Wurde Kashoggi von Saudis in 15 Teilen herausgeschafft?

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Wurde Kashoggi von Saudis in 15 Teilen herausgeschafft?

07. Oktober 2018 - 20:32
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Der saudi-arabische Regierungskritiker ist in der Türkei immer noch nicht aufgetaucht und man geht bereits vom schlimmsten aus. Der Vorsitzende des saudi-türkischen Medienverbands erklärte, man habe mehrere ernstzunehmende Informationen, wonach Dschemal Kashoggi tot und außer Landes gebracht worden ist.

Wurde Kashoggi von Saudis in 15 Teilen herausgeschafft?

Istanbul / TP - Der Fall um das Verschwinden des saudi-arabischen Regierungskritiker Dschemal Kashoggi (Cemal Kaşıkçı) aus dem saudi-arabischen Konsulat in Istanbul wird immer mysteriöser. Inzwischen bestreitet Saudi-Arabien die Vorwürfe energisch, dass man Kashoggi entführt habe. Der Vorsitzende des saudi-türkischen Medienverbands Turan Kışlakçı erklärte vor dem Konsulat in einem Live-Interview, man habe mehrere ernstzunehmende wie auch bestätigte Informationen, wonach Dschemal Kashoggi tot und außer Landes gebracht worden ist.

Kashoggi ist einer der bekanntesten Journalisten Saudi-Arabiens, der aus Furcht vor einer Festnahme im September 2017 ins Exil in die Vereinigten Staaten ging. Aufgrund seiner Heiratsabsicht hatte er das saudi-arabische Konsulat in Istanbul am 2. Oktober zuvor informiert und dann aufgesucht. Nach Angaben der Verlobten und Freunden wollte er dort lediglich Papiere abholen. Die Verlobte Hatice C. hatte vor dem Gebäude mehrere Stunden gewartet, danach Medien und Behörden alarmiert. Kashoggi ist auch in der türkischen Regierungspartei kein unbekanntes Gesicht. Erdogan wie auch zahlreiche AKP-Politiker kennen den Regimekritiker persönlich.

Inzwischen ist man fest davon überzeugt, dass die Angaben Saudi-Arabiens in Zusammenhang mit dem Verschwinden von Kashoggi nicht übereinstimmen. Das saudische Konsulat gab zuvor bekannt, dass der Besucher (Kashoggi) das Gebäude verlassen habe, könne aber keine Beweise liefern, weil die Videoüberwachungsanlage des Gebäudes zu der Zeit ausgefallen sei. Seine Verlobte glaubt jedoch, dass Kashoggi vom Konsulat aus ins Ausland entführt wurde. Sie erklärte gegenüber einer türkischen Zeitung, Kashoggi habe vor dem Betreten des Konsulates Angst gehabt, dass ihm dort etwas passieren könnte.

Bislang ausgewertete Videoaufnahmen der örtlichen Sicherheitskameras bestätigen die Angaben der Verlobten wie auch Freunde von Kashoggi. Die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet und will das Verschwinden genauestens untersuchen. Die Polizei habe laut der Generalstaatsanwaltschaft keine hinreichenden Erkenntnisse, wonach Kashoggi das Gebäude verlassen habe, betreten habe er das Gebäude allerdings, melden türkische Medien. Auch das türkische Außenministerium hat sich in den Fall eingeschaltet und den saudi-arabischen Botschafter einbestellt.

Die türkische Regierung zeigte sich über den Fall äusserts besorgt. Der türkische Staatschef Erdogan erklärte, man hoffe, dass sich die Lage zum besseren Wende. "Ich hoffe, wir werden nicht mit einer Situation konfrontiert, die wir nicht wollen.", erklärte er weiter. Der Parteisekretär der amtierenden Regierungspartei AKP, Yasin Aktay, erklärte, Kashoggi habe sich in der Türkei sicher gefühlt. Er habe nach eigenen Angaben mitgeteilt, dass das saudische Königshaus im Ausland Operationen gegen die eigenen regierungskritischen Staatsbürger führen werde, aber in der Türkei solche Maßnahmen unterlassen werden und er sich daher sicher fühle.

