Abschiebung eines Asylanten scheitert an türkischen Piloten

Lesezeit
2 Minuten
Gelesen zu

Abschiebung eines Asylanten scheitert an türkischen Piloten

31. August 2017 - 23:59
Kategorie:
0 Kommentare

In London scheiterte der Versuch der Einwanderungsbehörde, einen 22-jährigen abgelehnten Asylbewerber aus Afghanen nach Kabul abzuschieben. Der Pilot verweigerte den Start des Fluges.

Abschiebung eines Asylanten scheitert an türkischen Piloten

London / TP - Ein Vorfall während einer Abschiebeprozedur in Großbritannien sorgt für Aufsehen, nach dem Aktivisten und die Verwandten eines 22-jährigen abgelehnten Asylbewerbers aus Afghanistan, die Passagiere, Besatzung und den Piloten einer Maschine der Turkish Airlines davon überzeugen können, dass der junge Mann bei der Rückkehr in Kabul von der Taliban getötet wird. Der türkische Pilot verweigert daraufhin Kraft seiner Macht als Verantwortlicher den Start. Nun hat der junge Mann etwas Zeit gewonnen.

Auf dem Londoner Flughafen Heathrow hatten sich Aktivisten und Verwandte von Samim Bigzad versammelt, der am Mittwoch abgeschoben werden sollte. Die Einwanderungsbehörde hatte den jungen 22-jährigen Bigzad im Juli während eines Routinetermins festgenommen und in Abschiebehaft verlegt. Bigzad hatte Ende 2015 Asyl beantragt und war zu Verwandten in Kent weiter gezogen, bei der auch sein Vater lebt. Der Vater wurde in den 90er Jahren von der Taliban verhaftet und mutmaßlich gefoltert, eher er selbst nach Großbritannien flüchten konnte und sein Asylbegehren erfolgreich war.

Ohne die Möglichkeit der Beschwerde gegen die Abschiebeprozedur, blieb nur noch der Schritt an die Öffentlichkeit. Die Verwandten von Bigzad mobilisierten Aktivisten und richteten eine Petition ein, die von rund 3.000 Menschen in Kent unterzeichnet wurde. Menschenrechtsvereine in Großbritannien wurden auf den Fall aufmerksam, richteten Appelle an die Regierung, machten darauf aufmerksam, dass der 22-jährige mit dem Tod rechnen muss, wenn er nach Afghanistan abgeschoben wird.

Dennoch blieb die Einwanderungsbehörde hart. Seit vergangenem Jahr sind die Flüge nach Afghanistan wieder aufgenommen worden, nach dem ein Berufungsgericht in London die Abschiebepraxis zugunsten der Regierung auslegte. Trotz der Bedenken des britischen Außenministeriums, die Afghanistan als nicht sicher einstuft, wurden seitdem immer wieder abgelehnte Asylbewerber nach Kabul ausgeflogen. Das Innenministerium teilte lediglich mit, dass die Asylanträge genauestens überprüft und die Einzelfallregelung gelte.

Bei Bigzad waren alle Bemühungen vergeblich. Am Mittwoch wurde der junge Mann in den Abschiebebereich des Londoner Flughafens Heathrow verlegt. Den Aktivisten und Verwandten blieb nur noch die Möglichkeit, die Passagiere und die Besatzung des Fluges auf die Lage aufmerksam zu machen. Bigzad sollte mit einer Maschine der Turkish Airlines direkt nach Kabul abgeschoben werden. Also sprachen die Helfer und die Verwandtschaft erst die zahlreichen Passagiere an den Flugschaltern an und damit ins Gewissen, damit sie dann die Besatzung davon überzeugen, die Mitnahme des abgelehnten Asylbewerbers abzulehnen. 

Die Überzeugungsarbeit fruchtete laut der britischen Medien. Die Besatzung informierte den Co-Piloten und den Kapitän der Maschine, der die Verantwortung für die Passagiere und das Flugzeug trägt. Bigzad wurde von Beamten der Einwanderungsbehörde bis zur Einstiegsluke der Maschine begleitet, wo der Kapitän der Maschine sie empfang. Dieser teilte den Beamten mit, dass der Start mit Bigzad nicht möglich sei und er die Verantwortung dafür trage.

Nun sitzt Bigzad erneut in Abschiebehaft in London. Bigzad hat damit eine kleine Verschnaufpause erhalten, sagen seine Verwandten und die Aktivisten, die sich in einem Netzwerk in Kent um den Fall kümmern. Sie erklären, dass das afghanische Außenministerium über die Londoner Botschaft kontaktiert worden sei, um die Angaben des jungen Mannes zu bestätigen, dass er u.a. bei der Rückkehr von der Taliban höchstwahrscheinlich getötet wird. Damit werde man einen erneuten Anlauf starten und einen neuen Asylantrag stellen. In Kent sorgte die Nachricht über den Piloten, der die Abschiebung vereiltete, im Umkreis von Kent für Begeisterung. Die meisten im Netzwerk und auch die nahe Umgebung der Verwandtschaft in Kent, hatten bereits die Hoffnung aufgegeben.

weitere Informationen zum Artikel
Noch nicht bewertet