Türkei: Der Fall Andrew Craig Brunson

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Türkei: Der Fall Andrew Craig Brunson

16. April 2018 - 23:18
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Der US-amerikanische Pastor Andrew Craig Brunson steht seit Montag in der Türkei vor Gericht. Ihm werden Verbindungen zum Gülen-Netzwerk, der Terrororganisation PKK sowie Spionage vorgeworfen. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu 35 Jahre Haft. Der Fall ist heikel, zumal vieles in der Anklageschrift unter Verschluss gehalten wird und das was bekannt ist, zu wilden Spekulationen führt.

Türkei: Der Fall Andrew Craig Brunson

Izmir / TP - Seit Montag steht der US-amerikanische Pastor Andrew Craig Brunson in der Türkei vor Gericht. Ihm werden Verbindungen zum Gülen-Netzwerk, der Terrororganisation PKK sowie Spionage vorgeworfen. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu 35 Jahre Haft. Während des ersten Verhandlungstages, bei der auch zwei US-amerikanische Senatoren teilnahmen, brach Brunson kurz in Tränen aus, bevor er seine Aussage vor Gericht machte.

Der heutige Prozess in Izmir vor der 2. Schweren Strafkammer erweist sich als schwierig, zumal Washington mehrmals die sofortige Freilassung des Pastors verlangt hatte. Pastor Brunson hat inzwischen eine so gewichtige Rolle zwischen den bilateralen Beziehungen eingenommen, dass sogar US-Präsident Trump bei den zwei letzten Treffen mit Staatspräsident Erdogan trotz anderer wichtiger globaler und regionaler Themen den Fall des Pastors auf die Tagesordnung setzte, um eine Freilassung zu erwirken. Das besondere Interesse am Pastor wirft daher zwangsläufig die Frage auf, was an ihm so besonderes ist.

Andrew Craig Brunson arbeitete bis zur Putschnacht am 15. Juli 2016 seit mehr als zwei Jahrzehnten als Pastor der protestantischen Auferstehungskirche in Izmir, bis ihm bereits da der Vorwurf zum Verhängnis wurde, Kontakte zu bestimmten Geistlichen der Gülen-Bewegung gehabt zu haben. Am 28. September 2016 entzog die Einwanderungsbehörde der Stadt Izmir dem Pastor sowie der Ehefrau in deren Folge die Aufenthaltsberechtigungen mit der Begründung, die Staatssicherheit zu gefährden. Am 20 Oktober 2016 sollten Pastor Brunson sowie die Ehefrau Norine Brunson abgeschoben werden, weshalb sie in Abschiebehaft genommen wurden. Doch eine Aussage eines Kronzeugen verhinderte die Abschiebung und führte am 9. Dezember 2016 zur Verhaftung von Brunson. 

Am Montag dann der Prozessbeginn vor der 2. Schweren Strafkammer in Izmir gegen Pastor Brunson, dem vorgeworfen wird, Mitglied in einer oder mehrerer Terrororganisationen zu sein, Terrororganisationen unterstützt zu haben, worauf eine Höchststrafe von 15 Jahren steht. Ferner, und das wiegt schwerer, wird Brunson auch vorgeworfen, politische wie militärische Spionage für einen ausländischen Staat betrieben zu haben. Nach türkischen Recht stehen darauf bis zu 20 Jahre Haft. 

Nach bisherigen Erkenntnissen, führte die Generalstaatsanwaltschaft von Izmir die Ermittlungen nicht nur in Bezug zum Gülen-Netzwerk, sondern erweiterte diese auf die Terrororganisation PKK, nach dem die Ermittlungsergebnisse diesen Verdacht erhärteten. Demnach gibt es mutmaßlich hinreichende nachrichtendienstliche Erkenntnisse, dass der Pastor nicht nur mit FETÖ-Mitgliedern (Fethullahistische Netzwerk) in Kontakt stand, sondern PKK-Terroristen in Izmir Unterschlupf bot und finanziell versorgte. 

Der Kronzeuge, desse Aussage zur Verhaftung führte, soll Medienberichten zufolge Brunson näher kennen. Seinen Aussagen zufolge sorgte Brunson unter anderem seit 2003 dafür, dass die PKK-Terroristen die in der Türkei enttarnt wurden oder ihre Haft verbüßt hatten, unter anderem in Kanada Asyl beantragen und in das Land fliehen konnten. Dazu habe Brunson ihnen vor allem Taufbescheinigungen ausgestellt, um bei den jeweiligen Einwanderungsbehörden eine religiöse Verfolgung angeben zu können. Hierfür habe Brunson für die jeweiligen Aufnahmeländer entsprechend negative Berichte verfasst und diese über dortige NGO´s in Umlauf bringen lassen.

Laut nicht näher bezeichneten Sicherheitskreisen wird Brunson vorgeworfen, für die CIA Informationen beschafft und Aufträge umgesetzt zu haben, was nahelege, dass er für die CIA arbeite. Die selben Quellen berichten auch, dass der Pastor vor Jahrzehnten im US-amerikanischen Militär als Offizier einer Spezialeinheit tätig war. Die Ergebnisse einer Hausdurchsuchung sollen türkischen Medienberichten zufolge die Verbindung zum US-Militär erhärten. 

In Zusammenhang mit dem Gülen-Netzwerk werden Brunson die ausserordentlich guten Kontakte zum Gebietsgeistlichen der FETÖ in der Ägäis, Bekir Baz, zum Vorwurf  gemacht. Baz der sich seit dem gescheiterten Putschversuch auf der Flucht befindet, soll mutmaßlich den gescheiterten Putsch in Izmir angeführt haben. Das Gülen-Netzwerk in der Metropole Izmir wurde im Mai 2017 laut türkischen Medienberichten zerschlagen. Ihre hochrangigen Mitglieder befinden sich in Untersuchungshaft. Es soll umfangreiche Geständnisse geben, die im Prozess als Beweismittel verwendet werden sollen.

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