Türkei: Partei der Völker baut Mauer und verteufelt sie

Lesezeit
2 Minuten
Gelesen zu

Türkei: Partei der Völker baut Mauer und verteufelt sie

07. April 2016 - 10:55
Kategorie:
0 Kommentare

Was hatte die Partei des Friedens und der Demokratie und ihr Nachfolger die Partei der Völker nicht alles unversucht gelassen, die kilometerlange Mauer an der türkisch-syrischen Grenze in Nusaybin zu verhindern. Jetzt steht sie, in Beton manifestiert, von Türkler-Beton.

Mardin/TP - Seit Mitte 2013, als der Bürgerkrieg in Syrien so langsam Gestalt annahm, seitdem ist die 20km. lange Mauer entlang der türkisch-syrischen Grenze zwischen der türkischen Grenzstadt Nusaybin in der Provinz Mardin und der syrischen Grenzstadt Qamishli ein Symbol des Kampfes der BDP (Partei des Friedens und der Demokratie) sowie ihrer Nachfolgepartei HDP (Demokratische Partei der Völker) geworden. Den Kampf hat man verloren, aber unter dem Strich auch viel gewonnen.

Die Ankündigung der Provinzverwaltung von Mardin, im Zuge der Kampfhandlungen auf syrischem Gebiet, eine Mauer entlang der Grenzstadt Nusaybin aufzubauen, wurde schon damals, Mitte 2013, von der damaligen prokurdischen Partei des Friedens und der Demokratie heftig kritisiert. Wochenlang zogen Demonstranten vor die Polizeiabssperrung, hinter der die ersten Vorbereitung für die Errichtung einer 20km. langen Grenzmauer getroffen wurden. Als die ersten Fertigbetonteile aus dem nahen Kiziltepe herangekarrt wurden, waren bereits die ersten Hungerstreikenden dabei. Die Mauer, so die Demonstranten, durfte nicht errichtet werden, zumal auf der anderen Seite der Grenze jetzt auch die ersten Flüchtlingswellen antrafen.

Die prokurdische Nachfolgepartei der BDP, die HDP, die jetzt auch in Nusaybin die Stadtverwaltung aufstellt, führte den Kampf fort. Immer noch wurden Betonelemente angeliefert, um die letzten hundert Meter fertig zu stellen. Der Protest ebbte dennoch nicht ab. Der Co-Vorsitzende der HDP, Selahattin Demirtas, der schon vor Beginn des Mauerbaus als Co-Vorsitzender der BDP das Vorhaben als Embargo gegen die Menschheit scharf verurteilt hatte, wurde auch von seinen Parteikollegen immer noch vollumfänglich unterstützt. Darunter auch von Ahmet Türk, der gegenwärtig als Co-Oberbürgermeister von Mardin schon damals die Hungerstreikenden aufsuchte und sie unterstützte. Wohl schon damals in dem Wissen, dass die nächste Verwandschaft (Türkler-Beton) den Beton zur Verfügung stellte, mit der die Betonelemente in Kiziltepe gegossen wurden.

Das bleibt vielen HDP-Wählern nicht verborgen. In Diyarbakir-Sur, wo die Kämpfe zwischen der PKK und den Sicherheitskräften ganze Straßenzüge in Mitleidenschaft gezogen hatten, regt sich bereits Widerstand. Nicht gegen den Staat, der nach Ansicht der HDP mit einer Brutalität vorging, dass die Weltöffentlichkeit geradezu herausfordert, sondern gegen die HDP selbst. Einwohner des Stadtteils Sur waren geradezu erboßt darüber, dass die Parteioberen der HDP den "Kampf" in Stadtteile der mehrheitlich von Kurden bewohnten Metropole trugen, jedoch Stadtteile in denen die Villen, Prunkbauten und Geschäftshäuser davon unberührt blieben. Auch hier sind die HDP-Politgrößen zumeist als Bauunternehmer tätig, um Hotels- und Einkaufszentren aus dem Boden zu stampfen. Vor allem das stößt in Sur vielen sauer auf. Sie sitzen auf Trümmern, während Politgrößen, die Frieden und Freiheit gepredigt haben, in Neubauten investierten. Wo Geld im Spiel ist, dass hat man jedenfalls in Sur verstanden, ist Politik dazu da, eigene Interessen zu verfolgen. Auch die graue Emminenz der prokurdischen Bewegung Ahmet Türk, der jahrelang mit diesem Wissen Hungerstreikende an der Grenze in Nusaybin besucht, sie unterstützt hat, reiht sich nahtlos in dieses Milleu ein.Sein Umfeld selbst, stellte den Beton bereit, damit diese Mauer errichtet wird. Man hätte auch nein sagen können. Stattdessen wollte man, wenn es schon nicht zu verhindern, wenigstens mitverdienen...

weitere Informationen zum Artikel
Noch nicht bewertet