S-400 Kauf: Pentagon besorgt über Türkei

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S-400 Kauf: Pentagon besorgt über Türkei

12. September 2017 - 01:48
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Pentagon-Sprecher Johnny Michael zeigte sich am Montag aufgrund des abgeschlossenen S-400 Vertrages zwischen Moskau und Ankara besorgt. Erdogan konterte: "Obwohl wir bezahlen wollen, werden unsere Bedürfnisse nicht gedeckt. Daher werden wir die Entscheidung, was wir einkaufen, auch selber treffen."

S-400 Kauf: Pentagon besorgt über Türkei

Ankara / TP - Der Ton zwischen Ankara und Washington wird wieder rauher. Während das Pentagon nachwievor hofft, dass die Türkei vom Kauf von S-400 Langstrecken-Boden-Luft-Raketen-System aus Moskau abrückt, erklärte Staatspräsident Erdogan am Montag auf der Rückreise aus Kasachstan, dass das Geschäft längst abgeschlossen und die erste Teilzahlung erfolgt ist. 

Rund 2,5 Milliarden US-Dollar investiert die Türkei in das Verteidigungssystem des Landes und erhält dafür zwei Batterien der russischen S-400 sowie den Transfer von Know-How. Mit dem Transfer von Technologien erhält die türkische Rüstungsindustrie auch die Möglichkeit, zwei weitere Batterien selbst zu bauen.

Bis zuletzt hatte die USA den Verkauf von Patriot-Raketen-Systemen an die Türkei kategorisch abgelehnt und nur temporär über NATO-Alliierte das Luft-Boden-Abwehrsystem in der Türkei stationieren lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass die USA der Partei der Demokratischen Union (PYD) in Syrien weitere Waffenlieferungen zugesagt hat. Am Montag meldeten türkische Medien, dass die USA weitere 70 gepanzerte und mit schweren Geschützen ausgestatte Fahrzeuge der PYD ausgeliefert hat. Die Türkei hatte bis zuletzt die USA davor gewarnt, der syrisch-kurdischen Partei, die ein Ableger der Terrororganisation PKK ist, Waffen auszuliefern.

Die Spannungen machten sich auch am Samstag bemerkbar, nach dem Erdogan auf dem Weg nach Astana gegenüber Medienvertretern erklärte: "Der S-400-Deal wurde soweit ich weiß bereits unterzeichnet und die erste Zahlung ist bereits erfolgt. Präsident Putin und ich sind entschlossen, dieses Geschäft abzuwickeln", sagte Erdogan auf dem Weg nach Astana. 

Erdogan erklärte während der Rückreise aus Kasachstan, dass die kritische Haltung der US-Administration zum Erwerb der S-400, das Resultat der Verweigerungshaltung der USA selbst sei. "Obwohl wir bezahlen wollen, werden unsere Bedürfnisse nicht gedeckt. Daher werden wir die Entscheidung, was wir einkaufen, auch selber treffen." Erdogan erklärte weiter, man werde daher auch selbstständig die Sicherheit des Landes gewährleisten müssen. Eine späte Einsicht der USA oder der NATO-Parteien werde den Kauf auch nicht mehr rückgängig machen, die erste Teilzahlung sei bereits geflossen, so Erdogan als Reaktion auf das Pentagon. "Wir treffen unsere eigenen Entscheidungen, auch zur Unabhängigkeit der Verteidigung und wir sind dem Land gegenüber verpflichtet, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, die in Zusammenhang mit der Verteidigung und Sicherheit des Landes stehen. Wenn wir bestimmte oder inkompatible Verteidigungssysteme erwerben, dann nur, weil wir gezwungen sind bestimmten Hindernissen ausweichen müssen, um dies zu erreichen."

Zuvor hatte das US-Pentagon sich besorgt über den Deal gezeigt. "Die Türkei ist ein wichtiger NATO-Verbündeter und wir engagieren uns für unsere starke Verteidigungspartnerschaft", sagte Pentagon-Sprecher Johnny Michael gegenüber dem US-amerikanischen Sender CNBC. Allerdings räumte der Pentagon-Sprecher ein: "Wir haben unsere Bedenken gegenüber der Türkei zum Kauf der S-400 geäussert. Ein inkompatibles NATO-Raketenabwehrsystem bietet selbstverständlich der Türkei auch die Möglichkeit, in der ganzen Bandbreite der Bedrohungen in ihrer Region, sich selbstständig zu verteidigen."

Analysten gehen davon aus, dass die Türkei dazu übergeht, Waffensysteme eigenständig zu bauen und dazu Technologietransfer-Anforderungen stellt. Bislang hatte die USA sich geweigert, dieser Rechnung zu tragen. Als die Türkei dann im Jahre 2015 mit China umfangreiche Gespräche über den Erwerb und Technologietransfer von FD-2000 Luftabwehr-Raketensystemen im Wert von über 3,4 Milliarden US-Dollar führte, nahm der Druck der NATO zu, die Türkei legte die Pläne daraufhin vorerst auf Eis. Seit Ende 2016 intensivierte die Türkei dann die Gespräche mit Russland.

Wie fragil die Beziehungen zwischen Washington und Ankara derzeit sind, zeigt bereits die Zusammenarbeit beim Bau des F-35 Stealth-Kampfflugzeugs. Die Türkei ist Teil eines internationalen Konsortiums, die dabei hilft, das Flugzeug zu bauen, womit auch ein Transfer von Technologien zur fünften Generation des Kampfflugzeugs einhergeht. Im Rahmen des aktuellen F-35-Programms werden etwa 10 türkische Rüstungsunternehmen daran arbeiten, von der Rahmenstruktur bis hin zur Produktion von Fahrwerkskomponenten. Die Türkei soll nach gemeinsamen Plänen rund 100 F-35 Kampfflugzeuge bekommen.

Juli 2017 schlug dann eine Gruppe von US-Senatsmitgliedern vor, den Verkauf von F-35 Kampfflugzeugen an Ankara zu stoppen. Es war eine Reaktion auf den Vorfall vom 17. Mai, bei der während des USA-Besuchs von Staatspräsident Erdogan in Washington, vor der türkischen Botschaft zwischen türkischen Sicherheitskräften des Präsidenten und gewalttätigen Demonstranten zu einer Schlägerei kam. Seither sind die Spannungen auch in diesem Zusammenhang zu betrachten.

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