Türkische Tatverdächtige in Deutschland und der Nachrichtendienst

Lesezeit
4 Minuten
Gelesen zu

Türkische Tatverdächtige in Deutschland und der Nachrichtendienst

12. Mai 2018 - 23:33
Kategorie:
0 Kommentare
Aufrufe

Laut einem Artikel des Sabah-Journalisten Kenan Kiran wurden die ehemaligen türkischen Staatsanwälte Zekeriya Öz sowie Celal Kara nach ihrer Flucht aus der Türkei in einer Wohnung eines deutschen Nachrichtendienst-Mitarbeiters untergebracht. Ein Kronzeuge will mit den beiden über eine Handy-App eine Videoanruf getätigt haben und hat hierzu Bilder sowie die Unterhaltung den ermittelnden türkischen Behörden nachgereicht.

Türkische Tatverdächtige in Deutschland und der Nachrichtendienst

Ankara / TP - In der Türkei wird die deutsche Rolle zum gescheiterten Putschversuch in der Türkei am 15. Juli 2016 derzeit erneut aufgerollt. Inhalte aus einer Ermittlungsakte der türkischen Generalstaatsanwaltschaft in Ankara und Istanbul deuten darauf hin, dass deutsche Sicherheitsbehörden bei der Unterbringung geflüchteter türkischer Tatverdächtiger in Zusammenhang mit den fingierten Mammut-Prozessen zur angeblichen Ergenekon, der Verschwörung unter dem Codenamen Vorschlaghammer sowie zum Korruptionsskandal in der Türkei, in Deutschland behilflich waren. Das geht aus Aussagen hervor, die ein Kronzeuge gegenüber den ermittelnden türkischen Behörden zum gescheiterten Putschversuch angab.

Laut Kiran nahm dieser Kronzeuge sieben Monate nach der Flucht von Zekeriya Öz sowie Celal Kara Kontakt mit ihnen auf. In einem Videoanruf mit dem Handy-App Viper habe dieser ein audio-visuelles Gespräch mit Öz und Kara geführt, dabei auch mutmaßlich den deutschen Nachrichtendienstler in dessen Wohnung gesehen. Das Gespräch fand demnach am 10. März 2016 statt, also rund sieben Monate nach der Flucht der beiden Staatsanwälte am 9. August 2015. Dabei soll der Kronzeuge in dem rund 30-minütigen Gespräch Kara lapidar angefragt haben, ob er den "Typen" sehen könne, der sie schütze und Kara habe das Handy daraufhin auf den dritten Mann umgeschwenkt. In dieser Zeit habe der Kronzeuge Schnappschüsse von diesem "Mitarbeiter" aufgenommen.

[türkisch ] Bu eleman nasıl tip, bir bakayım abi
[auf deutsch] Was ist das für ein Mitarbeiter, lass ihn mal sehen Bruder

Während Öz vorgeworfen wird, die Mammut-Prozesse gegen Militärangehörige, Akademiker oder Journalisten in Zusammenhang mit einer angeblichen Ergenekon-Verschwörung Ermittlungen angestrengt, sie inhaftiert und mit fingierten Beweisen und Zeugenaussagen dafür mitgesorgt zu haben, sie verurteilen zu lassen, wird Kara vorgeworfen, den mutmaßlichen Korruptionsskandal von Kabinettsmitgliedern der amtierenden Regierung am 17. Dezember 2013 mit fingierten Beweisen angestoßen zu haben, der zu einer Regierungskrise führen sollte. Beiden Tatverdächtigen wird daher vorgeworfen, Mitglieder der Fethullahistischen Terrororganisation (FETÖ) bzw. dem Parallelstaat (PDY) zu sein.

Der Vorwurf richtet sich dahingehend auch zum Putschversuch, da die Tatverdächtigen während des Gesprächs mit dem Kronzeugen "Sultan" sich auch zu einem bevorstehenden Ereignis geäussert hätten. So soll Kara im Gespräche erklärt haben, dass die "Soldaten unter einem Vorwand zwischen Mai [2016] bis spätestens September die Regierung stürzen und übernehmen" werden. Des Weiteren habe Kara angedeutet, dass die nächsten Präsidenten entweder Meral Akşener, Kemal Kılıçdaroğlu oder Metin Feyzioğlu heißen werden.

Ferner hätten beide Tatverdächtigen laut dem Kronzeugen einen bevorstehenden Umsturz zu erkennen gegeben, der von rund einem Drittel des Militärs getragen werde. Kara gibt auch an, dass er danach bald zurückkehren werde - offenbar rechnet er damit, dass die amtierende Regierung gestürzt ist und die Justiz die Verfolgung aufgrund politischer Neuausrichtung einstellt. Zu Öz erklärt Kara jedoch, dass dieser noch einige Zeit im Ausland bleiben werde, da er noch mit einer erheblichen Feindschaft und juristischer Verfolgung rechnen müsse. 

