• Aus Solidarität mit der Familienministerin demonstrieren Türken in Rotterdam
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Der ""Glöckner von Ruttedam" - Türkei zeigt sich entsetzt

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Der ""Glöckner von Ruttedam" - Türkei zeigt sich entsetzt

12. März 2017 - 13:42
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Nach der niederländischen Verweigerung, dem Flugzeug des türkischen Aussenministers Cavusoglu die Landeerlaubnis zu erteilen, eskalierte die Situation, als die türkische Familienministerin Kaya in Rotterdam von der Polizei festgehalten und nach Stunden ausser Landes verwiesen wurde. Inzwischen ist die Ministerin über Düsseldorf nach Istanbul zurückgekehrt.

Demonstranten haben in Istanbul die türkische Fahne auf der Residenz der Niederlanden gehießt

Istanbul / TP - Erst verweigerte die niederländische Regierung unter dem Premier Mark Rutte dem türkischen Aussenminister Mevlüt Cavusoglu die Landeerlaubnis in den Niederlande, dann wurde der Fahrzeug-Konvoi der türkischen Ministerin für Familie und Soziales Fatma Kaya nur 30m. vor dem türkischen Konsulat in Rotterdam von der Polizei festgesetzt. Weder wurde dem Konvoi die weiterfahrt gestattet, noch die letzten Schritt bis zur türkschen Vertretung gestattet. Der türkische Botschafter der Niederlanden durfte nicht aus der Vertretung, wurde von der niederländischen Polizei daran gehindert, teilten türkischen Medien mit.

Die Situation eskalierte, als die Polizei der türkischen Ministerin erklärte, sie sei im Land unerwünscht, müsse das Land unter Begleitung verlassen, andernfalls würden Maßnahmen ergriffen. Nach mehreren Stunden wurden erst Personenschützer und die rechte Hand der Ministerin Kaya vorläufig festgenommen, dann kam Bewegung auf, der Konvoi setzte sich in Marsch, in Richtung deutsch-niederländische Grenze. Laut der niederländischen Nachrichtenagentur BNO hatte sich die türkische Familienministerin vorerst geweigert, die Niederlande Richtung Deutschland zu verlassen. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei habe daraufhin Ihre Personenschützer entwaffnet und verhaftet. Am frühen Morgen kam die Ministerin schließlich in Düsseldorf an, übernachtete im Intercontinental-Hotel und flog anschließend am Sonntag zurück nach Istanbul.

In gegenseitigem Kontakt mit der Türkei haben die Niederlande heute wiederholt deutlich gemacht, daß die öffentliche Ordnung und Sicherheit in unserem Land nicht in Gefahr gebracht werden dürfen.
Niederländische Regierung zum Landeverbot des türkischen Aussenministers, abgegeben am frühen Sonntagmorgen

Derweil hatten sich rund 15.000 Türken vor dem Konsulat in Rotterdam eingefunden, die Lage eskalierte, als die Stadt den Ausnahmezustand verhängte, berittene Polizei, Hundestaffeln und die Hundertschaften der Polizei die Menge vor sich hertrieb und vom Konsulat entfernte. Rund 45.000 Türken leben in der Stadt, insgesamt 400.000 Türken gibt es im ganzen Land. Dabei wurden Wasserwerfer eingesetzt, Schlagstöcke und Hunde kamen zum Einsatz. Reporter und Journalisten der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi sowie dem staatlichen TV- und Rundfunksender TRT wurden kurz vor Rotterdam von der Polizei aufgehalten, gezwungen das Land unter Begleitung zu verlassen. Weitere Teams wurden in Rotterdam während der Demonstration von Türken durch die Polizei schikaniert, mit Schlagstöcken und Hundeeinsatz traktiert, berichtet die Anadolu Ajansi und lieferte dabei Live-Bilder der Szenen.

Der harte Vorgang der niederländischen Regierung hat in der Türkei für Verärgerung gesorgt. Das türkische Aussenministerium erklärte kurz nach der Festsetzung der türkischen Familienministerin, dass der niederländische Botschafter in Ankara in der Türkei nicht erwünscht sei. Die niederländischen Vertretungen in Ankara und Istanbul, ebenso die Residenzen des Botschafters, des Geschäftsträgers der Botschaft und des Generalkonsuls, wurden von der Polizei abgeriegelt und somit geschlossen. 

Unseren niederländischen Ansprechpartnern ist zu verstehen gegeben worden, dass diese gegen die Türkei und gegen die türkische Gemeinde in den Niederlanden getroffene Entscheidung ernsthafte Folgen für unsere  diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen haben wird. Wir teilen der Öffentlichkeit mit, dass wir ohne den auf eine lange Geschichte zurückblickenden Beziehungen mit den Niederlanden zu schaden, die nötigen Gegenmaßnahmen  treffen werden.
Erklärung des türkischen Aussenministeriums

Der türkische Ministerpräsident Binali Yıldırım erklärte am Sonntag, dass die Vorgehensweise der niederländischen Regierung aufs schärfste zu verurteilen sei. "Die Gegenmaßnahmen Ankaras werden äusserst hart sein. Eine solche Druckausübung auf die Türkei und die Ministerin, die diplomatische Immunität geniesst, ist unzulässig“, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu den Premier. Es sei "ein großer diplomatischer Skandal." Rückendeckung erhielt Premier Yıldırım auch von den Oppositionsführern Devlet Bahceli (MHP) und Kilicdaroglu (CHP). Während Devlet Bahceli die Türken in den Niederlanden dazu aufrief, sich mit der türkischen Ministerin zu solidarisieren, gegen das Verbot der Landung des türkischen Aussenministers zu protestieren, erklärte der Vorsitzende der grössten Oppositionspartei CHP, der gegen Erdogans geplante Verfassungsänderung ist, die Entscheidung aus Den Haag. Meinungsfreiheit gelte sowohl in Amsterdam als auch in Ankara, uneingeschränkt, teilte Kilicdaroglu in einer Rede am Samstagabend mit.

