Yeneroğlu: Kramp-Karrenbauer bedient Stammtische

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Yeneroğlu: Kramp-Karrenbauer bedient Stammtische

08. Oktober 2018 - 23:13
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Die CDU-Generalsekretärin denkt laut darüber nach, ob man die doppelte Staatsbürgerschaft den "Deutschtürken" wegen "Loyalitätskonflikten" entzieht. Nach einem Zensus von 2011 hatten insgesamt 530.000 türkische Staatsbürger auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Zum Vergleich: Gleichzeitig lebten 1,5 Millionen Türken ohne einen deutschen Pass und rund 800.000 hatten lediglich den deutschen Pass. Fazit: Nur ein Fünftel der türkischstämmigen Bürger sind im Besitz von zwei Pässen.

Yeneroğlu: Kramp-Karrenbauer bedient mit Stammtische

Die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer denkt laut darüber nach, ob man die doppelte Staatsbürgerschaft den "Deutschtürken" wegen "Loyalitätskonflikten" entzieht. Nach einem Zensus von 2011 hatten insgesamt 530.000 türkische Staatsbürger auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Zum Vergleich: Gleichzeitig lebten 1,5 Millionen Türken ohne einen deutschen Pass und rund 800.000 hatten lediglich den deutschen Pass. Fazit: Nur ein Fünftel der türkischstämmigen Bürger sind im Besitz von zwei Pässen.

Mustafa Yeneroğlu,   deutsch-türkischer Jurist und AKP-Abgeordneter des türkischen Parlaments findet, dass die von Kramp-Karrenbauer angestoßene Debatte nur Stammtische bedient. Hier sein Kommentar dazu:

Die Türkei hat weder ein Interesse an Loyalitätskonflikten noch trennt sie die Deutschtürken vom Gemeinwesen. Doch gerade solche Phantomdiskussionen bedienen nur Stammtische und entfremden voneinander. Wenn es Verschulden gibt, dann bitte in den Spiegel schauen. CDU CDUCSU

Ich verstehe, dass Frau Kramp-Karrenbauer ihr Profil stärken möchte, aber bitte nicht auf dem Rücken von Menschen, die nicht mal die Möglichkeit haben, ihr auf die gleiche prominente Art und Weise zu antworten, weil sie aus diesen Podien ausgegrenzt sind.

Sie stellen scheinbar Geiselhaft, Loyalitätskonflikte, Trennung vom Gemeinwesen, ja sogar Illoyalitäten fest! Dabei sind Sie aber nicht in der Lage, konkrete Argumente zu liefern. Sie bedienen sich Worthülsen und betreiben klassischen Populismus, um rechte Wähler anzusprechen.

Wenn Sie ernsthaft Interesse an Einbindung haben, dann setzen Sie sich für mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt und eine ihrem Bevölkerungsanteil entsprechende Vertretung im öffentlichen Dienst und Medien ein.

Wenn Sie Entfremdung erkennen und vorbeugen wollen,dann setzen Sie sich für die Bekämpfung der grassierenden Islamfeindlichkeit ein, schweigen Sie nicht zur anhaltenden Ausgrenzung von islamischen Religionsgemeinschaften, ja sogar demonstrativer Ablehnung ihres Selbstverständnisses.

Wenn Sie ernsthaft Entfremdung vorbeugen wollen, dann nehmen Sie die Ängste der Minderheiten wahr, die auch aufgrund des Zerfalls der beiden großen Volkparteien, deren Leere immer stärker von Rechtspopulisten auch aus Ihrer Partei besetzt wird,Angst vor der Zukunft haben müssen.

Wenn Sie schon von Geiselhaft reden, was machen wir dann mit Ihrer Wortwahl, Deutschtürken für Ihre Türkeisicht in Haft nehmen zu wollen? Probleme mit solchen, die von Deutschland aus den Terror in der Türkei unterstützen, haben Sie offenbar nicht. Erkennen Sie keine Doppelmoral?

Erkennen Sie Ihren Widerspruch nicht, dass Sie solche, die Ihre Türkeisicht teilen, als große Demokraten überall Podien bieten, und andere, die Ihrer Türkeisicht nicht folgen, als Spalter und Illoyale ausgrenzen. Wer nimmt nun mit welcher Wortwahl Deutschtürken in Geiselhaft?

Übrigens; stellen Sie doch mal auch die Frage, warum Bundespräsident Steinmeier & BKanzlerin Merkel nicht an der Einweihung der Moschee teilnahmen oder ob sie jemals an einer Moscheeeinweihung in Deutschland teilgenommen haben. Hier liegen doch die Probleme, die Sie verschweigen!

Die Staatsspitzen haben an der Moscheeeinweihung nicht wegen Erdoğan nicht teilgenommen, sondern weil sie Angst haben, von der Mehrheitsgesellschaft zu sehr kritisiert zu werden. Denken Sie doch mal über die möglichen Gründe nach. Erst dann kommen wir in Deutschland weiter.

Dann brauchen Sie auch keine Angst vor Spaltern, Entfremdung oder gar Illoyalität zu haben. Schauen Sie nun also in den Spiegel und seien Sie ehrlich zu sich selbst. Sie werden sehen, wo die Probleme liegen.

Wissen Sie, wie viele Anschläge auf Moscheen dieses Jahr ausgeübt wurden. Hat sich die CDU offiziell zu einem dieser Anschläge geäußert? Wie oft waren Sie oder sonstige Bundesspitzen am Ort des Geschehens und haben Ihre Solidarität erklärt?

Anstelle sich selbst darum zu bemühen, die Herzen der Deutschtürken und auch generell die der Muslime zu gewinnen, wollen Sie auch noch andere ausschließen. Sie wollen nicht, andere sollen auch nicht! Welche Haltung passt eher zu Geiselhaft?

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