Kunstkäse, diversity Marketing und Verbraucher mit Migrationshintergrund

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Kunstkäse, diversity Marketing und Verbraucher mit Migrationshintergrund

22. Oktober 2015 - 22:05
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Manche Unternehmen vertreiben ihr Produkt unter einem bestimmten Namen, diversity Marketing nennt man das. Andere setzen auf Käseimitate, ein sogenannter Kunstkäse auf Pflanzenölbasis.

Wussten Sie, dass die Eßgewohnheiten bei ethnischen Minderheiten, insbesondere in Deutschland, von Unternehmen gezielt angesprochen werden? Diversity Marketing nennen das Marktstrategen, die ein Produkt nach den Bedürfnissen einer Ethnie bzw. einer bestimmten Gesellschaftsschicht mit Migrationshintergrund, auf den Markt bringen. Marktstrategen sprechen dabei oft von der "Fremdenfurcht", ein Denkmuster das häufig bei Migranten in der ganzen Welt zu beobachten ist. Unternehmen analysieren diese Märkte und bieten entsprechende Produkte, die diese Denkmuster abdecken.

Oft sind negative Wahrnehmungen der Grund bei Migranten in einer Mehrheitsgesellschaft, die ein bestimmtes Denkmuster fast schon automatisch einprägen und zu einer festen Gewohnheit wird. Es werden dann nicht heimische Fahrzeuge gekauft, sondern, so z.B. bei italienischen Migranten oft zu beobachten, die Marke FIAT bevorzugt. Bei türkischen Migranten werden z.B. durch negative Beiträge in den Medien oder der Mehrheitsgesellschaft negative Assoziationen geformt, die sich bis hin zu den Eßgewohnheiten auswirken. Dieser schleichende Prozess läuft fast schon automatisch als kognitiver Prozess im Unterbewusstsein ab. Unternehmen haben diese Denkmuster seit einigen Jahren erkannt und werfen entsprechende Produkte auf den Markt, u.a. Molkereien in Europa, die diesen Riesenmarkt erschließen wollen. Einige der hiesigen, aber auch europäischen Unternehmen, die sich dieser diversity Marketingstrategie zu eigen gemacht haben, ist die Garmo AG, eine Holding mit dem bekannten Markennamen GAZI. Garmo bietet aber unter weiteren Markennamen Lebensmittel mit Bezug zu türkischen Spezialitäten, wie türkischen Weißkäse oder Ayran, darunter ÖMÜR, BAHAR oder KARS.

Auch die Lebensmittelmarktkette LIDL hat diesen Markt entdeckt und bietet unter dem namen "Sofra" ein Weißkäse an, die von der Molkerei Rücker GmbH in Niedersachsen hergestellt wird. Eine weitere Großmolkerei, die Nordex Food mit Sitz in Dänemark, bietet unter den Markennamen Sütdiyari, Bulvara und Yesilova, Weißkäse an, wie man ihn vor allem aus den mediterranen Ländern kennt. 

Nur wenige aus der "Heimat" stammende Unternehmen, können auf diesem hart umkämpften europäischen Markt mithalten, darunter die Baktat International mit Sitz in Mannheim, die Yörem, eine Molkerei mit Sitz in Istanbul oder Pinar mit Sitz in Izmir. Die meißten bieten neben den bekannten aus Rohmilch hergestellten Käsesorten auch Käseimitat an. Der sogannte Kunstkäse oder auch Analog-Käse genannt, wird aus Wasser, Pflanzenfett, Milcheiweiß, Stärke und Geschmacksverstärkern hergestellt. Pro Jahr werden alleine in Deutschland über 100.000t. Analog-Käse hergestellt. Der Verbraucher kann nur schwer erkennen, ob es sich bei dem Weißkäse um Analog-Käse handelt. Auf den Verkaufsverpackung ist nur auf den zweiten Blick erkennbar, ob es sich um ein Analog-Käse handelt. In der Europäischen Union muss mit Inkrafttreten der Lebensmittel-Informationsverordnung seit dem 13. Dezember 2014 auf der Verpackung kenntlich gemacht werden, wenn das Produkt aus Kunstkäse besteht oder Anteile davon enthält. Zusätzlich gilt für verpackte Lebensmittel gemäß Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung die generelle Pflicht, alle Inhaltsstoffe in der Zutatenliste aufzuführen.