Putsch in der Türkei: "Anweisung kam von Gülen"

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Putsch in der Türkei: "Anweisung kam von Gülen"

25. November 2016 - 06:30
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Die auflagenstarke Tageszeitung Habertürk berichtet über eine Aussage eines Oberstleutnant der Gendarmerie, der nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei am 16. Juli verhaftet wurde und geständig sei.

Putsch in der Türkei: "Anweisung kam von Gülen"

Ankara / TP - Die auflagenstarke türkische Tageszeitung und TV-Nachrichtensender Habertürk ist auf Aussagen eines mutmaßlichen FETÖ-Mitglieds herangekommen. Die Aussagen sollen von einem Oberstleutnant der Gendarmerie stammen, der nach dem gescheiterten Putschversuch verhaftet wurde und geständig sein soll. Laut Habertürk ist der Offizier der Gendarmerie bereits am 12. Juli darüber informiert gewesen, dass der Putsch am 15. Juli um 3 Uhr in der früh beginnt.

Die Habertürk berichtet in ihrer heutigen Ausgabe, dass der geständige Offizier bereits 1994 seine Laufbahn als Soldat in der türkischen Armee begonnen und dabei mit Codenamen wie "Halit" oder "Fatih" innerhalb der Gülen-Bewegung agierte. 2011 habe der Offizier in Ankara im Personalamt der Gendarmerie die Versetzungen der Unteroffiziere koordiniert, dabei mit einem nach seiner Ansicht als Imam der Armee fungierenden Offizier mit dem Codenamen "Osman" zusammengekommen, ab diesem Zeitpunkt fortan alle 2 bis 3 Wochen konspirativ getroffen haben. Bei den obligatorischen Versetzungen habe der Oberstleutnant eine Liste mit etwa 30 bis 40 Namen bevorzugt behandelt, die er von "Osman" zuvor erhalten habe.

Juli 2015 wurde der Oberleutnant nach eigenen Angaben dann nach Ankara versetzt, um dort im Strafverfolgungsamt der Gendarmerie sich weiterhin mit "Osman" regelmäßig zu treffen. Am 12. Juli soll er sich dann mit "Osman" und einem weiteren Offizier mit dem Codenamen "Hakan" in Ankara-Tandogan getroffen, hier das erste Mal über den geplanten Putsch unterrichtet worden sein. Hier habe er auch erfahren, dass der 15. Juli bewusst ausgewählt wurde, da man befürchtete, dass die Suspendierungen und frühzeitigen Pensionierungen zahlreicher ranghoher Offiziere in kürze ansteht, um die Gülenisten aus dem Verkehr zu ziehen.

Laut dem Oberstleutnant soll während dieses Gesprächs auch Fethullah Gülen als Drahtzieher und Befehlsgeber genannt worden sein. Darüber hinaus sei er auch über das taktische Vorgehen sowie über seine Aufgabe als Kommandeur der Gendarmerie-Akademie in Ankara-Beytepe eingewiesen worden sein, wo er das angrenzende Militärgefängnis nach erfolgreichen Putsch leiten sollte. 

Am 15. Juli habe der Oberstleutnant sich um etwa 21 Uhr nach Beytepe aufgemacht, nach dem man ihn kurzfristig über eine Vorverlegung des Putsches informiert habe. Dort habe er sich mit rund 30 Leutnants getroffen, um dort das Ende des Putsches abzuwarten. Als aber um etwa 2 Uhr nachts die Gebetsrufe in der Landeshauptstadt erklungen seien, habe er sich auf ein Scheitern des Putsches gefasst gemacht, berichtet die Habertürk weiter.

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