Türkei: Journalisten der "Sözcü" verhaftet

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Türkei: Journalisten der "Sözcü" verhaftet

19. Mai 2017 - 21:16
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Die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft hat bei Razzien in den Räumen der regierungskritischen Tageszeitung "Sözcü" sowie Wohnungen von Journalisten zwei Personen verhaftet. 

Sözcü-Journalisten kritisieren die Verhaftung ihrer Kollegen

Istanbul / TP - Die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft hat die Festnahme von mehreren Journalisten sowie dem Inhaber der regierungskritischen und auflagenstärksten Tageszeitung "Sözcü" angeordnet und in den frühen Morgenstunden die Redaktionsräume der "Sözcü" sowie Privatwohnungen polizeilich durchsuchen lassen.

Bei den Durchsuchungen wurde die Redaktionsleiterin für den Online-Dienst Mediha Olgun sowie Izmir-Korrespondent Gökmen Ulu verhaftet. Des Weiteren bestehe auch gegen die Finanzdirektorin Yonca Kaleli sowie gegenüber dem Inhaber der Zeitung Burak Akbay Haftbefehl, die jedoch von der Polizei weder im Verlagshaus, noch in den Wohnungen angetroffen wurden. Akbay soll sich laut dem Rechtsanwalt der Tageszeitung im Ausland befinden.

In einer ersten Reaktion verurteilte Burak Akbay die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen seine Person und Mitarbeiter der "Sözcü". Als ein "Skandal" mit schwerwiegenden Folgen für die türkische Medienlandschaft, bezeichnete Akbay die polizeilichen Maßnahmen. Entgegen der Äusserungen des Generalstaatsanwalts Irfan Fidan, Akbay befinde sich auf der Flucht, erklärte Akbay selbst, er befinde sich seit geraumer Zeit im Ausland, sei während des Volksreferendums und danach in die Türkei gereist und wieder abgereist. Man könne daher nicht von einer Flucht reden, teilte Akbay mit und verurteilte die Äusserungen des Generalstaatsanwalts.

Die Generalstaatsanwaltschaft von Istanbul wirft den Mitarbeitern und dem Inhaber der "Sözcü" Beihilfe zum Putschversuch und Sturz der Regierung  in Verbindung mit der Fethullahistischen Terrororganisation (FETÖ) vor. Laut dem Online-Nachrichtenportal CNNTürk wirft die Generalstaatsanwaltschaft Burak Akbay, Gökmen Ulu, Yonca Kaleli und Mediha Olgun konkret Beihilfe für das Auffinden des Aufenthaltsortes des türkischen Staatspräsidenten während des gescheiterten Putschversuchs vor. Staatspräsident Erdogan hielt sich bei Beginn des Putsches in Marmaris auf. Ein Sondereinheit der Putschisten griff Stunden später das Hotel an, in der sie Erdogan vermuteten. Erdogan hatte jedoch kurz zuvor das Hotel verlassen und befand sich im Präsidentenjet mit falscher Kennung in der Luft.

Die Journalisten der Tageszeitung "Sözcü",  Metin Yılmaz, Yılmaz Özdil, Uğur Dündar, Soner Yalçın und der Rechtsanwalt der Zeitung Celal Ülgen erklärten in einer Pressesitzung, dass die Tageszeitung "Sözcü" seit Jahren vor der Gefahr der FETÖ gewarnt hätten, als die amtierende Regierungspartei AKP diese in den Wind schlugen. Nun werde diese Zeitung ausgerechnet mit der FETÖ und dem Putschversuch in Verbindung gebracht, die Mitarbeiter wegen ihrer unabhängigen Arbeit Ziel der Justiz, sagte der Redaktionsleiter Metin Yılmaz. Yılmaz fügte hinzu, dass das ein schwarzer Tag der türkischen Medien sei.

Uğur Dündar und Soner Yalçın erklärten, dass die FETÖ nun tanzen und sich über diese peinliche Aktion der Justiz in sozialen Netzwerken lächerlich machen würden. Die Zeitung werde nachwievor unabhängig arbeiten und jede Partei kritisieren, ob nun die CHP, HDP, AKP oder MHP. Man werde auch hinter jedem Journalisten stehen, die ehrlich und mit besten Absichten Kritik vortragen, so wie man einst für die OdaTV-Journalisten Nedim Sener und Ahmet Sik Solidarität gezeigt habe, als sie mit Vorwand durch die FETÖ und dem Parallelstaat verhaftet und in Untersuchungshaft genommen wurden, so Uğur Dündar.

Die Tageszeitung "Sözcu" (Sprecher) mit Sitz in Istanbul rangiert auf der Liste der auflagenstärksten türkischen Zeitungen derzeit auf Platz 4. Seit Januar 2013 wird Sözcü auch in Deutschland vertrieben, wobei in Europa keine Sonntagsausgabe erscheint. Charakteristisch für die Zeitung sind lange, kämpferische bis aggressive Schlagzeilen, die sich oft über zwei oder mehr Zeilen erstrecken. Obwohl Sözcü die mit Abstand auflagenstärkste oppositionelle Zeitung der Türkei ist, wird sie in ausländischen Medien viel seltener zitiert als etwa Cumhuriyet, BirGün oder die Onlinezeitung Diken.

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