Bilanz des PKK-Gewaltaufrufs: Mindestens 7 Übergriffe auf Türken

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Bilanz des PKK-Gewaltaufrufs: Mindestens 7 Übergriffe auf Türken

13. März 2018 - 17:50
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Die Demonstrationen gegen die türkischen Antiterror-Operation auf die syrische YPG-Hochburg Afrin schlagen zunehmend in Gewalt um. Bilanz des heutigen Tages: Mindestens 7 türkische Einrichtungen wurden von PKK- bzw. YPG-Aktivisten am Dienstag angegriffen.

Der türkische Lebensmittel-Supermarkt Adese II in Hamburg-Wilhelmsburg

Berlin / TP - Die Solidaritäts-Demonstrationen gegen die türkischen Antiterror-Operation auf die syrische YPG-Hochburg Afrin schlagen in Deutschland zunehmend in Gewalt um. Bilanz des heutigen Tages: Mindestens 7 türkische Einrichtungen wurden von PKK- bzw. YPG-Aktivisten angegriffen.

In der Hamburger Sternschanze traf es in der Nacht auf Dienstag das türkische Restaurant "Pamukkale Grill". Auch hier wurden Scheiben des Restaurants eingeschlagen, fünf der acht Fensterscheiben gingen dabei zu Bruch. Anschließend bewarfen die Aktivisten Farbbeutel gegen die Fassade des Hauses. In beiden Fällen vermutet die Polizei einen "politischen Hintergrund".

Die DITIB Eyüp-Sultan Moschee in Köln-Kalk wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag ebenfalls von Aktivisten mit Parolen beschmiert. Hierbei hat sich im Netz eine Gruppe zu der Tat bekannt, die der Antifa- und PKK-Szene zugeordnet wird.

In der Nacht zu Dienstag verübten ebenfalls Antifa- bzw. PKK-Aktivisten Brandanschläge auf zwei von Türken betriebene Geschäfte an der Sandstraße im niedersächsischen Garbsen. Die Täter versuchten Scheiben einzuschlagen, um Brandsätze in die Geschäfte werfen zu können. Dabei wurden die Fronten der Gebäude stark verrußt, Scheiben zerbarsten.

Bislang Unbekannte beschmierten die Hauswände von zwei türkischen Supermärkten in Darmstadt. Dabei hinterließen sie politische Parolen sowohl an der Fassade eines Einkaufsmarktes in der Karlstraße als auch in der Pallaswiesenstraße.

Die Serie von Brandanschlägen und Übergriffen auf türkische Moscheen und Einrichtungen nimmt immer weiter Fahrt auf, nachdem zuerst im Netz Anhänger der Terrororganisation PKK am Wochenende Aufrufe an Jugendliche richteten, "die mörderische Stille zu beenden und den Krieg auf Europas Straßen zu tragen“. Gleichzeitig wurden Aktionen gegen türkische Botschaften, Läden und Cafés, aber auch gegen deutsche Institutionen angekündigt. Genannt werden auf diesen Seiten Büros von SPD und CDU sowie Polizeistellen und Gerichte. "Wer den Krieg gegen unser Volk unterstützt und verteidigt, wird dafür bezahlen müssen“, heißt es in den Aufrufen der kurdischen Seite "Nuce Ciwan“ oder "Rojaciwan". Noch am Samstag rief kurze Zeit später der PKK-nahe Verband NAV-DEM e.V. zu Protesten und Solidaritäts-Demonstrationen auf.

Bereits in der Nacht von Sonntag auf Montag wurde der türkische Lebensmittel-Supermarkt Adese in Hamburg-Wilhelmsburg angegriffen, wobei die Fensterfront dabei stark beschädigt wurde, melden jetzt Betroffene im Internet. Gleichzeitig gingen in Stuttgart an einem türkischen Supermarkt in der Schwieberdingerstraße Scheiben zu Bruch. Die Tat wurde von den Tätern in einem Video festgehalten und später ins Netz gestellt.

Die Brandanschläge und Übergriffe sind kein neues Phänomen. Seit Monaten registrieren türkische Einrichtungen und Moscheen immer mehr Gewalttaten gegen sie durch PKK-nahe Gruppen. Allein in diesem Jahr wurden bislang mehr als 27 Übergriffe auf türkische Moscheen und Einrichtungen gemeldet, die auf das Konto der PKK gehen. Nur die wenigsten werden polizeilich gemeldet, da die Aufklärungsrate sehr gering ist und die Menschen nicht noch mehr ins Visier der Täter geraten wollen.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sagte der WELT: "Die Ermittlungen werden zeigen, wer hinter dem Terror gegen die türkischen Moscheen steckt. In der aktuell aufgeheizten Situation spricht viel für kurdische Täter.“ Es sei auch nicht richtig, dass die derzeitigen Ausschreitungen vom Wochenende neu seien und der Konflikt nach Deutschland getragen werde. "Der war nie weg“, sagte Wendt gegenüber der WELT und fügte hinzu, "Schon in den 90er-Jahren gingen kurdische Separatisten mit Eisenstangen auf meine Kollegen los.“ Wendt hofft, dass der Konflikt nicht wieder so stark aufflammen wird wie vor 20 Jahren. "Damals konnten wir noch vor jeden zweiten Dönerladen Polizisten stellen. Das wäre durch die starke Beanspruchung der Kräfte durch den Asylzuzug inzwischen nicht mehr möglich“, so der Gewerkschaftschef.

In der türkischen Gemeinde ist die Sorge groß, dass die PKK und ihre in Deutschland operierenden Organisationen die Eskalationsstufe weiter anheizen, in dem weiterhin Solidaritätskundgebungen abgehalten werden. Bislang sei zwar niemand ernsthaft verletzt worden, aber die Moscheen und Einrichtungen würden zum großen Teil in bewohnten Gebieten liegen, Moscheeräume oder Geschäfte unter Wohnhäuserrn liegen, in der mehrere Familien drüber wohnen. Das Glück könne nicht immer so anhalten, so ein Funktionär der DITIB Moschee in Berlin-Reinickendorf, die am vergangenem Wochenende Ziel eines Brandanschlags wurde und niederbrannte.

Unterdessen halten Türken an Moscheen im Bundesgebiet Wache. In der Nacht zum Dienstag meldeten mehr als zwei Dutzend Türken in sozialen Netzwerken, dass sie vor der Moschee in ihrem Heimatort Wache halten oder mehrere Moscheen in ihrem Kreis abfahren, um nach dem rechten zu schaiuen. Unter dem Hashtag #Nöbetteyiz sollen auch an diesem Abend Moscheen im Bundesgebiet vor Übergriffen geschützt werden.

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