Eklat beim Fastenbrechen: Zieht Kretschmann mit AfD mit?

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Eklat beim Fastenbrechen: Zieht Kretschmann mit AfD mit?

03. Juli 2016 - 00:16
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Eklat im Neuen Schloss in Stuttgart sorgt für großen Unmut und Mißstimmung innerhalb der türkisch-muslimischen Community. Türkischsprachige Medien berichten von Alkoholausschank, politischen und religiösen Aussagen, die das Fastenbrechen zur farce verkommen lassen.

Stuttgart / TP - Dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Islam anders als die AfD als Teil Deutschlands sieht, hat der Katholik immer wieder öffentlich deutlich gemacht. Einen Tag nach der Einladung durch Ministerpräsidenten Kretschmann kann davon aber keine Rede mehr sein, berichtet die türkischsprachige "" am Samstag. Das abendliche Fastenbrechen im Neuen Schloss von Stuttgart sei alles andere gewesen, nur nicht das als was es unter Muslimen verstanden wird: Barmherzigkeit, Nächstenliebe, gegenseitiges Verständnis und das Miteinander. Die Veranstaltung fand unter dem Motto "Angekommen. Der muslimische Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt" statt.

Das gemeinsame Fastenbrechen sollte ein Zeichen gegen Ausgrenzung verstanden werden, was der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann mit einem gemeinsamen Fastebrechen am vergangenen Freitagabend unterstreichen wollte. Eingeladen waren Vertreter des islamischen Glaubens, das diplomatische Corps der Türkei aus Stuttgart und Karlsruhe sowie zahlreiche Gäste, darunter auch Nichtmuslime. 

Kretschmann brillierte aber mit einer Eigenart, die gegenwärtig vielen eingeladenen Gästen und vor allem der türkischen Community sauer aufstößt. Zum Teil wird von Absicht gesprochen, andere sprechen von Nötigung und widerum andere sind sich sicher, dass der baden-württembergische Ministerpräsident Wasser gepredigt aber Wein eingeschenkt hat. Die Kritik richtete sich aber auch gegen die teilnehmenden Muslime, die angeblich in den vergangenen Jahren bei den selben Veranstaltungen den Alkoholausschank an einem so bedeutsamen Tag bislang nicht hinterfragt hätten.

Während des gestrigen Abendessens, also mit Beginn des Fastenbrechens wurde von Tisch zu Tisch auch Wein herumgereicht. Nichtmuslime hätten das Angebot auch rege angenommen, obwohl sie mit Muslimen an einem Tisch gesesssen hätten. Das ist so als würde die muslimische Gemeinschaft den eingeladenen Christen am Karfreitag (Ostern) Rostbraten herumreichen. Klar ist, dass dieses mal das herumreichen von Alkohol bei den muslimischen Gästen überhaupt nicht gut ankam, obwohl laut Gerüchten diese Praxis seit Jahren gepflegt wird. Inzwischen fragt man sich in der muslimischen Community, ob man wenn es denn stimmt dieses Verhalten sogar begünstigt hat.

Diesem Umstand ist es aber nicht alleine zu verdanken, dass der Ärger groß ist, denn die bahnte sich schon vor dem eigentlichen Essen an, als Ministerpräsident Kretschmann begann die türkische Politik maßzuregeln. In seiner Rede hielt es Kretschmann an diesem bedeutsamen Tag für Muslime für sehr erwähnenswert, die Politik des türkischen Staatspräsidenten zu kritisieren, was man an einem so geselligen Abend hätte lieber vermeiden sollen. Kurz darauf erhoben sich der türkische Generalkonsul der Stadt Stuttgart, Ahmet Akıntı sowie der Generalkonsul Karlsruhes Cem Örnekol mit hochrangiger Begleitung von den Tischen und entfernten sich. Offiziell hieß es dann in den Südwest-Zeitungen, die Herren hätten noch andere wichtigere Termine, aber der eigentliche Grund des spontanen Abgangs ist in der Rede Kretschmanns zu finden. 

Doch damit nicht genug, wurde auch die Arbeit der Imame aus dem Ausland in Frage gestellt, die Abkehr von dieser Praxis allzudeutlich gefordert. Auch wurde die Arbeit der muslimischen Verbände, vor allem die bilinguale Sprachförderung, die Jugend- und Integrationsarbeit kritisiert. Die Kritik richtete sich vor allem gegen die "Einflussnahme" durch das Ausland, was im Grunde unterschwellig andeuten sollte, die Türkei würde hierbei die Integration aktiv behindern, was jetzt abgestellt werden müsse.

Und als ob das nicht schon dem ganzen die Krone aufsetzt, kam auch die nächste Rede nicht sehr gut an. Der Theologie-Professor der Tübinger Universität Prof. Dr. Erdal Toprakyaran, der auch Gründungsmitglied des "Muslimischen Forums Deutschland" (MFD e.V.) ist, sorgte dafür, dass in der Rede von den Ahl-al-Bait der Prophet zusammen mit seiner Ehefrau Fatima und den Kindern Hasan und Husain erwähnt, jedoch der Imam Ali unerwähnt blieb. Auf Nachfrage, warum er denn Imam Ali nicht erwähnt habe, hätte dieser geantwortet, dass er dann aus Respekt gegenüber den Sunniten auch die anderen drei Kalifen hätte erwähnen müssen, was er nicht gewollt habe. Ahl-al Bait (türkisch Ehli Beyt) wird als Übergriff für die frühislamischen herrschenden Familien der arabischen Stämme genannt, u.a. für Umaiyaden. Bei den Schiiten und Aleviten werden neben dem Propheten Mohammed nur Fatima, Ali, Hasan und Husain – also die Ahl al-Kisa (nach einer bekannten Überlieferung, dem Hadith al-Kisa) – sowie deren direkte Nachkommenschaft zu den Ahl ul-bait genannt. Nach ihrem Glauben handelt es sich hierbei im Kern um die „Vierzehn Unfehlbaren“. Wieso Toprakyaran überaus geschickt Imam Ali mit den Sunniten nicht in Verbindung bringen wollte, kann eventuell die MFD beantworten.

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