Holt schon mal Popcorn raus: Özil und Gündogan bei Erdogan

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Holt schon mal Popcorn raus: Özil und Gündogan bei Erdogan

14. Mai 2018 - 18:50
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Zwei Schlüsselspieler der deutschen Nationalmannschaft bei Erdogan? Und das so kurz vor der Nominierung des WM-Kaders? Leute, holt die Popcorns raus, es wird lustig.

TAZ fragt, ob die das überhaupt dürfen

Kommentar - Zwei Schlüsselspieler der deutschen Nationalmannschaft, Mesut Özil und Ilkay Gündogan treffen sich mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan in London. Kurz vor der Nominierung des WM-Kaders wird das in Deutschland selbstverständlich für Schnappatmung sorgen. Leute, holt die Popcorns raus, es wird lustig - und ehe man es gesagt hat, fängt die Show bereits an.

Der BILD-Reporter Metin Gülmen fragt in Twitter in die Runde, ob es denn wirklich sein müsse, dass die zwei sich mit Erdogan ablichten lassen. Die TAZ fragt, ob die das überhaupt dürften und Seyran Ates erklärt, sie habe kein Respekt mehr vor denen. Cem Özdemir gibt eine Lehrstunde, wie der Präsident, die Kanzlerin und das Parlament in Deutschland heißen. DFB-Präsident Reinhard Grindel meint, dass es der Integrationsarbeit ganz bestimmt nicht geholfen habe. Deshalb will auch gleich der DFB-Teammanager Oliver Bierhoff mit den zwei einige Worte austauschen.

Und selbstverständlich dürfen die hiesigen Dauerbeleidigten nicht fehlen, bei denen die zwei "unten durch sind", ihnen "Demokratie beigebracht" werden muss und aus der DFB-Elf "sofort raus" sollen, wofür eigens bereits eine Online-Petition eingerichtet wurde. Aber Hauptsache, man nimmt an der WM in Russland teil und vergißt, dass das Land mit Sanktionen belegt ist. Na denn...

Im Gegensatz dazu liest man englische Kommentare, die völlig wertefrei sind und die zwei völlig rational betrachten und sogar beglückwünschen. Ein himmelweiter Unterschied zu deutschen Kommentaren, der aufzeigt, welch eine Demokratie und Freiheit man in Deutschland auslebt. Fast könnte man meinen, die zwei sind Sklaven, denen man gerade ihren Freiheitsdrang austreiben will. Das kennt man irgendwoher. So lange die "Alis" den Ball holen ist alles bestens, aber wehe sie tanzen aus der Reihe...

Mit ein Grund ist der fehlende Respekt vor anderen, was Gündogan danach auch angesprochen hat: "Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln - auch als deutsche Staatsbürger - für die Geste der Höflichkeit entschieden." In Deutschland wird man die Mentalität der Türken nie verstehen, auch nicht ein Özdemir oder Dagdelen, die vorgeben, es nicht zu verstehen.

Wenn die zwei Fußballprofis sich jedoch hinter die anderen Quotentürken eingereiht hätten und Erdogan kritisieren würden, dann wäre es keineswegs eine politische Aktion und wie selbstverständlich angekommen, denn es wäre von Deutschen Gnaden. Willkommen also in der deutschen Wertegesellschaft, in der die Gesinnung darüber entscheidet, ob du einer von denen oder einen von "uns" bist. Am Ende des Tages sind die zwei jedenfalls weiterhin Fußballer und alle wollen sie wieder Autogramme.

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C

deutschland ist schon lange eine DDR geworden. die medien und politiker entscheiden was richtig und was falsch ist wer was zu tun hat, tanzt einer aus der reihe wird er denunziert und bekriegt. vor allem bei den deutschland-türken ist das sehr extrem, da sie auch keine gegenwehr zeigen, gespalten sind und sich gegenseitig bekämpfen. 

ich verstehe auch nicht warum man deutsch sein soll, wenn doch europa das anvisierte ziel ist und dieses ganze nationalistische in der eu hinderlich ist. ich würde mich europäischer türke nennen. so bekenne ich mich zu europa und verliere auch meine wurzeln nicht. ein deutscher zu sein heisst nicht automatisch europäer zu sein. 

an der aktion sieht man aber wozu die deutsche öffentlichkeit imstande ist zu tun. die kennen keine scheu und würden alles ausradieren was ihren politischen interessen im wege steht. hierzu bedienen sie sich allen staatlichen organisationen und instrumenten, auch dem des deutschen fussballbundes. 

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