Türkei: Staatsfeind soll Asyl in Deutschland beantragt haben

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Türkei: Staatsfeind soll Asyl in Deutschland beantragt haben

09. August 2017 - 23:56
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Türkischen Medien zufolge hat einer der meistgesuchten Personen der Türkei in Baden-Württemberg eine befristete Aufenthaltsduldung erhalten. Namentlich taucht jedoch dieser nicht im Ausländerzentralregister auf. Der Presse zufolge ein Hinweis, dass die deutschen Behörden bemüht sind, den Aufenthaltsort zu verschleiern.

Türkei: Staatsfeind soll Asyl in Deutschland beantragt haben

Ankara / TP - Neue Hinweise auf den Aufenthaltsort des meistgesuchten Terroristen der Türkei nähren nach Angaben türkischer Medien den Verdacht, dass die deutschen Behörden bemüht sind, die Identität von Adil Öksüz zu verschleiern. Laut nachrichtendienstlichen Erkenntnissen erhielt Öksüz in Baden-Württemberg eine befristete Aufenthaltsduldung und setzte sich danach nach Hannover ab. Nach Öksüz wird seit mehr als einem Jahr weltweit gefahndet, die Justiz erhofft sich dadurch eine schnelle Auflösung der Geschehnisse rund um die Putschnacht. Ende Mai 2017 gab ein türkischer Journalist an, Öksüz sei über zwei ehemalige Ostblockstaaten vom BKA nach Deutschland eingeschleust worden, am Frankfurter Flughafen gelandet sein.

Bei der "Blackbox des Putsches" Adil Özsüz, handelt es sich um den türkischen Islamgelehrten und einem der Hauptangeklagten in Verfahren gegen mutmaßliche Putschisten in der Türkei. Einen starken Hinweis für die mutmaßliche Verbindung zum gescheiterten Putschversuch lieferten Sicherheitskameras in der Akıncılar-Airbase bei Ankara. Sie hielten in der Putschnacht Bilder eines grauhaarigen, hektisch herumlaufenden Mannes fest, der dort - wie alle anderen Zivilisten - nichts zu suchen hatte, jedoch Anweisungen an Militärangehörige gab, die dem Folge leisteten. Öksüz wurde im laufe der Nacht auf dem Militärflugplatz von Gendarmerieeinheiten ergriffen und dem Haftrichter vorgeführt. Nach dem Verhör wurde Öksüz unter Auflagen jedoch freigelassen, befindet sich seit dem auf der Flucht. Bislang sind die Hintergründe hierzu nicht eindeutig aufgeklärt. Die türkische Justiz hat auf Öksüz ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet 1 Millionen Euro für Hinweise zur Ergreifung gesetzt. Nachrichtendienste sollen Medienberichten zufolge auf Öksüz angesetzt worden sein, da er als Führer der Putschisten gehandelt wird. In der Türkei steht Öksüz auf der roten Liste und ist einer der acht meistgesuchten Terroristen.

Ende Juli hatte die türkische Presse unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, Öksüz sei von zwei unabhängigen Personen in Deutschland gesichtet worden, einmal in Ulm und Frankfurt am Main. Das gehe aus dem Schriftverkehr diplomatischer Vertretungen hervor. Laut türkischen Medien scheint Ulm dabei eine zentrale Anlaufstelle für gesuchte Personenkreise aus der Türkei sein, die in Zusammenhang mit Fethullah Gülen und der Fethullahistischen Terrororganisation (FETÖ) stehen. Die Terrororganisationen soll auch für den gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich sein. 

Ulm stand bereits einmal im Mittelpunkt der türkischen Berichterstattung in Zusammenhang mit der FETÖ, als Zekeriya Öz 2015 in einem Hotel am Ulmer Hauptbahnhof erkannt wurde. Laut Zeugenaussagen wurde Öz von deutschen Beamten begleitet. Zekeriya Öz ist ein ehemaliger Generalstaatsanwalt, der für die Ermittlungen im Ergenekon- und Balyoz-Prozess verantwortlich ist. Bei den Prozessen wurden ab 2007 mehrere Hundert Akademiker, Journalisten und vorwiegend ranghohe Militärs wegen mutmaßlichen Putschplänen verhaftet und verurteilt. Anfang 2016 kippte ein Berufungsgericht die Urteile wegen mangelnder und rechtswidrig beschaffter Beweise. Die sollen von der FETÖ bereitgestellt und für die Verurteilungen durch Mitglieder der Gülen-Bewegung innerhalb der Justiz verwendet worden sein. Zekeriya Öz war jedoch bereits August 2015 geflüchtet und hatte sich dem Zugriff der Justiz entzogen, wurde zuletzt in Ulm und Freibuger im Breisgau gesehen.

Wie türkische Medien am Dienstag berichten, soll Adil Öksüz laut türkischen Sicherheitskreisen in Baden-Württemberg eine befristete Duldung erhalten haben, jedoch namentlich nicht im System der Ausländerbehörden hervorgehen. Danach soll sich Öksüz nach Hannover abgesetzt haben. Weshalb Öksüz nicht im Ausländerzentralregister (AZR) auftaucht, ist derzeit Gegenstand zahlreicher türkischer Presseberichte.

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