Türkei: Übersetzerin Meşale Tolu verhaftet

Lesezeit
2 Minuten
Gelesen zu

Türkei: Übersetzerin Meşale Tolu verhaftet

12. Mai 2017 - 21:37
Kategorie:
0 Kommentare

Die deutsche Staatsbürgerin Meşale Tolu wurde am 30. April in ihrer Wohnung in der Nähe von Istanbul festgenommen und eine Woche später in ein Untersuchungsgefängnis verlegt. Nun sorgt sich die Bundesregierung und spricht von einem bedauerlichen und besorgniserregenden Fall. Die türkische Justiz wirft der Inhaftierten Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Bislang ist nicht gesichert, ob Tolu die türkische Staatsbürgerschaft abgelegt hat.

Bild: avrupaforum.org

Istanbul / TP - Die türkischstämmige deutsche Staatsbürgerin Meşale Tolu, die am 30. April in Istanbul verhaftet und eine Woche später in Untersuchungshaft genommen wurde, beschäftigt das deutsche Auswärtige Amt. Tolu wird Medienberichten zufolge Propaganda für eine Terrororganisation vorgeworfen. Bislang ist nicht gesichert, ob Tolu die türkische Staatsbürgerschaft abgelegt hat. Laut ihrer Familie habe Tolu dies getan. Die Bundesregierung ist über den Zustand nicht begeistert, da sie erwartet, dass die Türkei das Wiener-Abkommen einhält und deutschen Diplomaten Besuchsrecht sowie konsularische Betreuung der Inhaftierten einräumt.

Die Übersetzerin und Journalisten des linksgerichteten türkischen Online-Nachrichtenportals ETHA.com.tr und Aktivistin der Sozialistischen Frauen-Vereinigung in Deutschland (SKB), ist auch Mitglied bzw. im Rat der in Deutschland ansässigen Föderation der Arbeitsimmigrant/innen aus der Türkei e.V. (AGIF) und der Konföderation der unterdrückten Immigranten in Europa (AvEG-Kon). Beiden Organisationen wird vom deutschen Verfassungsschutz eine politisch-ideologisch Nähe zur Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) nachgesagt. Die MLKP gilt in der Türkei als terroristische Organisation, die Mitte März 2016 eine gemeinsame Deklaration mit der Terrororganisation PKK unterzeichnete, worin sie der Türkei zusammen mit weiteren linksextremen und kommunistischen Untergrundorganisationen den gemeinsamen Kampf angesagt haben.

Nach bisherigen Informationen wurde Meşale Tolu am 30. April zusammen mit 16 weiteren Personen in Istanbul verhaftet. Die polizeiliche Razzia richtete sich auch gegen Mitglieder des Zusammenschlusses sozialistischer Jugendverbände (SGDF) sowie der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP), worin auch die in Untersuchungshaft sitzende Co-Vorsitzende der nationalistisch-kurdischen HDP, Figen Yüksekdağ, Vorsitzende ist.

Neben Tolu wurde auch der ETHA-Übersetzer Osman Tunç verhaftet. Ausserdem wurden die Aktivisten Serkan Zorlu, Bilal Ateş, Sinan Aktaş, Umut Aktaş, Birol Kurt, Ömer Sezgin, Mustafa Tezel, Fırat Çağla, Fatma Çiftçi, Yağmur Emekdar, Deniz Havuç, Ruken Farisoğlu, Ceren Çoban und Serkan Okatan verhaftet. Allen Verhafteten wird laut des Online-Nachrichtenportals ETHA, Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen. 

Gegen Auflagen wurden nach knapp einer Woche Ruken Farisoğlu, Ceren Çoban, Fatma Çiftçi, Serkan Zorlu und Umut Aktaş freigelassen, während u.a. bei Tolu der Haftrichter die Untersuchungshaft anordnete. Sie sollen zusammen mit weiteren Aktivisten am 28. April in einer Presseerklärung der SKB in Istanbul einen rechtswidrigen Aufruf gestartet haben, damit der "Tag der Arbeiterbewegung" trotz eines Verbotes und Zuweisung eines anderen Platzes, auf dem Istanbuler Taksim-Platz stattfindet. Die Provinzverwaltung von Istanbul hatte den Austragungsort für den diesjährigen 1. Mai benannt und den Taksim-Platz für Demonstrationen gesperrt. Nichtsdestotrotz hatten zahlreiche linksgerichtete Organisationen den Taksim-Platz als Ausrichtungsort für den 1. Mai ausgewiesen. Ob die Verhaftung von Tolu auch mit den Aktivitäten innerhalb der AGIF oder AvEG-Kon in Deutschland in Zusammenhang steht, ist bislang nicht bekannt.

Die 33-Jährige Tolun war zuletzt mit der Teilnahme an der Gedenkveranstaltung für die im Kampf gegen den sogenannten "Islamischen Staat“ getötete Deutsche MLKP-Terroristin Ivana Hoffmann in Nordsyrien aufgefallen. Ihr Mann, Suat Çorlu, wurde bereits Anfang April nach der Rückkehr aus Syrien verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

weitere Informationen zum Artikel
Noch nicht bewertet