Das Gespräch fand laut den Ermittlungsakten nur vier Monate vor dem gescheiterten Putschversuch am 15. Juli 2016 statt. Bereits Mitte Januar 2017 berichtete die türkische Tageszeitung Aksam, dass der ehemalige Staatsanwalt Zekeriya Öz sich in Freiburg i.B. aufhält und vom Bundesnachrichtendienst bewacht wird. Demnach wohne Zekeriya Öz in Freiburg im Breisgau in einer Wohnung der Hizmet-Bewegung, der vom islamischen Prediger Fethullah Gülen angeführt werde. In unmittelbarer Nähe der angegebenen Adresse befindet sich auch eine Hizmet-Schule sowie ein Verein der Hizmet-Bewegung. 

Öz werde zudem vom BND beschützt und bewacht, heißt es in dem Bericht von Murat Kelkitlioğlu weiter. Kelkitlioğlu geht dabei detailliert zu den Vorwürfen ein und nennt dabei auch die Wohnadresse von Öz sowie zur Beziehung zum Bundesnachrichtendienst. Murat Kelkitlioğlu zufolge erhalte Öz im Gegenzug für seine Informationen, Schutz durch die Bundesregierung. Zuvor hatte die Oda TV berichtet, dass Zekeriya Öz 2015 in einem Hotel am Ulmer Hauptbahnhof erkannt wurde. Laut Zeugenaussagen wurde Öz von deutschen Beamten begleitet.  

Im August 2017 meldet die Milliyet in Zusammenhang mit baden-württembergischen Städten widerum, dass der meistgesuchte Tatverdächtige der Türkei, Adil Öksüz, ebenfalls in Baden-Württemberg eine befristete Aufenthaltsduldung erhalten habe. Namentlich tauche dieser jedoch nicht im Ausländerzentralregister auf. Der türkischen Presse zufolge ein Hinweis, dass die deutschen Behörden bemüht sind, den Aufenthaltsort zu verschleiern.

Adil Öksüz ist einer der mutmaßlichen Drahtzieher des gescheiterten Putschversuchs vom 15. Juli 2016, ein Geistlicher der türkischen Luftwaffe auf dem Militärflugplatz Akıncı in Ankara. Am 16. Juli 2016 wurde Öksüz in der Nähe des Kasernengeländes kurz nach Ausbruch des Putschversuchs verhaftet, jedoch kurze Zeit später freigelassen. Er wird innerhalb der türkischen Sicherheitsbehörden als die schwarze Blackbox bezeichnet, da er die rechte Hand von Fethullah Gülen sein soll.


CELAL KARA:

..seine Zeit ist gering,( Hinweis auf Mord am Praesidenten Erdoğan)
Organisationen haben sich vereint, nach und nach wird in jeder Region der Türkei Chaos
geschaffen werden. Am Nemruz ( kurdischer Frühlingsanfang) wird die Bevölkerung beginnen, auf die Strassen zu gehen . Ab 1. Mai werden die Gewalthandlungen so gross sein, dass der Staat sie ncht mehr unter Kontrolle haben wird. Der Aufbau der Armee ist abgeschlossen. Es gibt 250 000 Polizisten . Ein Teil davon dient uns und der Rest der Stiefellecker, selbst alle Konflikte werden in der Zwischenzeit verschwinden.
Die Polizei hat sowieso keine schweren Waffen, achte drauf, das Militaer ist in den letzten Jahren immer stiller geworden, in manchen Garnisonen erwacht langsam wieder das Leben. Die Regierung wird in die Ereignisse eingreifen wollen, es wird ihr aber nicht gelingen. Wir werden sie vom Thron heben.

Geheimzeuge SULTAN:

Bis zu 33 Prozent der Soldaten machen mit, wird das reichen?
Und die Revolution ist vorbei.
Was wird die Bevölkerung sagen? Für mich wird das noch mehr Chaos.

CELAL KARA:

Wird das? Mein Bruder du siehst jetzt 65 Prozent. Der Polizei ist es nicht gelungen die inneren Unruhen der Armee zu unterdrücken.

Geheimzeuge SULTAN:

Bruder, was wird Euer Job dabei sein? Werdet ihr kommen können?

CELAL KARA :

Ich werde kurz nach den Vorfaellen zurück sein. Zekeriya muss jedoch noch 4 bis 5 Jahre bleiben, er hat viele Feinde.

Auszug aus tuerkenbayer.blogspot.de über Inhalte der Ermittlungsakte

weitere Informationen zum Artikel
Bewertet: 
Bewertung: 5 (1 Stimmen)
Video: