Brandanschläge als Solidaritätsbekundung für Afrin

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Brandanschläge als Solidaritätsbekundung für Afrin

11. März 2018 - 15:34
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Das fehlende öffentliche Interesse an Brandanschlägen auf türkische Einrichtungen ist nicht nur mit Gleichgültigkeit zu erklären. Es ist auch Schadenfreude dabei, ein leichtes Grinsen ist zu erkennen. Das ist skrupellos und zeigt, wie Gewalttäter auf der einen Seite hofiert, auf der anderen Seite Türken kriminalisiert werden. Das ist ein Skandal ohne Gleichen.

Brandanschläge als Solidaritätsbekundung für Afrin

Kommentar - Das fehlende öffentliche Interesse an Brandanschlägen auf türkische Einrichtungen wie Moscheen oder Vereine ist nicht nur mit Gleichgültigkeit zu erklären. Es ist auch Schadenfreude dabei, ein leichtes Grinsen. Fragt sich nur wie lange. Wenn die ersten toten Menschen aus Brandtrümmern geborgen werden? Dazu fehlt es nicht viel. Die letzten Brandanschläge in den letzten Wochen endeten glimpflich, weil entweder der Imam der Moschee selbst Hand anlegte um das Feuer unter Kontrolle zu bringen, die Feuerwehr mit mehreren Löschfahrzeugen anrückte oder die Brände von selbst erloschen. Das kann man Glück nennen oder eine Fügung des Schicksals, aber wenn wir hier im Land auf Glück und Schicksal setzen müssen, ist es längst zu spät. Es braucht Antworten und Reaktionen, und zwar schnell, ansonsten machen sich alle ausnahmlos Mitschuldig.

Antworten und Reaktionen? Man kann die sozialen Netzwerke rauf- und runterscrollen, man wird von Politikern, angesehenen Persönlichkeiten oder Vereinen und Verbänden nichts zu diesem Thema hören. Im Gegenteil, es scheint so als ob man die Taten aufgrund eines Konflikts im Ausland sogar mit Schadenfreude und einem leichten Grinsen vernimmt. An diese Damen und Herren sei gesagt: ihr seid erbärmliche Opportunisten der feinsten Sorte, die es nicht verdienen auch nur mit dem Nachnamen erwähnt zu werden.

Es erfordert Mut sich gegen Gewalt auszusprechen, auch wenn das Sebstverständnis dem widerspricht, wenn man bislang die türkischen Moscheen, Vereine und Verbände mit Narrativen praktisch kriminalisiert hat. Es erfordert Mut, ausländische Konflikte vor allem dann nicht in deutsche Gesellschaft zu tragen, wenn man davon ausgehen kann, dass das Spannungen hervorruft und letztendlich zu solchen Brandanschlägen wie in Lauffen am Neckar, Reinickendorf oder Meschede führt. Und es erfordert erst Recht Mut, Klartext zu reden und die Übergriffe zu verurteilen, bei der Menschenleben in Gefahr gebracht werden. Ich spreche hier dabei nicht von einzelnen Menschen, sondern von ganzen Familien, die in solchen Gebäuden leben, und übrigens nicht immer Türken sind. 

„Was nützen Worte, wenn sie nicht das Maul aufmachen?“
Friedrich Löchner

Es reicht also nicht mehr, wenn sogenannte Minderheitenvertreter wie die Kurdische Gemeinde, AABF, NAV-DEM, die zahlreichen hiesigen linksgerichteten Arbeiterorganisationen aus der Türkei oder die deutschen Politiker sich von Gewalt der einen oder anderen Form distanzieren. In den letzten 15 Monaten gab es bereits allein rund 1.000 Übergriffe auf Moscheen. Es muss schon mehr sein als nur Worthülsen die alsbald in der Versenkung landen, wenn sie denn überhaupt vorkommen. Aber, da spreche ich wohl aus der Seele vieler Türken und Türkischstämmigen, es ist reichlich zu spät für leere Worte, lautes Schweigen und ich hoffe inständig, dass niemand sein Leben verliert, weil hier irgendwelche tatkräftigen Sympathisanten einer Terrororganisation ihren Taten nachfrönen und dabei das Auslöschen von Menschenleben als politische Überzeugung als legitim betrachten.

Es zeigt nur, wie degeneriert diese Sympathisanten sind, deren politisches Ziel ausnahmslos Gewalt beinhaltet. Es zeigt aber auch, wie sie dabei von Gesellschaft und Politik skrupellos dazu ermutigt werden, weil keine einzige Stimme sie auffordert damit aufzuhören. Und wenn man es tut, nach dem man die Türken kriminalisiert hat, erntet man auch nur das was man ausgesät hat wie Volker Beck. Einfach mal die Kommentare lesen. Stattdessen wird mit dem Finger unaufhörlich weiter auf die Türken gezeigt. Die Türken in Deutschland sind besorgt, nein, sie sind sogar empört und wollen es nicht länger hinnehmen. In sozialen Netzwerken organisieren sie sich jetzt zu Wachen (unter dem Hashtag #Nöbetteyiz laufen immer mehr Meldungen in sozialen Netzwerken ein), um Moscheen, Einrichtungen und ihr Hab und Gut zu schützen, weil die Erklärungen der PKK-Sympathisanten offen zum Kampf in Europa aufrufen und Türken wie türkische Einrichtungen als Ziele legitimiert haben, jedoch Staat und Gesellschaft wegschauen. Wenn wir schon soweit sind, hat nicht nur die Politik versagt, sondern die Gesellschaft insgeheim.

Das ist skrupellos und zeigt, wie Gewalttäter auf der einen Seite hofiert, auf der anderen Seite Türken kriminalisiert werden. Das ist ein Skandal ohne Gleichen.

In Berlin-Reinickendorf sind die türkischen Muslime derzeit draußen im freien, um das Mittagsgebet vor der ausgebrannten DITIB-Moscheegemeinde zu verrrichten. Es zeigt, wie ernst die Lage eigentlich schon ist.

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