Kurdischer Stammesführer rettete Mädchen von der PKK

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Kurdischer Stammesführer rettete Mädchen von der PKK

21. April 2016 - 01:42
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Der kurdische Jirki-Clan, einer der mächtigsten Clans in der Türkei, hatte vergangene Woche in einer öffentlichen Versammlung in Hakkari mit weiteren befreundeten Clans Rache für den Angriff auf eines ihrer Mitglieder geschworen. Die PKK wies den Vorwurf zurück. Nun erzählt der Stammesführer von der Tat.

Hakkari/TP - Seit Wochen nehmen die Übergriffe gegen einzelne kurdische Stammesmitglieder in der Türkei zu, die als Dorfbeschützer bekannt sind und der jüngste Fall, bei der Tahir Adıyaman, ein ranghohes Mitglied des Stammes Jirki, bei einem Kreuzfeuer mit der PKK am Bein verletzt wurde, könnte das Faß zum überlaufen gebracht haben. 

Der kurdische Jirki-Clan, einer der mächtigsten Clans in der Türkei, hatte vergangene Woche in einer öffentlichen Versammlung in Hakkari mit weiteren befreundeten Clans Rache für den Angriff auf eines ihrer Mitglieder geschworen. Die PKK wies den Vorwurf zwar zurück, doch der 65-jährige Tahir Adiyaman ist nicht nur überzeugt, sondern hat auch unumstößliche Beweise vorgelegt.

Mehmet Adıyaman, einer der Stammesältesten der Jirkis erklärte letzte Woche vor versammelten Stammesmitgliedern und weiteren Clanoberhäuptern, man werde diese Tat sühnen. Keiner werde sich der Verantwortung entziehen können, sagte Mehmet Adıyaman. Desweiteren erklärte der Stammesälteste, dass die Kugeln die Tahir Adıyaman am Bein getroffen hätten, das Herz alles Jirkis getroffen habe. Die PKK habe damit ihre Legimität völlig verloren, sich für die "Kurden" einzusetzen, sagte Mehmet Adıyaman. Adiyaman erklärte desweiteren, dass die prokurdische HDP sich bei ihnen nicht mehr blicken lassen solle.

Tahir Adiyaman erklärte am Mittwoch, dass die Tat von der PKK selbst zu verantworten sei. Er und andere Stammesmitglieder seien auf der Landstraße zwischen dem Dorf Ayvalık und Beytüşşebapan in eine Straßensperre geraten. Zuvor habe man noch geglaubt, dass der stehende Linienbus wahrscheinlich eine Panne habe. Doch als man sich dem Bus genähert habe, hätte man 5 bis 6 PKK-Terroristen ausgemacht und sofort gewendet. Daraufhin hätten die Terroristen das Feuer eröffnet. Weil das Fahrzeug von der Fahrbahn abgekommen sei, habe man das Feuer erwidert. Das Gefecht soll etwa 10 Minuten angehalten haben. Die Terroristen hätten die Businsassen als Schutzschild benutzt, zumeist Schüler einer Mittelstufe, davon sehr viele Mädchen. Nur dieser Umstand habe dazu beigetragen, dass die PKK-Terroristen entkommen seien. Ansonsten hätte man, so erklärte Adiyaman, sie festgenagelt. 

Nach dem Schusswechsel habe man sich über den Zustand der Businsassen informiert. Die Schülerinnen sowie der Busfahrer hätten angegeben, dass die Terroristen gezielt nach Mädchen gefragt hätten, um sie in die Berge zu verschleppen. Nur durch das plötzliche auftauchen des Stammesmitglieds Adiyaman wäre das vereitelt worden, erklärten die Businsassen. Tahir Adiyaman erklärte desweiteren, dass die PKK höchstpersönlich dafür verantwortlich sei, auch wenn sie die Tat jetzt vehement abstreite. Funksprüche würden die Tatbeteiligung auch für aussenstehende belegen, erklärte Adiyaman gegenüber den türkischen Medien.

Tahir Adiyaman, der bei dem Gefecht zwei Schussverletzungen am Bein hatte, wurde im Krankenhaus von Sirnak behandelt. Daraufhin beriefen die kurdischen Stämme in Hakkari eine Stammessitzung mit weiteren Clans an, bei der die Tat gemeinsam verurteilt wurde. Der Stammesälteste des Jirki-Clans erklärte zudem, dass das Blut nicht auf der Erde liegen bleiben werde, was in diesem Fall bedeutet, dass die Verantwortlichen verfolgt werden. Ausserdem versagte der Stammesälteste der prokurdischen Partei HDP sein vertrauen. Sie sollten sich nicht mehr als Gäste betrachten, sagte Mehmet Adiyaman, was soviel bedeutet wie, man solle sich bei den Stämmen nicht mehr blicken lassen. Bei der Parlamentswahl 2015 hatte der Stamm erstmals nach Jahren der AKP-treue, ihre Stimme der HDP gegeben. Gegenwärtig ist man sich im Jirki-Clan sicher, dass der Frieden nur durch die Verfolgung und Vernichtung der PKK gewährleistet werden kann.

Unterdessen herrscht seit dem 13. März in Yüksekova wieder die Ordnung. Dennoch wird in der Stadt im Südosten des Landes die Ausgangssperre beibehalten. Wie das türkische Militär erklärte, wurden die letzten PKK-Nester in den betroffenen Stadtteilen ausgehoben. Mindestens 193 Terroristen sollen bei den Kämpfen getötet worden sein, berichtet der Generalstab in einem Bericht am Mittwoch.

Der prokurdische Co-Vorsitzende der HDP, Seahattin Demirtas versucht indessen, beide Parteien, die türkische Regierung sowie die Terrororganisation PKK an einen Tisch zu bringen. Demirtas erklärte jedoch, dass die türkische Regierung sich dem verweigere. 

Der türkische Staatspräsident Erdogan sowie der Premier Davutoglu hatten bereits vergangene Woche erklärt, dass das Vertrauen in den Friedensprozess durch die PKK selbst zerstört worden sei. Kritiker werfen der PKK vor, die Zeit der Untätigkeit der Sicherheitsorgane schamlos ausgenutzt zu haben, um im Südosten aufzurüsten. Jetzt wo die Situation für die PKK kritisch sei, werde die Wiederaufnahme des Friedensprozesses angesprochen und die HDP fungiere dabei als Vermittler. In mehreren betroffenen Stadtgebieten in Diyarbakir, Cizre, Yüksekova und Sirnak wurden derweil große Waffendepots gefunden. Sprengstoffmaterial wird zum Teil in Tonnen sichergestellt und abtransportiert bzw. kontrolliert gesprengt.