Der türkische Pressesprecher des türkischen Staatspräsidenten Kalın erklärte am Sonntag in einem Tweet, dass es eine Schande für die niederländische Regierung sei, sich der anti-islamischen und anti-türkischen Ressentiments zu beugen. "Nationale Wahlen in den Niederlanden sind in ein paar Tagen. Letzte Nacht haben wir festgestellt, dass Geert Wilders bereits an der Macht ist", twitterte Kalın weiter.

Der Vorsitzende der Parlamentarischen Versammlung des Europarates teilte in einem Tweet mit, dass die zunehmende Spannung zwischen der Türkei und den Niederlanden unter den Partnern in Europa große Besorgnis hervorruft, nach dem die Landeerlaubnis des türkischen Aussenministers entzogen worden ist.

Der ehemalige niederländische Aussenminister Ben Bot hatte Medienberichten zufolge am späten Samstagabend erklärt, es sei nicht nachvollziehbar, dass der türkische Aussenminister abgewiesen und seinem Flugzeug die Landeerlaubnis entzogen wurde.

In der arabischen Welt wurde der Eklat mit Besorgnis aufgenommen. Der Reporter des Nachrichtensenders Al Jazeera, Faysal Kasim twitterte, ob es denn einen weiteren "Coup" im Nahen Osten, diesmal gegen die Türkei geben würde. Damit spielte Kasim auf die gewaltsamen Umstürze im Nahen Osten und in der arabischen Welt an.

Der Reporter der "Orient News", Gassan Yasin teilte in einem Artikel am Sonntag mit, dass der Westen noch immer nicht begriffen habe, dass die muslimisch-geprägten Länder, darunter die Türkei, auch nach eigenen politischen Auffassungen agieren und sich selbst regieren wollen. Noch immer herrsche im Westen die Auffassung, Muslime seien der Islamische Staat (DAESH), die es zu zerstören gelte. Der ägyptische Journalist Enver Malik tiwtterte, dass der Westen zwar Erdogan und sein politisches System kritisiere, jedoch das Assad-Regime mit keiner Silbe erwähne. Das offenbare, dass der Westen an sich nur jene muslimische Länder unterstütze, die selbst ihren angestammten Interessen dienen, twitterte Yasin weiter.

Während die Krise zwischen der Türkei und den Niederlanden in der Nacht von Samstag auf Sonntag eskalierte, berichtete die ausländische Presse in Europa sehr zurückhaltend und werteneutral. Europäische Medien berichteten überwiegend ohne Kommentare hierzu. Die CNN International berichtete, dass das Einreise-Verbot der Niederlande für den türkischen Aussenminister von vielen, in diesem Land lebenden Türken, mit Unverständis aufgenommen wurde. CNN International berichtete weiter, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan diesen Vorfall scharf kritisiert und die niederländische Regierung für den Vorfall als "Nazi-Überbleibsel" bezeichnet hat. Die britische BBC berichtete indes, dass nach der Festsetzung der Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya, die Krise zwischen beiden Ländern eskaliert sei. BBC meldete, dass gegen die vor dem Türkischen Generalkonsulat in Rotterdam versammelten Türken, die niederländische Polizei hart durchgegriffen habe. In der Meldung wurden die Worte von Erdogan, "Es sind Überbleibsel der Nazis und Faschisten“ wiedergegeben. Die britische Zeitung "The Independent“ berichtete lediglich über die Situation, mied jedoch darüber ein Kommentar abzugeben.

Die türkischen Medien waren sich über den Vorgang in Rotterdam einig. Zahlreiche türkische Tageszeitungen griffen die Vorfälle in Rotterdam auf und bewerteten die Ereignisse auf ihren Schlagzeilen. Hier die bekanntesten türkischen Tageszeitungen und deren Schlagzeilen:

"Tageszeitung Türkiye"

Nazi-Überbleibsel, Faschisten
Holländische Barberei

"Tageszeitung Sabah"

Wie Wegelagerer haben sie die Straße gesperrt
Das sind Faschisten, Nazi-Überbleibsel

"Tageszeitung Akit"

Das sind Nazi-Überbleibsel, Faschisten
Diese skandalöse Entscheidung wird Konsequenzen haben

"Tageszeitung Habertürk"

Wie willst du [Niederlande] jetzt kommen?

"Tageszeitung Yeni Safak"

Die Angst Europas vor dem 16. April
Die Antwort blieb nicht aus: Räuber

"Tageszeitung Sözcü"

Schamloses Holland
Kilicdaroglu solidarisiert sich mit Erdogan

"Tageszeitung Cumhuriyet"

Holland fördert die Krise

"Tageszeitung Takvim"

Der Glöckner von Ruttedam

"Tageszeitung Vatan"

Eklat! Holland zeigt in Friedenszeit ihr häßliches Gesicht

"Tageszeitung Günes"

Das sind Nazi-Überbleibsel
Türken strömen auf die Straßen

"Tageszeitung Posta"

Das sind Faschisten

"Tageszeitung Hürriyet"

Skandal über Skandal

"Tageszeitung Bir Gün"

Die Mauer von Amsterdam

"Tageszeitung Evrensel"

Jetzt auch mit Holland im Streß

"Tageszeitung Yeni Birlik"

Hässlicher Holländer

"Tageszeitung Karar"

Die Europäische Oppositionspartei

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