UN-Gesandter: 235.000 Libyer wollen nach Italien

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UN-Gesandter: 235.000 Libyer wollen nach Italien

27. September 2016 - 09:14
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Der Leiter der UN-Mission in Libyen warnt den UN-Sicherheitsrat vor einer weiteren massiven Flüchtlingswelle aus Libyen.

Berlin / TP - Laut dem ehemaligen deutschen Diplomaten und gegenwärtigen Leiter der UN-Mission in Libyen, Martin Kobler, muss sich Europa in geraumer Zeit mit einer weiteren großen Flüchtlingswelle auseinandersetzen, sollte die instabile Lage in Libyen weiterhin anhalten. 

"In Libyen gibt es 235.000 Flüchtlinge, die nur auf eine Gelegenheit warten, nach Italien überzusetzen, und sie werden es auch tun. Es ist von entscheidender Bedeutung für die Widerherstellung der Sicherheit und Ordnung im Land, dass das Phänomen "Menschenschmuggel" entschieden begegnet wird, die auch mit dem Terrorismus verflochten ist", sagte Kobler gegenüber der italienischen Tageszeitung La Stampa. 

Der Leiter der UN-Mission hat den aktuellen Bericht an den UN-Sicherheitsrat übergeben, um auf die Lage im Land aufmerksam zu machen. Gleichzeitig warnte Kobler vor der bevorstehenden neuen Flüchtlingswelle, forderte eine Behandlung des Themas in dieser Woche in der Generalversammlung der UN.

Seit dem Sturz von Muammar Gaddafi und seinem Tod im Oktober 2011 versinkt Libyen im Chaos. Die Waffen des Regimes wurden unkontrolliert weiterverkauft und trugen mit zu einer für die Bevölkerung kaum zu ertragenden Situation bei. Schon seit Jahren hat auch die IS-Miliz in Teilen des Landes die Macht übernommen. Der sogenannte “Islamische Staat” kontrollierte lange Zeit auch Gaddafis Geburtsstadt und Hochburg Sirte.

Cameron verantwortlich

Der ehemalige britische Regierungschef David Cameron wurde Mitte September in einem Bericht für das Chaos in Libyen, für die Verschärfung der Flüchtlingskrise und für die Ausbreitung des sogenannten “Islamischen Staats” mitverantwortlich gemacht. Zu diesem Ergebnis kam ein ausführlicher Untersuchungsbericht einer Kommission britischer Unterhausabgeordneter. Das Dokument wirft dem damaligen britischen Regierungschef das Fehlen einer Libyen-Strategie vor. Tatsächlich habe sich Großbritannien damals auf die Entscheidungen Frankreichs verlassen und dann entschieden, die Aufständischen militärisch zu unterstützen. In der Folge und nach der UN-Resolution zu Libyen wurde Langzeit-Präsident Gaddafi gestürzt.