Tania Kambouri: "Straffällige Migranten" oder Migranten?

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Tania Kambouri: "Straffällige Migranten" oder Migranten?

08. Oktober 2015 - 00:04
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Die Diskussionen in den Medien, in der die Polizistin Tania Kambouri aus Bochum über "straffällige Migranten" und Migranten sinniert, sind fließend.

Eine Bochumer Polizistin mit griechischen Wurzeln schreibt einen Leserkommentar in der Polizei-eigenen Gewerkschaftszeitung (11/2013) über aggressive straffällige Einwanderer. Von der offenen Art der Polizistin Tamia Kamouri aus Bochum sind nicht nur viele Kollegen erstaunt und loben sie dafür, auch die Presse findet schnell einen neuen Themenansatz. "Endlich traut sich mal jemand, so etwas zu sagen" ist die gängigste Rechtfertigungsfloskel, womit die mediale Hype gestartet wird. Wir werden Frau Kamouri noch viele male erleben und nicht nur in der TV-Talkshow "Menschen bei Maischberger", der die Schwelle zur die mediale Laufbahn bedeutet. Aber was hat nun die Polizistin damals gesagt, was von der Presse nur wenige Wochen später aufgeschnappt und mit einem klitzekleinen Unterschied seither wiedergegeben wird?

Wie sieht die Zukunft in Deutschland aus, wenn straffällige Migranten sich (weiterhin) weigern, die Regeln in ihrem Gast- beziehungsweise Heimatland zu akzeptieren? Ich arbeite im Streifendienst in Bochum. Als Griechin in Deutschland geboren und aufgewachsen, ging ich nach dem Abitur zur Polizei. Mittlerweile habe ich zehn Dienstjahre hinter mich gebracht. Ich möchte mir auf diesem Weg Luft machen, Klartext reden und meine Erfahrungen mitteilen. Dabei rede ich von den straffälligen Migranten und nicht von den vielen anderen, welche, wie ich, Deutschland als Heimatland sehen und an der Gesellschaft positiv teilhaben.

Wie die meisten Ruhrgebietsstädte weist auch Bochum einen hohen Anteil an Migranten, insbesondere in der Innenstadt, auf. Meine Kollegen und ich werden täglich mit straffälligen Migranten, darunter größtenteils Muslimen (Türken, Araber, Libanesen usw.) konfrontiert, welche nicht den geringsten Respekt vor der Polizei haben. Dabei fängt die Respektlosigkeit bereits im Kindesalter an. Man wird täglich auf der Straße beleidigt, wenn man zum Beispiel Präsenz zeigt. Im Einsatz ist ein Gespräch in einem ruhigen Tonfall oft unmöglich. Insbesondere habe ich als weibliche Migrantin mit den meisten Migranten mehr Probleme als meine deutschen Kollegen. Die ausländischen Bürger sehen mich meistens als eine von ihnen und somit als Verräterin an. Entweder sie würdigen mich nicht eines Blickes oder sprechen mich in ihrer Sprache an, um in der Regel einen Sympathiebonus zu gewinnen. Und täglich wird mir mehrfach die Frage gestellt: Sind sie Türkin? Es spielt keine Rolle, welche Nationalität ich als Polizeibeamter/in habe. Der respektvolle und korrekte Umgang mit dem Bürger zählt. Sonst nichts.

Für mich ist es schwierig, da ich tagtäglich diese Machtkämpfe führen muss und nicht selten dabei laut werde, um mir Respekt zu verschaffen. Erst wenn diese Kämpfe ausgefochten werden und man respektloses Verhalten unterbindet, kann man das (noch relativ gute) Ansehen und den Ruf der Polizei erhalten.

Ich kenne nicht wenige Kollegen, die für diese Machtspielchen keine Kraft mehr haben, da sie an jeder Straßenecke stattfinden. Den Stress, den ich im Einsatz mit straffälligen Migranten habe, nehme ich nicht selten mit nach Hause. Auf Dauer kann so was nur zu einer körperlichen und/oder seelischen Erkrankung des Organismus führen.

Ein Beispiel: Vor kurzem fuhr ich mit einer Kollegin zu einem Hilfeersuchen. Anrufer war ein Türke. Als er uns zwei Frauen sah, wurde er laut und sprach mich in einem unfassbar unangebrachten Ton an, ich sollte gefälligst herkommen. Daraufhin entgegnete ich, ich könnte auch wieder fahren und er sagte, ich sollte dies tun. Ich meldete das Verhalten des Bürgers der Leitstelle. Zeitgleich rief dieser dort an und wünschte nur männliche Polizisten. Die Leitstelle hielt mit uns Rücksprache und wir waren uns einig, dass wir erneut hinfahren würden. Bei gleichem Verhalten des Bürgers wäre für uns der Einsatz erledigt gewesen. So kam es dann auch. Der Bürger sah uns und schrie uns patzig an. Somit Einsatzende. Richtig so. Meine deutschen Freunde und Kollegen äußern oft, dass sie sich in ihrem eigenen Land nicht mehr wohlfühlen. Das kann ich bestätigen, da ich als Migrantin mich aufgrund der Überzahl ausländischer Straftäter in vielen Stadtteilen auch nicht mehr wohlfühle. Meine deutschen Kollegen scheuen sich, ihre Meinung über die straffälligen Ausländer zu äußern, da sofort die alte Leier mit den Nazis anfängt. Aufgrund der schrecklichen Kriegsverbrechen ist das Land vorbelastet. Das ist jedoch kein Grund, den straffälligen Ausländern hier in Deutschland alle Freiheiten zu lassen.

