Mannheim: Jugendlichen wird Märtyrertum nahegebracht

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Mannheim: Jugendlichen wird Märtyrertum nahegebracht

15. Februar 2012 - 00:03
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Ehemaliges Mitglied der "kurdischen Frauenguerilla" Anja Flach erzählt über ihre Erlebnisse und Erfahrungen aus Kandil. Schweigeminute für Märtyrerfrauen rundet den Vortrag in der JUZ-Mannheim ab

Vergangenen Freitag stellte Anja Flach ihre Bücher "Jîyaneke Dîn- Ein Anderes Leben" sowie "Frauen in der kurdischen Guerilla" vor. Zu dem Vortrag hatte die "Young Struggle Heidelberg/Mannheim" und die "Kurdische Jugend Mannheim/Ludwigshafen" in den JUZ eingeladen. Nach eigenem Bekunden stellte Anja Flach - die Mitglied in der "Frauenarmee" der PKK war -  in Zusammenhang mit ihren Büchern den Aufbau der weltweit ersten "Frauenguerilla" vor. Im Anschluss daran berichtete Flach auch über die letzte Reise im Nordirak, in der sie in den Kandil-Bergen im Frühjahr 2011 gewesen sein soll. Von den Kandil-Bergen heraus operiert die Terrororganisation PKK auch in der Türkei.

Der Vortrag wurde zuvor von Reden der kurdischen Jugend, Young Struggle sowie Young Struggle Frauengruppe im "Jugendzentrum in Selbstverwaltung" (JUZ) in der Mannheimer Neckarstadt eingeleitet, die von der Stadt Mannheim bereitgestellt wird. In den Reden soll besonderes Augenmerk auch auf die "Wichtigkeit des Freiheitkampfes" Wert gelegt worden sein. Die Redner schlossen ihre Reden nach eigener Darstellung mit Schweigeminuten für "Ronahi" und "Berivan" - 2 Frauen die sich in Mannheim 1994 aus Protest selbst verbrannt hatten - sowie für Yasemin Ciftci ab, die am vergangenen Donnerstag in Istanbul verstarb, als die Bombe die sie bei sich trug wegen einer Fehlzündung detonierte. Mit Bildern und Erzählungen ging danach Anja Flach in ihrem Vortrag auf die "Frauenguerilla" intensiv ein. Augenfällig dabei auch die hier verbotene Flagge der Komalên Ciwan (Gemeinschaften der Jugend), einem Jugendverband der verbotenen Terrororganisation PKK, die am Rednertisch ausgelegt ist.

Zu Beginn berichtete Anja Flach von den Entwicklungen der kurdischen Bewegung, von der Entstehung der PKK in den frühen 70’er und 80’er Jahren und der Entstehung des Guerillakampfes. Sie war selbst für fast 3 Jahre in der Guerilla und hatte die Gelegenheit 3 Monate in der PKK-Schule Unterricht zu erhalten. Dort hat sie die Ideologie und den Kampf der Guerilla kennengelernt. Anja Flach, die sich im Umfeld der Autonomen Szene im Hamburg befand, war beeinflusst vom Frauenkampf der Kurden. Sie war beeindruckt davon, dass gerade im Mittleren Osten in den 90’er Jahren eine Frauenarmee gebildet wurde. Der Frauenkampf in Deutschland war zu dieser Zeit in einem Rückgang in der Linken Szene, die ohnehin am zusammenbrechen war. Betont wurde, dass Abdullah Öcalan, der Vorsitzende der PKK großen Einfluss an der Gründung der Frauenarmee hat.
Quelle: ysmannheim.blogsport.de - "Bericht zum Vortrag über Frauen in der kurdischen Guerilla" vom 12. Februar 2012

