"Platz da! Hier kommen die Gasttauglichen!"

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"Platz da! Hier kommen die Gasttauglichen!"

18. November 2018 - 13:50
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Im DLF wirbt die türkischstämmige Kölner SPD-Politikerin Lale Akgün für einen "liberalen Islam" wie Sie es verstehe, vertrete und buchstäblich vorkaut. Man brauche ein aufgeklärtes Islamverständnis, keinen "politischen" Islam, so Akgün im Interview. Nach dieser verqueren Logik nach, müssten einige sich den Vorstellungen einer Mehrheitsgesellschaft beugen, um "liberal" und "aufgeklärt" zu sein. Gilt das auch für Veganer, Rechtsextreme, Juden oder Populisten?

"Platz da! Hier kommen die Gasttauglichen!"

Kommentar - Im DLF wirbt die türkischstämmige Kölner SPD-Politikerin Lale Akgün für einen "liberalen Islam" wie Sie es verstehe, vertrete und buchstäblich vorkaut. Man brauche ein aufgeklärtes Islamverständnis, keinen "politischen" Islam, so Akgün im Interview. Nach dieser verqueren Logik nach, müssten einige sich den Vorstellungen einer Mehrheitsgesellschaft beugen, um "liberal" und "aufgeklärt" zu sein. Veganer und Juden müssten dieser Logik folgend Schweinebraten essen, um den Gastgeber nicht vor den Kopf zu stoßen, so der lehrreiche Inhalt ihres Interviews.

Dabei ist der "liberale" Islam selbst ein politisches Ungetüm, der dem universellen Islam den Platz streitig macht. Auf der einen Seite der Wahhabismus, der mit dem Anspruch dahergalloppiert, die Reinheit des Islams explizit gegen jede Art von fremdem kulturellen und universellen Werten zu verteidigen; auf der anderen Seite die neoislamischen "liberalen" Verteidiger, die den vermeintlichen kulturellen und universellen Wertekanon verteidigen wollen. 

Beide Seiten nehmen für sich in Anspruch, den Islam vertreten zu wollen, und beide Seiten schenken sich dabei nichts, das Erbe Europas oder Kleinasiens und dessen Charakteristikum, die Vielfalt, zu zerstören. Denn nach ihrer Wertevorstellung gibt es keinen Islam außer ihren. Paradoxerweise sind Rechtsextreme von beiden Seiten fasziniert und ernähren sich von deren Vorstellung des Islams.

Während der "liberale Islam" ihnen vorkaut, was der konservative Islam sei, was man von diesem Islamverständnis zu halten habe, sind es der Wahhabismus und ihre gelebte Lehre, die den Beweis erbringen und den Rechtsextremen den Ansporn geben, Europa vor äußeren Einflüssen schützen zu müssen.

Im Grunde ist es also der sogenannte Beschützerinstinkt, der "uns" vor der angeblich aufsteigenden Gefahr bewahren will. Der Wahhabismus wittert im gesamten Spektrum der Islamauslegung eine Verunreinigung des Islams, während der Mutterinstinkt einer Akgün uns vor dem Islamverständnis eines vermeintlich rückständigen Islamverständnisses bewahren will.

Um das "liberale" Islam schmackhaft zu machen, wird von Aufklärung gesprochen, von westlichen Werten und Demokratie, aber auch mit gelebtem Islam wird die Kleinstgemeinde schmackhaft gemacht. Während man in der Ibn Rushd Goethe Moschee gGmbH in Berlin einerseits unermüdlich vorkaut, wie man den Islam in Europa sehen muss und dabei Schützenhilfe für Rechtsextreme leistet und die Vorsitzende Seyran Ates in Österreich mit der rechtspopulistischen FPÖ in Tuchfühlung geht, kaut die "liberale" Islamistin Lale Akgün an einem Schweinebraten, um den Gastgeber nicht vor den Kopf zu stoßen.

Als Gast ist es also wichtig, den Gastgeber nicht zu kränken, so wie Seyran Ates, die bei einem Vortragsabend der FPÖ mit dem Thema "Der politische Islam und seine Gefahren für Europa." die österreichisch-populistische Partei mit Lobeshymnen aufpoliert, demokratisch und tolerant einstuft und betont, wie wichtig es sei im Gespräch zu bleiben.

Alle haben gemeinsam, dass sie sich politisch darum bemühen, die vermeintlich Anderen als rückständig und inkompatibel zu diskreditieren. Nach der Logik von Akgün, die die Gebote und Verbote des Korans nach eigener Überzeugung modern interpretiert und etwa bei Gastessen den Gastgeber nicht kränken will und den Schweinebraten als Muslimin vom Teller aufisst, müsste man als Veganer ebenfalls Schwein essen, um die Gasttauglichkeit unter Beweis zu stellen. 

Man müsste der Gasttauglichkeit von Akgün Respekt zollen, wäre da nicht das Mitteilungsbedürfnis und Interpretation in eigener Sache. Was die Dame nun beim Gast gegessen hat oder nicht, sollte niemanden interessieren. Das verzehren eines Schweinebratens an sich ist nicht das Problem, es kann jeder das tun was ihm beliebt. Das Problem ist, wenn man das ausgemachte Andere damit vorführen will und ihnen gleichzeitig nahelegt das gleich zu tun, um sich damit der Mehrheitsgesellschaft anzubiedern.

Die Sache ändert sich also dann, wenn man das Gegessene in Szene setzt und mit Werten um sich schmeißt. So etwas grenzt nicht nur an anmaßenden Autorität, sonden an latenter Profilneurose. Es ist ein typisches Dominanzgehabe gepaart mit Arroganz. Aber solche Angeber wie Akgün, Ates oder andere Verfechter eines wie auch immer gearteten Islams wollen glänzen, sich der Mehrheitsgesellschaft anbiedern, obwohl sie davon keinen Schimmer haben, was eine Gesellschaft ausmacht.

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