Man muss vorwärts schauen. Die gegenwärtige deutsche Bevölkerung kann genauso wenig etwas für die Ermordung durch die Nationalsozialisten im zweiten Weltkrieg, wie ich etwas für die Krise in Griechenland kann. Die Polizei wird immer hilfloser. Einzelne Beamte können Grenzen setzen, aber ohne Rückhalt der Politik oder Gerichte werden diese mehr und mehr fallen.

Die Geschehnisse, die Kollegen oder Medien berichten (zum Beispiel: Streifenwagenbesatzung fährt langsam und wird durch Migranten in Berlin verprügelt), sind unfassbar. Es kann nicht sein, dass wir als Polizeibeamte kaum mehr Rechte haben und fürchten müssen, bei jeder rechtmäßigen(!) Maßnahme, bei der wir uns gegenüber straffälligen Migranten durchsetzen müssen – sei es auch mit körperlicher Gewalt – sanktioniert zu werden. Es kann nicht sein, dass solche Menschen, die das Grundgesetz nicht achten und eine (illegale) Parallelgesellschaft – die in jeder Hinsicht autark ist – geschaffen haben, hier tun und lassen können, was sie wollen, weil sie nicht auf den deutschen Staat angewiesen sind.

Wo sind wir mittlerweile gelandet? Ist es schon so weit gekommen, dass die deutsche Polizei beziehungsweise der Staat sich (negativ) anpassen muss und wir unsere demokratischen Vorstellungen in gewissen Lebens-/Einsatzsituationen einschränken oder aufgeben müssen.

Ein Freund von mir war in Australien im Urlaub. Dort lernte er die Devise: „love it or leave it“ kennen. Mit anderen Worten, wenn‘s dir nicht gefällt: auf Nimmerwiedersehen. Meiner Meinung nach kann man dem nur Einhalt gebieten, indem ernsthafte Sanktionen erfolgen (zum Beispiel angemessene Geldstrafe, Kürzung oder Streichung sämtlicher Hilfen durch den Staat, Gefängnis). Eine „sanfte Linie“ bringt nach meiner Erfahrung nichts. Wenn die oben genannten Sanktionen nicht ausreichend sind, bleibt nur noch die Ausweisung. Denn in die Herkunftsländer möchte kaum einer zurück, da dort die Lebensbedingungen oft mangelhaft und nicht mit der hiesigen staatlichen Unterstützung zu vergleichen sind.

Tania Kambouri - Deutsche Polizei, Gewerkschaftszeitung 11/2013

Damals gab die Polizistin an, "von den straffälligen Migranten und nicht von den vielen anderen", welche ja wie Sie "Deutschland als Heimatland sehen und an der Gesellschaft positiv teilhaben". Ein merklicher Unterschied zu den nachfolgenden Pressenachrichten, die diese Mitteilung eigentlich nur noch verzerrt wiedergaben. Schlussendlich landete dieses Thema dann auch bei "Menschen bei Maischberger" und als hätte man es nicht vorhersehen können, tönte erst Maischberger kleinlaut von "straffälligen Migranten", um dann durch ein Vorspannfilmchen ganz laut und deutlich durch ein "Migranten" ersetzen zu lassen. Von da an begann die Schlacht um die Deutungshoheit, über Sinn und Unsinn von Maßregelungen, Wertenormen und anderen nebensächlichen Werkzeugen, mit denen "die Migranten" erzogen, genötigt, eingeschüchtert werden sollen. Dabei war längst davon auszugehen, dass es bei den "Migranten" nicht stehen bleiben wird, sondern von zig anderen Medien bis hin zu "muslimischen" Migranten ausgereizt wird.

Man kann Tania Kambouri nicht unterstellen, bereits damals bewusst diesen Schritt gewagt zu haben, um mediale Aufmerksamkeit zu erlangen, aber spätestens nach den ersten Gesprächen in Medien ist klar, dass das Geschäft mit den Migranten eine neue Konkurrenz erhält, die Milliarden mit einer weiteren Kritikerin geteilt werden müssen. Kritik, ja gerne, aber dieser filigrane Versuch, aus der Not durch straffällige Migranten, eine Tugend über Migranten zu machen, ist bemerkenswert. Eventuell richten wir unseren Blick einfach mal auf Polizeigewalt gegenüber Migranten?