dem Trainingsgelände. Kaynak schloss seine Mitteilung damit ab, dass man unabhängig von der religiösen und kulturellen Zugehörigkeit der Spieler immer zu ihnen stehe und diese nicht in Verlegenheit bringen wolle, aber im Fall Naki habe es klare Widersprüche in dessen Aussagen gegeben.

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