Polizeieinsatz in Bielefeld mit Todesfolge und Ungereimtheiten

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Polizeieinsatz in Bielefeld mit Todesfolge und Ungereimtheiten

12. November 2016 - 19:29
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Der Polizeieinsatz in Bielefeld am 16 Oktober, bei dem ein 39-jähriger Türke verstarb, wirft trotz einer Erklärung der Bielefelder Polizeipräsidentin Katharina Giere viele Fragen auf. Die Familienangehörigen des Opfers hatten Strafanzeige gegen die beteiligten Bielefelder Beamten gestellt und widersprechen auch der jüngsten Darstellung der Polizei.

Polizeieinsatz in Bielefeld mit Todesfolge und Ungereimtheiten

Bielefeld / TP - Seit die Nachricht des Todes eines 39-jährigen Bielefelder Wirtes türkischer Abstammung, die sozialen Netzwerke am darauffolgenden Tag erreichte, herrscht Wut und Trauer über den Polizeieinsatz in der Nacht vom 16. Oktober. 

Dabei ging es eigentlich nur um eine Meldung über eine Ruhestörung, woraufhin eine Polizeistreife ausrückte. Laut der Polizei stand der Mann unter Drogeneinfluss, tobte und schrie wohl in der Wohnung, ein 2-jähriges Kind war in der Wohnung allein, weshalb die Beamten zur Abwendung einer möglichen Gefahr gegenüber dem Kind, den Mann erst festnahmen, dann fixierten und daraufhin früzeitig einen Rettungsdienst anforderten, die den unter Drogeneinfluss stehenden Mann erstversorgen sollten. Nach der Zuführung ins Krankenhaus verstarb der 39-jährige jedoch 34 Stunden später, weshalb auch ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bielefeld anhängig ist.

Laut der jüngsten Erklärung der Polizeipräsidentin Giere habe man den Tod des Mannes mit Bestürzung aufgenommen und bedauere auch, dass der Todesumstand noch nicht geklärt sei. Es habe sich bei dem Einsatz um eine Sicherung des Kindeswohls gehandelt und darüber hinaus auch um die Erstbehandlung des unter Drogeneinfluss stehenden Mannes im Krankenhaus.

Doch die Familienangehörigen, darunter die Ex-Frau und der Bruder des verstorbenen Türken widersprechen der Darstellung der Polizei. Demnach hätte die Polizeistreife an der Haustür des Mehrfamilienhauses geklingelt, die Ex-Frau sei vor die Wohnungstür getreten, die Beamten hätten sie auf die Situation aufmerksam gemacht, sie aber hätte ausdrücklich erklärt, dass der Ex-Mann immer so schreie wenn es Streit gebe und dass er sich demnächst beruhigen werde. Dann bat sie die Polizeibeamten auch, sich zu entfernen, damit sich die Situation beruhigt, was die Beamten aber nicht getan hätten, als der Mann in Unterwäsche sich zwischen der Türangel gezeigt habe. 

Auch die Darstellung der Nachbarn deckt sich mit der Erklärung der Polizei in keinster weise, erklärte unter anderem Rechtsanwalt Fatih Zingal, der sich mit dem Fall befasst hat. Laut seiner Darstellung gebe es widersprüchliche Erklärungen, einerseits die von der Polizei und andererseits die der Ex-Ehefrau und der Nachbarn im Haus.

Auch die weitere Vorgehensweise der Polizei wirft Fragen auf, teilte Zingal auf Anfrage mit. Denn, laut Augenzeugen und Aussage der Ex-Frau, schlug einer der Beamten unvermittelt auf den Türken ein, als sie zwar Zutritt verlangten, aber die Ex-Frau dies verwehrte. Daraufhin soll der Mann auch mit sehr viel Einsatz von Pfefferspray sowie Fixierung der Hände und Füße mit Kabelbindern bewegungsunfähig gemacht, dann vor das Haus getragen worden sein.

Entgegen der Behauptung der Polizeipräsidentin, sei die Anforderung eines Rettungsdienstes laut Augenzeugen auch nicht unmittelbar nach der Fixierung und nach dem Heraustragen auf den Rasen vor dem Haus erfolgt, sondern knapp eine Stunde später. Während dieser Zeitspanne, habe der Mann bauchlinks auf dem Rasen gelegen. Zeitweise habe sogar ein Beamte mit seinem Körpergewicht den Körper des Todesopfers am Boden festgehalten. Während dieser Zeitspanne habe der Mann der unter Drogeneinfluss stand, immer wieder um Allah, also Gott gerufen, der Beamte aber habe entgegnet, dass dieser jetzt auch nicht mehr helfen werde.

Erst nach einer knappen Stunde, in der die Polizei den 39-jährigen auf der Rasenfläche festhielt, kam der Rettungsdienst. Auf dem Weg ins Krankenhaus kollabierte der Türke dabei mehrfach. Ganze sechsmal musste er unterwegs wiederbelebt werden. Am darauffolgenden Tag verstarb der Mann jedoch im Krankenhaus.

Weil die Ex-Frau die Strafanzeige gestellt hatte und weil ein Todesfall auch die Staatsanwatschaft auf den Plan rief, wurde der Leichnahm des Mannes obduziert. Das Ergebnis liest sich wie folgt: "Der Tote hatte Hämatome im Gesicht, Abschürfungen und Schnittwunden durch die Kabelbinder an den Hand- und Fußgelenken.“

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