Fall Khashoggi: Untersuchung steht aus, Verdacht erhärtet sich

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Fall Khashoggi: Untersuchung steht aus, Verdacht erhärtet sich

12. Oktober 2018 - 22:57
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Brisante Informationen sollen türkische Behörden US-Beamten zugespielt haben, die beweisen sollen, dass der saudische Journalist Jamal Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul getötet wurde. Saudische Regierung hat zwar im Vorfeld angekündigt, das Generalkonsulat von türkischen Ermittlern durchsuchen zu lassen, doch bislang steht eine offizielle Bekundung aus. Unterdessen verstärkt der türkische Präsident den Druck auf Saudi-Arabien. In einer Rede am Donnerstag spottete Erdogan über die saudische Erklärung, dass die Videoüberwachungsanlage im Konsulat zu der Zeit ausgefallen sei.

Fall Khashoggi: Untersuchung steht aus, Verdacht erhärtet sich

Istanbul /TABP - Brisante Informationen sollen türkische Behörden US-Beamten zugespielt haben, die beweisen sollen, dass der saudische Journalist Jamal Khashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul getötet wurde. Die saudische Regierung hat zwar im Vorfeld angekündigt, das Generalkonsulat von türkischen Ermittlern durchsuchen zu lassen, doch bislang steht eine offizielle Bekundung aus. Unterdessen verstärkt der türkische Präsident den Druck auf Saudi-Arabien. In einer Rede am Donnerstag spottete Erdogan über die saudische Erklärung, dass die Videoüberwachungsanlage im Konsulat zu der Zeit ausgefallen sei.

Bereits seit Tagen kursieren in Istanbul Gerüchte, wonach der verschwundene saudische Journalist Jamal Khashoggi von mehreren Männern eines extra deswegen in die Türkei gereisten Militärkommandos bei seinem Besuch im saudischen Generalkonsulat in der Bosporus-Metropole Istanbul abgepasst und dann entführt oder getötet wurde.

War bisher die Existenz dieses saudischen Geheimdienst- oder Militärkommandos zum Zeitpunkt von Khashoggis Verschwinden schlicht und einfach nicht zu leugnen, gibt es jetzt auch für das, was bisher nur Gerüchte waren, wohl auch entsprechende Beweise.

Türkischen Behörden wurden türkischen Medienmeldungen zufolge von unbekannter Seite Fotos und offensichtlich mit einem Mobiltelefon gedrehtes Ton- bzw. Video-Material von den mutmaßlich schrecklichen Geschehnissen im saudischen Generalkonsulat zugespielt. Darauf soll wohl ziehmlich eindeutig und ungeschminkt zu sehen sein, wie Khashoggi nach seinem Eintreffen im Konsulat abgepasst, gefoltert und schließlich zu Tode kommt. Ob es sich dabei um einen geplanten Mord handelt oder der Journalist in Folge der erlittenen Folter verstarb, ist wohl dabei eher eine juristische Frage. 

Laut türkischen Medien zufolge erklärten türkische Ermittler die unerkannt bleiben wollten, dass die Sprachaufnahme vom Generalkonsulat darlegt, was mit Khashoggi passiert ist, nachdem er eingetreten ist. Demnach könne man seine Stimme und die Stimmen von Männern hören, die Arabisch sprechen, heißt es und weiter: "Sie können hören, wie er verhört, gefoltert und dann ermordet wurde."

Anschließend soll die Leiche durch ein aus Saudi-Arabien herbeigeeiltes Kommando aus Militärkreisen in mehrere Einzelteile zerlegt und dann in größeren Behältnissen via Fahrzeug weggeschafft worden sein. Die türkischen Tageszeitungen Milliyet und Sözcü berichteten in ihrer heutigen Ausgabe, dass Khashoggis Smartwatch eine Auseinandersetzung im Konsulat aufgezeichnet und an sein Handy ausserhalb des Gebäudes gesendet habe. Khashoggi hatte vor dem Betreten des Generalkonsulats am 2. Oktober der türkischen Verlobten für den Fall das etwas passiert, das Handy überlassen.

Khashoggi hielt sich in der Türkei auf, um dort seine Verlobte zu heiraten. Dafür notwendige amtliche Dokumente seines Heimatlands hatte Jamal Khashoggi bereits zuvor beantragt. Am Tag seines Verschwindens war er in das Generalkonsulat bestellt worden, um diese Dokumente abzuholen. Es war den Saudis also hinlänglich bekannt, wann Khashoggi das Konsulat aufsuchen würde.

Die seitens der Saudis verbal genehmigte Durchsuchung des Generalkonsulats verzögert sich weiterhin. Es gibt zwischen beiden Ländern noch erheblich unterschiedliche Auffassungen über den Vorgang einer solchen Durchsuchung. Während die Saudis bisher nur eine visuelle Inaugenscheinnahme gestatten, wollen türkische Sicherheitsbehörden jedoch gründlicher vorgehen und beispielsweise mit chemischen Mitteln nach Resten von Blut- und Körperflüssigkeiten suchen und Leichenspürhunde einsetzen, die gegebenfalls auch Standorte anzeigen und erschnüffeln können, an denen sich Tage zuvor ein Leichnam befand.

Der türkische Staatspräsident Erdogan hat am Donnerstag den Druck auf die saudische Regierung erhöht. Nach seiner Rückkehr aus Ungarn teilte Erdogan in einer Rede in Ankara mit, dass die Saudis angegeben hätten, während des Aufenthalts von Khashoggi sei die Videoüberwachungsanlage im Generalkonsulat ausgefallen. Erdogan bemerkte hierzu, dass das Generalkonsulat sicherlich mit modernsten Anlagen ausgestattet sei, deren Ausfall wohl kaum in Frage komme. Es sei haarsträubend, wie man sich hier herausreden wolle, so Erdogan und weiter: "Nun, jeder fliegende Vogel, jede Mücke wird registriert, eben durch solche modernen Systeme die die Saudis mit Sicherheit haben."

Unterdessen sind aus Saudi-Arabien Ermittler eingetroffen, die mit türkischen Kollegen ein Team bilden und das Generalkonsulat gemeinsam begehen sollen. In welchen Umfang die Begehung gestattet oder ob den türkischen Ermittlern umfangreiche Befugnisse erteilt werden, um ihre Untersuchung vollumgänglich vorzunehmen, dass ist bis zur Stunde nicht bekannt. Am Donnerstag hatte die saudische Regierung angekündigt, mit der Türkei kooperieren und hierzu ein Team von Polizeiermittlern nach Istanbul zu entsenden. Laut der türkischen Zeitung Sabah soll das arabische Team in Istanbul eingetroffen sein.

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