Aktay zufolge habe man die Erkenntnis, dass sich Kashoggi zwei Stunden vor dem Termin im Konsulat telefonisch angemeldet habe. Um 13 Uhr sei er dann in das Gebäude rein, gleichzeitig seien jedoch um diese Zeit aus Saudi-Arabien zwei Flugzeuge gelandet, deren Insassen das Konsulat aufgesucht hätten. Um 16:40 Uhr habe man ihn dann über den Fall unterrichtet, er habe danach alles weitere veranlassen lassen, damit die Lage unter Kontrolle ist, so Aktay weiter.

Am Sonntag erklärte der Vorsitzende des Saudisch-türkischen Medienverbands Turan Kışlakçı in einem Live-Interview vor dem saudischen Konsulat, dass es mehrere ernstzunehmende wie auch bestätigte Informationen gebe, wonach Dschemal Kashoggi tot und ausser Landes gebracht worden ist. Nur eine Stunden nach dem Kashoggi das Gebäude betreten habe, hätten verdunkelte Vans das Konsulat verlassen. Seinen bisher unbestätigten Informationen zufolge hätte man Kashoggi getötet, sein Leichnam in fünfzehn Teile zerteilt und aus dem Gebäude geschafft. Sobald die vorliegenden Informationen bestätigt sind, werde man es mit den Medien teilen. Jedoch hätten die türkischen Behörden dieselben Informationen, man müsse sich daher aufs schlimmste vorbereiten.

Nach einer ersten Einschätzung der türkischen Polizei wurde Khashoggi im Konsulat in Istanbul getötet. Ein türkischer Beamte erklärte gegenüber der Agentur Reuters: "Wir glauben, dass der Mord vorsätzlich war und die Leiche später aus dem Konsulat entfernt wurde".

Unterdessen hat ein hochrangiger Bürokrat des saudischen Königshauses das Land verlassen und verkündet, sich den Reihen der Opposition anzuschließen. In einem Youtube-Beitrag erklärte der ehemalige Jusitzbeamte Mohammed Al-Qahtani, dass die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien katastrophal sei und der Fall Kashoggi das Faß zum überlaufen gebracht habe.

In der arabischen Welt hat der Fall ebenfalls für Furore gesorgt. Faisal Al-Kasim, bekanntester Journalist der Al Jazeera erklärte, in sozialen Netzwerken seien saudische "Trolls" nach der Verkündung, dass Kashoggi gefasst sei, in Freudentaumel ausgebrochen. Als dann aber die Meldungen überhand genommen habe, dass der "gefasste" in der Türkei wohl ermordet worden ist, habe man diesmal auf dem "Mars" nach einem Sündenbock gesucht, so Al-Kasim in einem Tweet. Der ägyptische Journalist der Al-Mesryoon erklärte, dass das saudische Königshaus diesmal zuweit gegangen sei und damit das eigene Ende eingeleitet habe, in dem es ausgerechnet in der Türkei soweit gegangen sei.

Ein Reporter der Al Jazeera, der aus Istanbul berichtet, erklärte, die türkischen Behörden hätten seither versucht, einen schmalen Grat zu gehen, um die Beziehungen zwischen den beiden Ländern nicht zu beschädigen. Jamal Elshayyal weiter: "Es gibt einen Versuch der türkischen Regierung, einen Ausweg zu finden, bei dem es nicht zu einem völligen Zusammenbruch der diplomatischen Beziehungen kommt, zumindest nur einen vorübergehenden Stillstand zwischen Saudi-Arabien und der Türkei. Wenn die türkischen Behörden tatsächlich eindeutig beweisen können, dass saudische Agenten einen Journalisten im Konsulat in Istanbul ermordet haben, würde dies eine starke türkische Reaktion heraufbeschwören." 

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