Anzeichen für Schizophrenie, Niedertracht, Verlogenheit

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Anzeichen für Schizophrenie, Niedertracht, Verlogenheit

16. Juli 2017 - 19:04
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An den Jahrestag des gescheiterten Putschversuchs in der Türkei mit 249 Todesopfern wird landesweit seit Samstag mit Mahnwachen und Kundgebungen erinnert. Doch noch immer haben einige nicht verstanden, worum es dabei geht.

Zwei einschneidende Ereignisse hat das türkische Volk hinter sich - den Befreiungskrieg und den gescheiterten Putschversuch

Kommentar / TP - Im Andenken an die Helden und Märtyrer hat die türkische Regierung diese Woche Kundgebungen und Mahnwachen in der ganzen Türkei und im Ausland organisiert. Dass der Umsturz niedergeschlagen wurde, war der türkischen Bevölkerung, der Polizei und der Armee zu verdanken. Zu Zehntausenden strömten die Menschen auf die Straßen, entwaffneten Soldaten und Zivilisten, stellten sich den Panzern in den Weg und hielten wochenlang Mahnwachen für die Demokratie und Freiheit. Die Bürger waren die Helden dieser Nacht. 182 Zivilisten, 62 Polizisten und 5 Soldaten bezahlten den Widerstand mit ihrem Leben. Man nennt sie heute die "Märtyrer des 15. Juli".

Staatspräsident Erdogan war so frei, diesen Nationalfeiertag auch in einer telefonischen Ansage von Vodafone- und Turkcell-Nutzern durchklingen zu lassen, sie an die heldenhafte Tat der Bürger zu erinnern und ihnen einen schönen besinnlichen nationalen Feiertag zu wünschen. Als Vertreter des Volkes erwartet man so etwas, ist ja schließlich keine Werbebotschaft eines Unternehmens, in der es um Aussicht auf Geldgewinn oder ein Gutschein geht. Es ging dabei um weit mehr als nur eine Geste. Es ging darum, Menschen zu ehren, die für das Land das höchste Opfer erbracht haben, ohne dabei auf Familie, Verwandtschaft oder eigene Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Sie stehen auf einer Stufe wie die Gefallenen des Befreiungskrieges. Wer sie nicht ehrt, hat schlicht und einfach ein Problem mit der Türkei.

Deshalb nehme ich es von deutschen Medien zur Kenntnis, was sie darüber Denken und berichten, aber es tangiert mich in keinster Weise, was sie davon halten, wenn der Präsident eines Landes direkt seine Bürger anspricht. Etwas anderes ist es, wenn wenige Türken auf diesen Zug aufspringen und auf die selbe Kerbe einschlagen.

Diese zahlreichen Märtyrer wurden von Panzern überfahren wie im Fall Mustafa Direkli, weshalb ihre Obduktion sich lange verzögerte, stammen aus fremden Ländern wie der Marokkaner Cevad Merrun, waren Väter und Söhne wie Erol Olçok und Abdullah Tayyip Olçok, die unbewaffnet niedergeschossen wurden weil sie verbal auf die Vernunft der Putschisten hofften.

Die Hoffnung vieler, die sich den Putschisten entgegen stellten, ging in Erfüllung, während andere wenige klammheimlich und insgeheim hofften, dass der Putsch eine Zeitenwende bringt. Diese wenigen Sympathisanten leiden nicht nur selbst, sie haben mittlerweile ganze Länder angesteckt, mit ihrer Schizophrenie, Niedertracht, Verlogenheit und das wird auch seit zwei Tagen immer deutlicher.

Die ersten Anzeichen für diese schwere Krankheit, anders kann man es gar nicht mehr nennen, weil es Symptome von Störungen im Denken, in der Wahrnehmung, der Emotionen und des Selbstempfindes aufweist, sind:

Wenn statt einem enfachen Bittgebet oder formeller Anteilnahme, von mir aus auch nur ein Achselzucken für die 249 Märtyrer, an sie mit Spott und Hohn laut gedacht wird. In der türkischen Kultur und ihrer Werte gibt es so etwas nicht, in keinem Land eigentlich.

Wenn die Teilnehmer solcher Mahnwachen und Kundgebungen als Schafe bezeichnet werden, die ihrer Meinung nach einem "Autokraten" oder "Diktator" folgen und folglich ihr eigenes verderben besiegeln. Niemand stellt sich Panzern oder lässt sich von ihnen überrollen, nur um weiter in einer Diktatur zu leben und sich nach dem tot dann von Schafen lobhudeln zu lassen. Das hat uns Atatürk nicht auf den Weg gegeben.

Wenn diese Damen und Herren die gefallenen Soldaten wie Halis Özdemir geflissentlich übergehen, um das Bild einer säkularen Kraft aufrechtzuerhalten, die gegen die Islamisierung des Landes den Putsch mitgetragen habe. Wer das tut, hat eine gewisse Islamophobie entwickelt, die schon krankhaft verteidigt und mit der glorreichen türkischen Armee ausgenutzt wird.

Wenn jene auf der einen Seite sich gegen Imperialismus und Putsche positionieren, jedoch im selben Augenblick im Gewand der Einheit und Eintracht ihre kleinen Fehden mit der türkischen Regierung zusammen mit ausländischen Akteuren auf dem Rücken des 15.Juli austragen, dann ist das geheuchelt, niederträchtig und verlogen. So etwas nennt man auf gut Deutsch: Täuscher, Blender, Nepper, im schlimmsten Fall Volks- und Vaterlandsverräter, nicht weil sie die Regierung kritisieren sondern weil sie es während eines Nationalfeiertages tun, die zu ehren der Märtyrer ausgerichtet wird.

Wenn also jeder Anstand, jede zivilisatorische Errungenschaft in Zusammenhang mit dem Zusammenleben ausgerechnet an einem Nationalfeiertag für die Märtyrer fehlt, diese Symptome zutreffen, dann kann man davon ausgehen, ein Prachtexemplar vor sich zu haben. 

Man kann den Deutschen - nicht allen - wegen ihrer Antipathie an diesem zweiten Tag des Nationalfeiertags zum 15. Juli zwar unterstellen, böswillig oder gar niederträchtig zu sein, doch sie können oder wollen es nicht besser verstehen und haben zumeist keinen Draht zum Thema, auch wenn sie als Experte die Deutungshoheit in Anspruch nehmen.  In allen Städten der Türkei sind gestern Nacht die Menschen auf die Straßen, man spricht von 20 Millionen. Das ist die Türkei, ob man es wahrhaben will oder nicht. Es ist nicht Erdogans Türkei, es ist die Türkei der Menschen, die dort in Frieden und Freiheit leben möchten.

Alle die eine andere Meinung darüber haben, jene Verteidiger dieser Türkei als regierungsnah bezeichnen, sollten so langsam das Oberstübchen ausmisten. Türken aber, die diese Symptome aufweisen, sollten schleunigst einen Arzt aufsuchen und sich therapieren lassen.

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