Die JUZ-Mannheim die von der Stadt Mannheim die Räumlichkeiten mietfrei überlassen bekommt und zusätzlich über den Förderverein Betriebskostenzuschüsse in unterschiedlicher Höhe erhält, fiel mehrmals negativ auch in der Politik auf. Bereits 1997 wurde auf eine Kleine Anfrage an den Landtag von Baden-Württemberg hin bekannt, dass die JUZ öfters ähnliche Veranstaltungen abhielt, darunter auch von einem PDS-Mitglied (jetzige LINKE Partei) unterstützt wurde, der gleichzeitig im Vorstand des "Kurdistan Solidaritätskomitees Mannheim“ war. 2005 wurde in einer Großen Anfrage die Bundesregierung befragt, wobei diesmal Verdacht der finanziellen Förderung linksextremistisch beeinflusster Initiativen durch das "Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt" Hauptaugemerk war. In der Antwort der Bunderegierung hieß es damals, dass die Mittel nicht direkt an die Vereine ausgeschüttet wurden, sondern Projekten zugute kommen würden, die sich gegen Extremismus und Gewalt richten. Die Auszeichnungen sollen dabei mit einvernehmlichen Beschluss des Beirates des "Bündnisses“ vergeben worden sein und die Bundesregierung sehe keinen Anlass, die Entscheidungen dieses sachverständigen Gremiums anzuzweifeln. Seit August letzten Jahres wird die JUZ auch im Zusammenhang mit dem "Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus" genannt, das in Baden-Württemberg von der Jugendstiftung und der LAGO (Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung) getragen und vom Kultusministerium gefördert wird.

"Märtyrer in der Türkei"

Zum 15. Februar hin werden in der Türkei erneut beinahe täglich die alt bekannte Waffe eingesetzt: Das Selbstmord-Attentat. Junge Frauen aber auch Männer sprengen sich mitten in Menschenansammlungen in die Luft, versuchen dabei so viele ihrer vermeintlichen Feinde zu töten und versprechen sich davon Anerkennung und Freiheit für das eigene Volk. Der unvorstellbaren Grausamkeit dieser Taktik ist nichts entgegen zu setzen. Das Märtyrertum innerhalb der Terrororganisation PKK ist seit etwa 20 Jahren hoch im Kurs, besonders unter jungen Frauen findet es regen Anklang. Die Terrororganisation bringt junge Menschen dazu, ihr Leben zu riskieren oder bewusst zu opfern, indem sie ihnen suggerieren, dies geschehe im Kampf für die kurdische Freiheit. Gleichzeitig wird über den Märtyrer-Begriff gezielt um Zustimmung und Sympathie für Terrorangriffe gegen die vermeintlichen Feinde der "Kurden" geworben, auch in Europa. Die Terrororganisation hat den Märtyrerkult populär gemacht und zeichnet alle getöteten "Kämpfer" seither als Märtyrer aus.

Dieser Kult wird in Deutschland weiterhin betrieben. Zu den bekanntesten "Märtyrern" zählen Layla Wali Hasan, alias Viyan Soran, die sich 2006 selbst verbrannte; Zeynep Kınacı, alias Zilan, Selbstmordattentäterin, die sich 1996 bei einer Militärparade in Tunceli in die Luft sprengte; Gülnaz Karataş, alias Beritan, die sich im Jahre 1992 von einem Felsen stürzte, um einer Verhaftung zu entgehen; Hakkı Karer, Gründungsmitglied türkischer Herkunft, der noch vor der offiziellen Gründung der PKK in Gaziantep erschossen wurde; Mazlum Doğan, Generalsekretär der PKK, der in Haft Selbstmord beging; Mahsum Korkmaz, alias Agit, Kommandeur der PKK, der 1986 im Gefecht oder durch eigene Kameraden getötet wurde; Kemal Pir, Mehmet Hayri Durmuş, Akif Yılmaz und Ali Çiçek die 1982 an ihrem Todesfasten starben; Hüseyin Çelebi, der Oktober 1992 getötet wurde und seither ihm mit einem jährlich vergebenem Hüseyin-Çelebi-Preis für Literatur gedacht wird und erst im vergangenem Jahr von der YXK (Dachverband der Studierenden aus Kurdistan in Europa) in Hamburg im Audimax der Universität Hamburg zum 19. male ausgetragen wurde.

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