Bashar al-Assad unterstützt Anti-IS-Verbündeten YPG

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Bashar al-Assad unterstützt Anti-IS-Verbündeten YPG

11. Februar 2018 - 20:13
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Die syrische Terrororganisation YPG erhält gegen die türkische Militäroperation "Olivenzweig" nicht nur die Unterstützung durch die iranisch-geführte Hisbollah-Millizen, auch der syrische Machthaber Bashar al-Assad leistet wieder indirekt Beistand, in dem er bewaffneten YPG-Gruppen aus den nordsyrischen Regionen Manbidsch oder Qamischli erlaubt, über Gebiete die von Regimetruppen kontrolliert werden, in das Distrikt Afrin zu gelangen.  

Experten in der Türkei gehen daher davon aus, dass die Türkei ihre Operationen auf Manbidsch zwangsläufig ausweiten wird und die Schutzzone, die seit der Operation "Schutzschild Euphrat" bereits in Nordysrien besteht, auf den Großraum Tall Rifaat ausweiten und diesen Korridor schließen wird, über die Waffen und Terroristen nach Afrin gelangen.

Türkische Panzerverbände stehen an der syrischen Grenze

Ankara / TP - Internationale Nachrichtenagenturen bestätigten jetzt, dass die syrisch-kurdische Terrororganisation YPG gegen die türkische Militäroperation "Olivenzweig" nicht nur die Unterstützung durch iranisch-geführte Hisbollah-Millizen erhält, auch der syrische Machthaber Bashar al-Assad leistet wieder indirekt Beistand, in dem er bewaffneten YPG-Gruppen aus den nordsyrischen Regionen Manbidsch oder Qamischli erlaubt, über Gebiete die von Regimetruppen kontrolliert werden, in das Distrikt Afrin zu gelangen.

Experten in der Türkei gehen daher davon aus, dass die Türkei ihre Operationen auf Manbidsch zwangsläufig ausweiten und die Schutzzone, die seit der Operation "Schutzschild Euphrat" bereits in Nordsyrien besteht, auf den Großraum Tall Rifaat ausweiten und diesen Korridor schließen wird, über die Waffen und Terroristen derzeit nach Afrin gelangen.

Die ambivalente Haltung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad beruht daher auf Zweckmäßigkeit, wie Experten immer wieder konstatieren. Bei der Einnahme von Aleppo ließ Machthaber Baschar al-Assad es zu, dass die YPG von Nordosten her auf die Stadt stößt und die Umklammerung schließt. Bei den monatelangen kämpfen zwischen aufständischen Rebellenmilizen und Regimetruppen sowie Beistand der YPG zwischen Juli 2016 bis Ende Dezember 2016, starben nach Ansicht der syrischen Menschenrechtsbeobachter SOHR allein binnen der ersten zwei Monate über 1.000 Zivilisten, was auch die UN-Menschenrechtskommission dazu bewegte, von einem "Wegschmelzen jeglicher Humanität“ zu sprechen. Die SOHR berichtete gar von "unsäglichen Grausamkeiten, die jede Stunde“ begangen würden, seitdem die Regime-Koalitionskräfte YPG sowie die schiitische Hisbollah den Ostteil der Stadt überrennen.

Was das syrische Regime und die YPG in Aleppo und andererorts vereinte, um aufständische Rebellenmilizen niederzuschlagen, wiederholt sich laut Medienberichten nun auch im Distrikt Afrin. Ihr gemeinsamer Feind ist diesmal die Türkei, auch wenn Baschar al-Assad es bislang vermieden hat, die Türkei selbst gezielt anzugreifen. Dafür bietet er nun indirekte Hilfe an, indem er der Partei der Demokratischen Union (PYD), einem syrisch-politischen Arm der PKK, erlaubt, mit Zivilisten und Politikern über regime-kontrolliertes Terrritorium nach Afrin zu gelangen und die YPG zum durchhalten zu bewegen.

Über diesen Korridor wird aber vor allem der Nachschub an Waffen und Kämpfern gesichert, wie jüngst Beobachter erneut meldeten. Unverblümt gibt auch der Sprecher der YPG-dominierten Demokratischen Kräften Syriens (SDF), Kino Gabriel, zu, dass es "verschiedene Möglichkeiten gibt, Verstärkung für Afrin zu bekommen, aber die grundlegende Hilfe kommt über die Kräfte des Regimes. Es gibt ein grundsätzliches Anliegen zwischen uns und dem Regime, um Afrin zu stärken."

