Fall Jamal Khashoggi: Saudis wollen Durchsuchung gestatten

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Fall Jamal Khashoggi: Saudis wollen Durchsuchung gestatten

10. Oktober 2018 - 20:10
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Im Fall des verschwundenen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi gerät Saudi-Arabien immer stärker unter Druck. Reinigung des Konsulats wohl beendet - Saudis wollen Durchsuchung nun gestatten.

Fall Jamal Khashoggi: Saudis wollen Durchsuchung gestatten

Von Thomas Bernhard, Johann de Fries und Hassan Arslan / TABP - Die Türkei will den Verbleib des saudische Journalisten und Regimekritikers aufklären, der nach Betreten des saudischen Konsulats in Istanbul verschwunden ist. Dabei gerät Saudi-Arabien immer stärker unter Druck. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan forderte, Riad müsse Beweise für seine Darstellung vorlegen, dass der 59-Jährige das Generalkonsulat der Saudis in Istanbul am Dienstag vergangener Woche wieder lebend und unversehrt verlassen habe.

Erdoğan betonte, mit den bisherigen Erklärungen werde "das Personal des Konsulats nicht davonkommen". Die türkischen Behörden hatten bereits am Dienstag gefordert, das Gebäude des Generalkonulats durchsuchen zu können. Diplomatische Vertretungen eines Landes gelten jedoch als Hoheitsgebiet des jeweiligen anderen Staates, Somit benötigen die türkischen Behörden dazu die Erlaubnis des jeweiligen Leiters der diplomatischen Vertretung (Botschaft, Generalkonsulat, Konsulat).

Zwar hatte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman Ankara dazu "eingeladen", doch war dies eben nicht die notwendige förmliche Erlaubnis und eher ein medialer Schachzug Riads. Nunmehr allerdings soll, zumindest inoffiziellen Angaben nach, eine solche Gestattung vorliegen.

Die Istanbuler Sicherheitsbehörden werden der Umsetzung ihrer geäußerten Forderung nun Folge leisten müssen. Obwohl, da kann man sich fast sicher sein, finden wird man nun nach fast 10 Tagen wohl nichts. Der saudische "Reinigungsdienst" hat im Istanbuler Generalkonsulat sicherlich inzwischen jede, auch nur annähernd, vorhandene Spur für eine mögliche Entführung oder einen Mord bezüglich Khashoggis beseitigt.

Saudi-Arabien bestreitet weiter vehement, etwas mit dem Verschwinden des Regierungskritikers zu tun zu haben. Berichte über dessen möglichen Tod seien "vollkommen falsch", sagte der Botschafter in Washington, Khalid bin Salman, ein Sohn des Königs und Bruder des Kronprinzen.

Dagegen verbreiteten türkische Medien weitere Details, die offenkundig den Verdacht der Ermittler untermauern sollen, Khashoggi sei im Konsulat von einem eigens angereisten Killer-Kommando umgebracht und beiseite geschafft worden.

Inzwischen verlangte auch US-Außenminister Mike Pompeo Aufklärung und forderte Riad auf, eine gründliche Untersuchung zu unterstützen und deren Ergebnisse offenzulegen. Khashoggi hatte die letzte Zeit im amerikanischen Exil verbracht und dort für die "Washington Post" gearbeitet.

Saudische Medien warfen unterdessen der Türkei vor, gemeinsam mit Katar eine Kampagne gegen das saudische Königshaus und das Land zu führen und bezeichnen die Türkei als "Komplizen der der Muslimbruderschaft", die Riad als Terror-Organisation eingestuft hat. Der TV-Sender "al-Arabiya", in den Vereinigten Arabischen Emiraten angesiedelt, verbreitete derweil eine Stellungnahme von Khashoggis in Saudi-Arabien lebenden Familienmitgliedern, in der diese sich ähnlich äußerten und ihr Vertrauen in die saudische Regierung bekräftigten.

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