Diyarbakir: "14-15 jährige Kinder Ohrfeigen uns"

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Diyarbakir: "14-15 jährige Kinder Ohrfeigen uns"

27. Dezember 2015 - 12:20
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Die Situation im Stadtbezirk Sur scheint zu kippen. Menschen fliehen vor dem Terror und sprechen jetzt frei heraus, was sie bedrückt.

Die Lage im Stadtbezirk Sur in Diyarbakir scheint zu kippen. Was zunächst teilnahmslos hingenommen wurde, die sogenannte Gegenwehr von Halbstarken PKK-Sympathisanten gegen die Staatsmacht im mehrheitlich von Kurden bewohnten Diyarbakir, quittieren immer mehr Einwohner mit Ablehnung und Unverständnis. Vielmehr fordert man sogar die Sicherheitskräfte auf, dem Spuk so schnell wie möglich ein Ende zu bereiten und sind sichtlich froh, dass die Armee einschreitet. Kritik üben sie an der späten Reaktion der Regierung, die die Sicherheit schon früher hätte gewährleisten sollen. 

So geschehen am vergangenem Freitag, bei der die türkische Armee zur Unterstützung der Polizei und Gendarmerie dabei behilflich war, im umkämpften Stadtbezirk Sur die Einwohner in Sicherheit zu bringen. Wie groß der Unmut gegenüber den zumeist von Halbstarken geführte "Kampf" gegen die Staatsmacht ist, konnte man an den Äusserungen der fliehenden Einwohner erkennen. "Was die da machen würde kein Ungläubiger machen" sagte ein älterer Bewohner, der in Begleitung eines Soldaten vorbei an der alten Stadtmauer von Diyarbakir in Sicherheit gebracht wurde. Ein anderer älterer Mann erklärte, er sei von maskierten 14-15 jährigen geohrfeigt und drangsalliert worden und fügte hinzu, warum denn die Sicherheitskräfte so spät reagiert hätten.

Die Lage kippt, so scheint es, nicht zu ungunsten der Regierung sondern der Terrororganisation PKK, die mit ihrer neuen Strategie in einer Sackgasse steckt. Die Strategie lautete, die Situation eskalieren zu lassen, die Sicherheitskräfte zu unerwünschten Reaktionen verleitet und in dem man Opfer unter der Zivilbevölkerung heraufbeschwört. Letztendlich sollte dies dann zu einem Bürgerkrieg führen und die Abspaltung hervorrufen. Doch nach mehr als 4 Monaten zeigt sich, dass diese Strategie nicht aufgeht. Die Regierung hatte schon zuvor bekannt gegeben, in den betroffenen Gebieten vorsicht walten zu lassen, Schritt für Schritt vorzugehen. Ausgangssperren sollten hierbei die Zahl der zivilen Opfer niedrig halten, den Terroristen die Bewegungsfreiheit einschränken, die sich allmählich in den Stadtteilen eingraben. Aber je länger die Unruhen anhalten, desto stärker wird nun der Druck auf die PKK, die ihre Halbstarken "Kämpfer" nicht mehr unter Kontrolle hat. Nicht nur die älteren Einwohner haben es satt, von "Kämpfern" der PKK bevormundet zu werden, auch die vielen Ladenbesitzer, Handwerker und Dolmus-Fahrer sind auf die Jugendlichen nicht gut zu sprechen, die durch die Unruhen massive Einnahmeverluste verkraften müssen. Da geht wohl die Taktik der Regierung auf, die den bewaffneten "Kampf" mit vorsichtigen Schritten begegnet und so die Strategie der PKK zunichte macht. Menschen haben Bedürfnisse und die wichtigste ist eben nicht der kurdische Nationalismus, sondern Sicherheit und das Auskommen. Gegenwärtig untergräbt die PKK dies und erhält nun nach mehr als 4 Monaten die Quittung.