• Mit dem Bildungsbeauftragten der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) Yilmaz Kahraman

Doch nur Lippenbekenntnisse? AABF-Aleviten halten an PKK fest

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Doch nur Lippenbekenntnisse? AABF-Aleviten halten an PKK fest

06. Dezember 2016 - 20:44
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Trotz der jüngsten Ankündigung, die Zusammenarbeit mit extremistischen Organisationen nach Jahren vorerst nur ruhen zu lassen, nahm die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) erneut an einer Veranstaltung teil, die von einer PKK-nahen Organisationen ausgetragen wurde. In sozialen Netzwerken wird das als Lippenbekenntnis der AABF bewertet. Nach aussen zeige sie sich zwar demokratisch und religiös-humanistisch, aber intern verfolge sie weiterhin politische Ziele und unterstütze dabei sogar eine in Europa und der Türkei verbotene Terrororganisation, die über ihre Ableger auch in Europa politisch agiere.

Mitveranstalter "Solidaritätskomitee Rojava Kassel"

Kassel / TP - Die Teilnahme des Islamwissenschaftlers und Bildungsbeauftragten der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) Yilmaz Kahraman an einer am Dienstag anberaumten Veranstaltung des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan (YXK) heizt die Stimmung innerhalb der türkischen Community erneut auf. Grund ist die zuvor geäusserte Distanzierung der AABF von der YXK, der eine Nähe zur Terrororganisation PKK nachgesagt wird und die in etlichen Verfassungsschutzberichten erwähnt wird. 

Die Veranstaltung in den Räumlichkeiten der Universität Kassel, die mit Hilfe des allgemeinen Studierendenausschusses AStA unter dem Motto "DITIB – Die Marionetten Erdogans?“ vom Verband der Studierenden aus Kurdistans (YXK) trotz aufkommender Kritik ausgetragen wurde, sollte zum Ziel haben, eine kritische Auseinandersetzung mit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (DITIB) anzuregen.

Die Teilnahme des Bildungsbeauftragten der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) Yilmaz Kahraman wird in sozialen Netzwerken als Beweis angesehen, dass die AABF trotz ihrer jüngsten Erklärung nachwievor an der politischen Neubewertung der PKK festhält, in dem sie PKK-nahen Organisationen dabei behilflich ist, in Europa gegen die Türkei zu agieren. "Der Feind meines Feindes ist mein Freund" ist das Fazit zahlreicher Kommentatoren in sozialen Netzwerken. Damit sollen türkisch-islamische Migrationsverbände wie die DITIB in eine ungünstige Lage versetzt werden, so die Meinung. 

Kahraman ist dabei kein ungeschriebenes Blatt. Während der Islamkonferenzen des Bundes hatte Kahraman ebenso eine Funktion, wie kurz darauf in der sogenannten "2. kritischen Islamkonferenz", in der unter anderem Hamed Abdel-Samad oder Mina Ahadi beteiligt sind. Yilmaz Kahraman hatte der Islamkonferenz ein deutlich schlechtes Zeugnis attestiert: "Die Islamkonferenz hat in den vergangenen Jahren nicht viel gebracht", sagte er der dpa. Außer "schönen Broschüren und Papieren" sei nur wenig Konkretes dabei herausgekommen. Wie bisher könne es nicht weitergehen, hatte Kahraman erklärt. 

Nach der Kölner Kundgebung am 12. November hatte die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) notgedrungen erklärt, man werde die Zusammenarbeit mit dem "Demokratischen Plattform Bündnis" (DPB) vorerst nur ruhen lassen. Grund war unter anderem die aufkommende Kritik von zahlreichen Mitgliedsvereinen im Alevitischen Verband AABF kurz nach der Austragung der Kundgebung, nach dem ein Fahnenmeer der Terrororganisation PKK dem Gesamtbild der Veranstaltung den Stempel aufdruckte.

