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Türkische Gendarmerie: NATO, USA wussten vom Putsch

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Türkische Gendarmerie: NATO, USA wussten vom Putsch

09. Januar 2017 - 00:08
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Die parlamentarische Untersuchungskommission hat ihre Arbeit zum gescheiterten Putschversuch in der Türkei nach 3 Monaten offiziell am 3. Januar beendet. Der Abschlussbericht steht noch aus, da die schriftlichen Stellungnahmen der türkischen Streitkräfte sowie dem Oberkommando der Gendarmerie ausgewertet werden. Die türkische Tageszeitung Aksam berichtete jedoch schon am 2. Dezember über einzelne Seiten des Berichtes der Gendarmerie.

Aksam - Türkische Gendarmerie: NATO, USA wussten vom Putsch

Ankara / TP - Dem Artikel der Tageszeitung Aksam zufolge, weisen nachrichtendienstliche Erkenntnisse der Gendarmerie darauf hin, dass die Fethullahistische Terrororganisation (FETÖ), die für den gescheiterten Putschversuch in der Türkei am 15. Juli verantwortlich gemacht wird, mit der Terrororganisation PKK sowie der Terrormiliz IS (Daesh) in regem Kontakt stand, um in "sicheren" Gebieten koordinierte Terroranschläge und Selbstmordattentate in der Türkei zu verüben.

Die Stellungnahme der Gendarmerie berüchsichtigt laut der Tageszeitung Aksam auch nachrichtendienstliche Erkenntnisse, die vor und nach dem gescheiterten Putschversuch gewonnen wurden. Schon zuvor berichteten türkische Medien über mutmaßiche Verbindungen zwischen der FETÖ sowie der PKK und IS. Mit der Stellungnahme der Gendarmerie, über die die Aksam am 2. Januar berichtete, erhärtet sich jedoch der anfangs gehegte Verdacht der Medien, dass die Zusammenarbeit der Terrororganisationen, erst die Terroranschläge in der Türkei ermöglicht und intensiviert habe.

Offiziere konnten sich in PKK- und IS-Gebieten frei bewegen

So berichtete die Aksam unter anderem, dass die FETÖ-Mitglieder innerhalb der Armee sich in PKK- oder IS-kontrollierten Gebieten frei bewegen konnten. Das gehe aus abgefangenen Funksprüchen hervor. In einem Fall soll es sich um zwei hochrangige Offiziere handeln, die über die Provinz Sirnak in den von der PKK kontrollierten Nordirak, so ungehindert gelangen konnten. Einer der Offiziere habe nach seiner Festnahme zugegeben, mit der IS in Kontakt gestanden zu haben, um den Schmuggel von Sprengstoff über die syrische Grenze zu koordinieren.

Mit der Festnahme eines syrischen Staatsbürgers sollen auch Namen in diesem Zusammenhang gefallen und so Festnahmen innerhalb der Gendarmerie angestoßen worden sein, darunter einem Unteroffizier.

11 Terrororganisation in der Türkei beschließen Kooperation

Des Weiteren schreibt die Aksam sowie auch die Yenisafak, dass die PKK ihre Sympathien zur FETÖ nicht verhehlt habe. Bereits Ende 2015 soll der für Europa zuständige PKK-Funktionär Zana Azadi erklärt haben, dass der Feind seines Feindes ein Verbündeter sei, um die AKP-Regierung zu stürzen. Schon Anfang Februar wurde mit der Erklärung der PKK, MLKP, TKP/ML, DKP, MKP, TKEP/L, TİKB, THKP-C/MLSPB und Weiteren ersichtlich, dass die Terrororganisationen gemeinsam gegen die türkische Regierung vorgehen werden, auch gegenüber Kritikern. Azadi wird in diesem Zusammenhang immer wieder auch mit der Ermordung des kurdischstämmigen Rechtsanwalts aus Diyarbakir, Tahir Elçi, in Zusammenhang gebracht. 

Schaltete die PKK deshalb auch Kritiker aus?

Azadi soll während einer TV-Sendung der Med Nuce am 10. November 2015 erklärt haben, dass die Kritik an der Politik der PKK nicht erwünscht sei, auch wenn sie von Tahir Elçi oder Altan Tan komme. Im verlaufe der Sendung soll Azadi auch erklärt haben, dass die beiden in "Kurdistan kein Existenzrecht" hätten. Der kurdischstämmige Politiker der HDP, Altan Tan, hatte während der TV-Sendung vergeblich versucht, sich per Live-Schaltung dazu zu äussern, jedoch daran gescheitert. Tan gilt als ein vehementer Kritiker gegenüber der PKK. Tahir Elçi wurde am 28. November 2015 in Diyarbakır ermordet. 

Hat die NATO und USA etwas versprochen?

Für Furore sorgt jedoch in der Stellungnahme des Oberkommandos der Gendarmerie, die nach dem letzten Treffen der parlamentarischen Untersuchungskommission zum gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli, am 22. Dezember, dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses Resat Petek übergeben wurde, die Erkenntnisse über mutmaßliche Kontakte zwischen hochrangigen Funktionären der PKK und der NATO sowie den USA. 

Demnach sollen die Funktionäre lange vor dem gescheiterten Putschversuch den Zeitpunkt in Erfahrung gebracht haben, wann dieser stattfindet, um die amtierende Regierung zu stürzen. In der Stellungnahme wird daher ein starker Verdacht geäussert, dass der Plan zum Umsturz seit Monaten feststand und dass der Boden hierfür von den Terrororganisationen in der Türkei geebnet werden sollten. In der Stellungnahme heißt es u.a., dass die Unruhen an Intensität und Umfang deutlich die der Gezi-Proteste übertreffen müssten, um den Umsturz für den Herbst einzuleiten. Der Putschversuch wurde jedoch vorgezogen. Darin kommen erneut die Terrororganisationen zur Aussprache, die Anfang Februar 2016 ihren offiziellen Kampf gemeinsam verkündet hatten. Die Anforderung gegenüber den Terrororganisationen, sollen von der NATO sowie der USA stammen, was die Brisanz der Stellungnahme ausmacht.

Cyberattacken und Stromausfälle

Ein weiterer Punkt der Stellungnahme zu den Fragen des Untersuchungsausschusses beinhaltet u.a. die Zunahme der Cyberattacken seit dem Ende des gescheiterten Putschversuches. Energieminister Albayrak hatte zuvor erklärt, dass die Zunahme der Cyberattacken nicht mehr mit herkömmlichen Antworten erklärt werden könnten. Es seien laut der türkischen Telekommunitionsbehörden sowie dem Institut für digitale Technologien eindeutige Versuche, in die Infrastruktur des türkischen Energiesektors einzudringen. Auch das Oberkommando der Gendarmerie verzeichnete laut ihrer Stellungnahme eine starke Zunahme der Cyber-Attacken. 

So sollen innerhalb von drei Monaten vor dem Putschversuch gerademal 97 Cyber-Attacken von IP-Adressen ausgegangen sein, die aus den USA stammen, während die Zahl nach dem Putschversuch im selben Zeitraum auf über 4.437 angestiegen ist. Das sei eine Zunahme von 4.574 Prozent.

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