Malik Karabulut versus Madlen Vartian

Lesezeit
2 Minuten
Gelesen zu

Malik Karabulut versus Madlen Vartian

29. Oktober 2016 - 22:19
Kategorie:
0 Kommentare

Malik Karabulut fiel vor einigen Tagen mit "Köterrasse" und "Schlampe" auf. Im Vergleich dazu sprach Madlen Vartian vor mehr als einem Jahr von "Hunde" und "Pack".

Malik Karabulut versus Madlen Vartian

Hamburg / TP - Merklich ruhig ist es geworden, nach dem sich der ehemalige Aufsichtsratsmitglied des Türkischen Elternbunds Hamburg, Malik Karabulut, öffentlich von seinen Hetztriaden distanzierte und erklärte, damit habe er "Grenzen überschritten". Karabulut, der bis 2014 Vorsitzender des Türkischen Elternbunds war, sprach von einer "Überreaktion". 

Einem Bericht des NDR zufolge hatte Karabulut in seinem Facebook-Profil als Reaktion auf die Entscheidung des Deutschen Bundestages, die Armenier-Resolution anzunehmen, die Deutschen als "Schlampe" und "Pack" bezeichnet. Er selbst erklärte, die Verabschiedung habe bei ihm Zorn, Wut und Ohnmacht ausgelöst, ihn zu diesen Äusserungen verleiten lassen.

Inzwischen hat sich auch die TGH, die Türkische Gemeinde Hamburg, vom ehemaligen Funktionär des Türkischen Elternbund Hamburg e.V. (HTVB e.V.) distanziert, in der die HTVB dem Verband angegliedert ist. Niemand scheint Malik Karabulut beistehen zu wollen und auch in der türkischen Community in Facebook scheint sich der Fall nicht weiter aufzuschaukeln. Man ist "not amused" über den Ausfall eines Türken in derartiger Weise. Niemand wollte wohl dem türkischen "Funktionär an der Seite stehen.

Konkreter waren die Reaktionen auch aus Hamburg. Karin Prien, stellvertretende CDU-Fraktionschefin zeigte sich empört und auch die SPD-Fraktion verurteilte die Aussagen auf schärfste. Die Reaktionen gingen gar soweit, dass die Zusammenarbeit mit dem Verband bzw. dem Türkischen Elternbung auf dem Prüfstand steht. 

Am 28. September 2015 gab es einen ähnlichen Fall. Die damalige Sprecherin des Christlich-Alevitischen Freundeskreises der CDU (CAF) sowie CDU-Mitglied Madlen Vartian hatte ebenfalls mit einem Statement in ihrem Facebook-Profil für Furore gesorgt. Sie hatte darin die Europäer und wohl insbesondere Deutschland als "Hunde" und die Sunniten als "Pack" bezeichnet.

So wie Malik Karabulut sich zurecht über eine Resolution empören konnte, so hatte Madlen Vartian das Recht sich zu empören, angesichts eines Anschlags auf eine Kirche in Bethlehem in Israel. Etwas anzuzünden ist menschenverachtend und etwas unbewiesenes politisch als etwas auszugeben schlichtweg eine Verleumdung, wenn man Karabulut hinzuzieht.

Doch während sich bei Karabulut die Türkische Gemeinde Hamburg sich öffentlich distanzierte, die Äusserungen aufs Schärfste verurteilte und Konsequenzen androhte, sprach die CAF im Fall Vartian von einer Klarstellung über die Position der Frau Vartian und von einer zielorientierten Kontroverse, die unerlässlich sei, um Problemfelder zu erörtern. 

Die CDU-Köln, woher Madlen Vartian kommt, hatte jedenfalls eine gesündere Auffassung vom Menschenbild wie der Zentralrat der Armenier in Deutschland (ZAD), die die Diffamierung einer ganzen Religionsgruppe verurteilten.

Während aber Malik Karabulut nach bekannt werden seiner Facebook-Äusserungen schnell reagierte und das Profil gründlich bereinigte, sah Madlen Vartian keine Notwendigkeit, den Posting so schnell wie möglich zu löschen. Im Gegenteil, denn als Sie darauf angeschrieben wurde, reagiert Sie auf Kritik empfindlich, sprach Armenischstämmigen ihre armenische Identität ab und unterstrich ihre Aussagen, in dem Sie vorgab, dass das Ihre Sache sei, wen Sie als "Pack", "Dreck", "Rassisten" oder "Faschisten" bezeichne. 

Nach mehr als 10 Stunden der hitzigen Debatte auf den Beitrag, löschte Madlen Vartian diesen, wohl weniger von sich aus als vielmehr durch Druck von "oben". Doch damit nicht genug, denn Sie kündigte ein weiteres Statement an und lieferte der hitzigen Debatte noch weiteren Zündstoff. In dieser verurteilt Sie die CDU-Distanzierung und warf dieser gar vor, sich an der Hetzkampagne beteiligt zu haben.Nur die ZAD blieb davon verschont, obwohl sie sich ebenfalls kritisch dazu geäussert hatten.

Jedenfalls war bei Madlen Vartian kein Funken des in sich kehren bemerkbar, keine Verantwortung gegenüber der hiesigen Gesellschaft, gegenüber Ihren armenischstämmigen Mitbürgern oder sonst jemanden. Sie führte die Diskussionen sogar an, ließ sich bejubeln und förderte damit die Hetze gegenüber Muslimen gemeinsam mit anderen streitbaren Gemütern. Denn viele von Ihren Weggefährden der "Sache" outeten sich unfreiwillig.

Tja, Madlen Vartian hatte tatsächlich ein Tor geöffnet, die Problemfelder vor allem der Neurechten im Intenet geradezu förderte und ihnen Raum für weitere Hetze bot. Ausserdem outeten sich diejenigen die für Humanismus stehen wollen, Frieden in der Gesellschaft befürworten oder Demokratieverfechter sein wollen als ausgesprochene "Korrektive" wie es die CAD formulierte. Im Grunde waren Sie alle bloß nur Verfechter der streitbaren und kritischen Demokratie, die selbst aber jegliche Kritik, Blöße oder Korrektive von sich abstoßen und stigmatisieren.

Malik Karabulut sprach jedenfalls eine offizielle Entschuldigung aus, löschte seinen Beitrag, auch wenn es nicht die souveräne Art war und versuchte erst gar nicht Verfechtern seiner "Sache" ein Podium zu bieten. Gebrandmarkt wird er nicht so schnell wieder die politische Bühne betreten, dass steht jedenfalls ausser Frage.