Irritiert durch das Fahnenmeer der Terrororganisation PKK hatten einige Mitgliedsvereine der AABF kurz vor dem Kundgebungsort, der Deutzer Werft, kehrt gemacht. Anschließend hatten mehrere hochrangige Funktionäre angegliederter Vereine ihren Unmut über die Zulassung solcher Organisationen durch den alevitischen Verband geäussert. Nach zwei Tagen sah sich dann der AABF-Vorstand genötigt, eine Erklärung abzugeben, worin sie erklärte, dass die Zusammenarbeit mit dem "Demokratischen Plattform Bündnis" (DPB) vorerst ruhen werde. Nicht ersichtlich war, ob die Zusammenarbeit auch mit der ABDEM auf Eis gelegt wird, die Ende Juni 2013 zusammen mit der KONGRA GEL (Volkskongress Kurdistan), der KCD (Kurdische Demokratische Kongress der Gesellschaft) - der Vorgängerorganisation KCDK-E, der AGIF, der AvEG-Kon, der YEK-KOM (der Vorgängerorganisation der NAV-DEM) sowie weiteren Vereinen und Föderationen neben der AABF wie auch AABK als Europäischer Friedens- und Demokratie Kongress fungieren und die Arbeiten koordinieren sollte.

Das Demokratische Plattform Bündnis (DPB) ist ein Zusammenschluss von migrantischen Vereinen und Verbänden, darunter auch mehrere Vereine und Föderationen, die von Bund und Ländern in Verfassungsschutzberichten unter ausländischer Extremismus aufgeführt werden und denen u.a. auch eine Nähe zur Terrororganisation PKK nachgesagt werden. Das Bündnis wurde am 23. Januar 2013 gegründet und sollte unter der Föderation der Arbeitsimmigrant/innen aus der Türkei e.V. (AGIF) und der Konföderation der unterdrückten Immigranten in Europa (AvEG-Kon) ihre Arbeit verrichten. Beiden Organisationen wird vom Verfassungsschutz ebenfalls eine politisch-ideologische Nähe zur MLKP unterstellt, die in der Türkei ebenfalls als eine Terrororganisation eingestuft wird. Die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei MLKP hatte zusammen mit den Terrororganisationen PKK, TKP/ML, DKP, MKP, TKEP/L, TİKB und THKP-C/MLSPB Mitte März 2016 offiziell angekündigt, eine gemeinsame Strategie zu verfolgen sowie im bewaffneten "Kampf" gegen die Türkei koordiniert vorzugehen. 

Im Bündnis sind unter anderem die ehemalige Föderation kurdischer Vereine in Deutschland YEK-KOM (gegenwärtig in NAV-DEM umbenannt), der Menschenrechtsverein Türkei/Deutschland TÜDAY, die Konföderation der Arbeiter aus der Türkei in Europa ATIK, die Föderation der Arbeitsimmigranten aus der Türkei in Deutschland e.V. AGIF, die Föderation für Demokratische Rechte in Deutschland ADHF, die Föderation Demokratischer Arbeitervereine e.V. DIDF, der Organisation Freiheit und Solidarität ÖDA, der Verband der Vereine aus Kurdistan in Deutschland e.V. KOMKAR, der Föderation der Demokratischen Alewiten FEDA, der Kurdische Frauenbüro für Frieden CENI, die Föderation der Ezidischen Vereine in Deutschland FKE sowie der Verband der Studierenden aus Kurdistan YXK Mitglied. In Verfassungsschutzberichten des Bundes und der Länder wurden beinahe alle erwähnt. Jene die nicht erwähnt wurden, sind entweder die AABF oder eine neu formierte lose Organisationsstruktur.

Die Alevitische Gemeinde in Deutschland e.V. hat laut einer aktualisierten Fassung der öffentlichen Liste für den Bundestag über die Registrierung von Verbänden (Stand 2. Dezember 2016) rund 285.000 Mitglieder, die in 150  angeschlossenen Vereinen organisiert sind. Insgesamt leben in Deutschland rund 500.000 Aleviten, die zu 95 Prozent aus der Türkei stammen. Mit einem Anteil von 13 Prozent stellen die Aleviten nach den Sunniten die zweitgrößte Gruppe der in Deutschland lebenden Muslime.

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