Bilanz der Afrin-Solidarität: Mehrere Brandanschläge, Verletzte, Unsicherheit

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Bilanz der Afrin-Solidarität: Mehrere Brandanschläge, Verletzte, Unsicherheit

11. März 2018 - 14:35
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Während den gestrigen spontan ausgerufenen Kundgebungen durch PKK-nahe Organisationen in Deutschland sowie danach sind bei Brandanschlägen, Übergriffen und Angriffen im Bundesgebiet mehrere Personen verletzt worden. Es entstand hoher Sachschaden, der nicht genau beziffert werden kann. 

In Meschede werfen PKK-Aktivisten Brandbeschleuniger auf ein Türkisch-Deutsches Vereinshaus

Berlin / TP - Am Samstagabend haben in Berlin-Kreuzberg etwa 300 Menschen gegen die türkischen Einsätze in Nordsyrien im Distrikt Afrin protestiert. Die Demo verlief zunächst friedlich, die vom PKK-nahen Verein NAV-DEM e.V. ausgerufen wurde. Doch im Anschluß daran wurde in einem Wohnhaus ein türkisches DITIB-Gemeindezentrum in Reinickendorf Ziel eines Brandanschlags. Auch im Bundesgebiet gab es mehrere Übergriffe auf Türken und türkische Einrichtungen. Es soll Verletzte geben. Die Feuerwehr spricht von einem Glück im Unglück.

In Berlin-Reinickendorf warfen PKK-Sympathisanten am frühen Sonntagmorgen gegen die Fassade und Fensterfront des DITIB-Gemeindezentrums Brandbeschleuniger. Nach Zeugenaussagen rannten danach drei Personen vom Tatort weg. Die Räumlichkeiten im Erdgeschoß des Wohnhauses brannte daraufhin lichterloh. Die Feuerwehr rückte mit 60 Leuten an, um ein übergreifen auf die oberen Stockwerke zu verhindern, in denen weitere Familien leben. Erst nach einer Stunde war das Feuer unter Kontrolle. 

"Die meisten Räumlichkeiten unserer Moschee sind weitestgehend nicht mehr nutzbar", schrieben Gemeindevertreter auf Facebook. "Ein Anschlag auf ein Gotteshaus, egal aus welchem Grund, ist nicht akzeptabel und nicht hinnehmbar." In einer PKK-nahe Internetseite hat sich eine Jugendgruppe zum Brandanschlag bekannt.

In Heilbronn attackierte entsprechend eines Berichts ein "Rachekommando Şehid Avesta Xabur" ein Cafe die von Türkischstämmigen betrieben wird. Dabei wurden nach eigenen Angaben Fenster des Cafes eingeschlagen. Die Täter konnten unerkannt entkommen. Zwei Tage zuvor war eine Moschee der IGMG in Lauffen am Neckar Ziel eines Brandanschlags. Auch hier ermittelt die Polizei wegen versuchten Mordes, weil der Imam der Moschee in den Gästeräumen lebt und in den oberen Stockwerken Menschen leben.

Im sauerländischen Meschede warfen Jugendliche der apoistischen Jugendinitiative Molotowcocktails gegen die Fassade des Türkisch-Deutschen Freundschaftsvereins. Als die Feuerwehr anrückte, brannte die Böschung am Gebäude. Es enststand erheblicher Schaden an der Fassade selbst. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen eines möglichen Brandanschlages auf den Türkisch-deutschen Freundschaftsverein in Meschede im Lanfertsweg. Die Polizei stellte mindestens drei Molotow-Cocktails fest, die gegen die Fassade geworfen wurden. Für die Tat hat sich eine apoistische Jugendinitiative bekannt.

In Itzehoe (Schleswig-Holstein) haben PKK-Sympathisanten am frühen Sonntagmorgen die Fenster einer Moschee an der Wilhelm Biehl Straße eingeschlagen und ein Feuer in einem türkischen Gemüseladen gelegt. Acht Bewohner die über dem Gemüseladen wohnten, konnten sich ins freie retten, der Sohn des Imam der Moschee konnte die Feuerwehr alarmieren, bevor die Flammen auf weitere Bereiche überschlugen.

In Stuttgart [wir berichteten] wurden zwei Frauen in ihrem Fahrzeug angegriffen, als sie an einer roten Ampel in der Theodor-Heuss-Straße anhielten. Ein Dutzend Telnehmer einer Spontandemo hatten nach Angaben der zwei jungen Frauen, die nach der Arbeit auf dem Nachhauseweg waren, das Fahrzeug angegriffen. Eine Frau aus dem Fahrzeug wurde dabei herausgezerrt und geschlagen.

Ebenfalls in der Nacht zum Sonntag wurde ein türkischer Supermarkt in der Schwieberdinger Str. in Stuttgart Ziel eines Angriffs. Dabei wurde die Schaufensterfront mit Steinen eingeschlagen. Die Tat wird auf einer PKK-nahen Internetseite geteilt.

In Dortmund und Essen melden türkischstämmige Bürger, dass ihre Fahrzeuge von Demonstrationsteilnehmern beschädigt wurden. Offenbar gingen die Randalierer gezielt gegen Fahrzeuge vor, die eine türkische Fahne oder vergleichbares aufwiesen. 

In Berlin wurde ein Café in der Antonstraße, in München ein Sportclub und Café in der Stadtmitte und in Köln ebenfalls ein Café, die von Türkischstämmigen betrieben werden, Ziele von Teilnehmern der seit Samstagabend stattfindenden Spontandemonstrationen. Laut Angaben der Betreiber entstand dabei Sachschaden, man kam mit dem Schrecken davon.

In Hamburg griffen Demonstranten am Hauptbahnhof Polizei und Bürger auf den Bahnsteigen an. In zahlreichen Videos die in sozialen Netzwerken geteilt werden, werfen Bürger den Demonstranten Gewaltanwendung vor. Auch in europäischen Hauptstädten ging die Polizei gegen die gewaltbereiten Demonstrationen vor, so u.a. in Brüssel und London.

Seit Wochen haben die Übergriffe auf Türken oder türkische Einrichtungen zugenommen, nach dem PKK-nahe Organisationen in Europa zum "Widerstand" aufgerufen haben. Die Aktion, so die im Internet zu findende Erklärung, sei „aus Rache für die Angriffe der türkischen Besatzerarmee und die massenhafte Tötung von ZivilistInnen in Efrîn durchgeführt“ worden. Weitere Aktionen wurden angekündigt, man beabsichtigt „den Krieg in Efrîn auf Europas Straßen zu tragen.“ 

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