Fragwürdig erscheint auch der mutmaßliche Versuch der YPG, 120 der insgesamt 400 gefangenen IS-Terroristen, die von der US-geführten Koalitionskraft SDF im letzten Monat freigelassen wurden, als Kämpfer zu rekrutieren. Der Bericht den der russische UN-Sondergesandte Vasily Nebenzia am Donnerstag mitteilte, wirft gravierende Fragen auf. Nebenzia erklärte, dass die SDF / YPG letzten Monat über 400 gefangene IS-Terroristen in Syrien freigelassen habe. Davon hätten sich danach 120 der SDF angeschlossen. Die SOHR berichtete am 10. Januar über diesen Coup.

Die YPG erhält aber nicht nur durch das syrische Regime indirekte Hilfe, auch die schiitisch-iranische Hisbollah aus der Region Nubl und Al-Zahraa, lange Zeit Enklave inmitten des IS-dominierten Gebietes bis zu ihrer Befreiung vom Islamischen Staat (DAESH), schickt inzwischen Kämpfer nach Afrin und sollen sich derzeit auf Rajo, zubewegen. Das Gebiet um Rajo ist heftig umkämpft. Milizen der Freien Syrischen Armee (FSA) versuchen die letzten strategischen Höhen einzunehmen, die von der Terrororganisation YPG verteidigt werden. Im Hinterland befreiter Gebiete macht sich derzeit die türkische Armee bereit, weitere Verbände zu entsenden. Allein am gestrigen Tag überschritten über 60 Panzerfahrzeuge die syrisch-türkische Grenze an der türkischen Provinz Hatay. Nur 25km weiter östlich entfernt liegt die Kleinstadt Rajo. 

Experten gehen daher davon aus, dass die türkische Militärführung längst Pläne auf dem Tisch hat, um die Zufuhr von Nachschub und Kämpfern nach Afrin zu unterbinden. Sollte das zutreffen, würde die türkische Armee die Operation "Olivenzweig" auf den südwestlichen Teil der Schutzzone ausweiten, die bereits seit der Operation "Schutzschild Euphrat" besteht. Tall Rifaat sowie Manbidsch, so resümieren die Experten, seien zwangsläufig die nächsten Ziele der Operation, was einen Konflikt mit der US-Armee unausweichlich macht, die in Manbidsch stationiert ist und nachwievor auf Zeit spielt.

Die türkische Regierung drängt inzwischen immer energischer darauf, dass die US-Regierung ihre Armee anweist, sich aus der Region Manbidsch zurückzuziehen. Der stellvertretende Ministerpräsident Bekir Bozdag wiederholte, dass die USA noch immer nicht verstanden hätten, was das türkische Volk von ihr will. Auch der Generalstab findet deutliche Worte hierzu. Generalstabschef Akar erklärte, dass das Blut türkischer Soldaten in Syrien nicht umsonst vergossen werde. Das bedeutet, dass die Operation längst nicht beendet ist und so lange durchgeführt wird, bis auch das beabsichtigte Ziel erreicht ist: die Terrororganisation YPG an der südwestlichen Flanke der Türkei ein für allemal zu neutralisieren. Die türkische Armee kann sich der Unterstützung der Bevölkerung dabei sicher sein. In zahlreichen Städten wurden für die gefallenen Soldaten vom Samstag, Totengebete mit Hunderttausenden Teilnehmern abgehalten. An der Grenzregion zu Syrien formierten sich Demonstranten und sicherten der türkischen Regierung ihre Solidarität zu. 

Nach Ansicht von Experten geht es längst nicht mehr um die Terrororganisation YPG selbst, sondern vor allem um das syrische Regime und ihr Vorgehen in Syrien und ihrer indirekten Hilfe für Terrororganisationen. Schon einmal standen beide Länder vor der Schwelle eines militärischen Konflikts, als die türkische Regierung Syrien ein unmissverständliches Ultimatum stellte, die Unterstützung der Terrororganisationen PKK zu unterlassen und den Terrorchef Abdullah Öcalan aus dem Land auszuweisen. Das Einlenken Syriens führte später zur Entmilitarisierung der gemeinsamen Grenze und der Aufnahme bilateraler Beziehungen. Die sind seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien längst gekappt und die ständigen Angriffe aus syrischen Territorium heraus, führt dazu, dass die über 900km lange türkische Grenzregion geschlossen hinter der Operation "Olivenzweig" steht.
 

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