Türkei - US-Botschaft reduziert Besuchsaufkommen auf ein Minimum

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Türkei - US-Botschaft reduziert Besuchsaufkommen auf ein Minimum

08. Oktober 2017 - 21:10
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Die Inhaftierung eines türkischen US-Konsulatsmitarbeiter in Istanbul wegen Spionage und staatsfeindlicher Tätigkeit hat gravierende Folgen. Die US-Botschaft hat angekündigt, das Besuchsaufkommen in allen US-Vertretungen in der Türkei auf ein Minimum zu reduzieren.

Türkei - US-Botschaft reduziert Besuchsaufkommen auf ein Minimum

Ankara / TP - Als "nicht unerwartet" beschreiben manche türkische Medienberichte den Schritt der US-Botschaft am Sonntag, Visaanträge von türkischen Staatsbürgern vorerst nicht mehr zu bearbeiten. Die US-Botschaft in Ankara reagiert damit auf die Inhaftierung eines türkischen Konsulatsmitarbeiters in Istanbul wegen des Verdachts der Spionage und staatsfeindlicher Aktivitäten sowie auf die türkische Berichterstattung. Türkische Medien hatten breit und tief über die mutmaßlichen Machenschaften des Verdächtigen berichtet und damit eine Diskussion darüber entbrannt, was die USA mit dem Mitarbeiter zu tun haben. 

Die US-Botschaft nannte die Vorwürfe der Medien gegenüber der USA als "völlig haltlos" und drohte der Türkei mit Konsequenzen, wenn die anhaltende Berichterstattung weiter so anhält. Seit Wochenbeginn waren in der Türkei bei mehreren Razzien Dutzende Personen verhaftet worden, denen Mitgliedschaft in der FETÖ (Fethullah Gülen Bewegung) vorgeworfen wird. Darunter auch der freier Mitarbeiter des US-Generalkonsulats in Istanbul, Metin Topuz, der seit den 1990er Jahren im US-Generalkonsulat beschäftigt ist. 

Topuz wirft man u.a. Verbindungen zu einflußreichen Mitgliedern der Gülen-Bewegung sowie Spionage vor. Medien berichteten über die Verhaftung und Hintergründe ausführlich. Die Berichterstattung veranlasste die US-Botschaft am Freitag ein Statement abzugeben, in der man sich über die Berichterstattung beschwerte. Die Vorwürfe gegen ihren Mitarbeiter würden "jeglicher Grundlage" entbehren, erklärte die US-Botschaft in Ankara. 

Am Sonntag teilte die US-Botschaft mit, man werde aufgrund der Vorkommnisse die Lage der US-Vertretungen und Mitarbeiter in der Türkei neu beurteilen und bis dahin das Besuchsaufkommen in allen US-Vertretungen auf ein Minimum reduzieren. Darunter fallen Visanaträge die auf unbestimmte Zeit nicht weiter bearbeitet werden, sofern es sich nicht um Auswanderungsersuchen handelt, so die US-Botschaft in Ankara weiter.

Türkische Medien berichten nun, dass die USA durch die Ermittlungen im Umkreis der türkischen US-Vertretungen und Verhaftung von Topuz sichtlich berührt ist.   

Metin Topuz ist türkischer Staatsbürger, der laut amtlicher Nachrichtenagentur Anadolu in Kontakt zum früheren Staatsanwalt Zekeriya Öz und zu vier Polizeichefs gestanden haben soll, denen eine zentrale Rolle in Korruptionsermittlungen, zum Ergenekon-Verfahren und Terroranschlägen vorgeworfen wird. Dem Türken werden Spionage, Unterstützung von Umsturzplänen sowie Mitgliedschaft in der Bewegung des im US-Exil residierenden islamischen Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen. Gülen wird für den Putschversuch gegen Staatspräsident Erdogan vom 15. Juli 2016 verantwortlich gemacht. Die Türkei fordert von den USA seine Auslieferung. 

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