New York: Reza Zarrab im Kreuzverhör

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New York: Reza Zarrab im Kreuzverhör

06. Dezember 2017 - 00:18
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Am fünften Tag im Prozess gegen den ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der türkischen Halkbank, Mehmet Hakan Atilla, vor dem New Yorker Gericht, wurde der als Kronzeuge aufgebotene Goldhändler Reza Zarrab im Kreuzverhör vernommen. Zarrab gestand den einen oder andere Vorwurf der Verteidigung ein.

Tageszeitung Türkiye - New York: Reza Zarrab im Kreuzverhör

New York / TP - Am fünften Tag im New Yorker-Prozess gegen den ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der türkischen staatlichen Halkbank, in Zusammenhang mit mutmaßlicher Durchbrechung der US-Sanktionen gegen den Iran, wurde der als Kronzeuge aufgebotene iranisch-türkische Goldhändler und Unternehmer Reza Zarrab ins Kreuzverhör genommen. Der Prozess begann um 15 Uhr hiesiger Zeit. 

Die Verteidigerin von Atilla, Cathy Fleming, warf Zarrab vor, im Bundesgefängnis mit Bestechung Zuwendungen von Gefängniswärtern erhalten zu haben, darunter Drogen, Arzneimittel oder das Handy der Wärter. Zarrab widersprach dem nicht, erklärte, er habe rund 45.000 US-Dollar angeboten und über den türkischen Anwalt auch ausbezahlen lassen. 

Das Interesse der Prozessbeobachter, darunter den US-amerikanischen Journalistin , dem Journalisten und dem türkischen Journalisten , die unter anderem über den Kurznachrichtendienst Twitter zeitnah über den Prozess berichten, lag jedoch unter dem begründetem Verdacht, Zarrab könnte, um aus Affäre ungeschoren davon zu kommen, gelogen oder sogar Szenarien entwickelt haben, um den Hauptangeklagten im Prozess sowie die türkische Regierung zu belasten. Am Montag hatte die Verteidigung angegeben, im Besitz von Audiomitschnitten aus dem Bundesgefängnis zu sein, die belegen sollen, dass der Kronzeuge Zarrab schon vor Monaten seine Bereitschaft angekündigt habe, für eine Strafmilderung oder Straffreiheit zu lügen. Wie aus einem Schreiben der Verteidigung Atillas hervorgeht, sagte Zarrab, in den USA müsse man lügen, “um frei zu kommen oder eine reduzierte Strafe zu bekommen” und “etwas zugeben, was man nicht begangen hat”, um aus dem Gefängnis herauszukommen.

Zarrab gab gegenüber der Verteidigung am heutigen Tag auf Nachfrage zu, im Bundesgefängnis angegeben zu haben, zu lügen, falls Aussicht darauf besteht, dass er freikommt oder mit Strafmilderung rechnen kann. Zarrab stand bis zuletzt ebenfalls als Angeklagter im Fokus der Ermittlungen, bis wenige Tage vor Prozessauftakt die Staatsanwaltschaft Zarrab als Kronzeuge vorstellte. Zarrab zufolge gab es insgesamt 12 Gespräche mit der Justizbehörde und dem FBI, bis man sich einig darüber wurde, dass er als Kronzeuge aufgeboten wird. Laut Cathy Fleming soll es zudem Absprachen über den Prozess und Ablauf der Vernehmung gegeben haben, darunter mit der Bundespolizei FBI. Zarrab bestätigte die Vorwürfe vor Gericht ebenfalls. Ausserdem gab Zarrab an, dem Angeklagten Atilla kein "Schmiergeld" ausbezahlt zu haben.

Zarrab hatte im Zeugenstand zuletzt eine regelrechte Bombe nach der anderen platzen. Dabei sagte er aus, 2012 dem damaligen türkischen Wirtschaftsminister Zafer Caglayan Millionen US-Dollar als Beteiligung an seinen Goldgeschäften mit dem Iran gezahlt zu haben. Zudem sagte er, dass der damalige Regierungschef und heutige Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan über die Geschäfte informiert gewesen sei, die aus Sicht der Anklage ein Verstoß gegen US-Sanktionen darstellen.

Zarrabs Goldgeschäfte und seine Verbindungen zur türkischen Regierung waren bereits im Dezember 2013 Gegenstand von Ermittlungen in der Türkei, die als Korruptionsskandal bezeichnet wurde. Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt, nach dem sich herausstellte, dass die Fethullah Gülen Bewegung im Regierungsviertel von Ankara umfangreich geschnüffelt und verwanzt hatte. Zarrab wurde nach Monaten aus der Untersuchungshaft in der Türkei freigelassen.

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