EU-Beitritt der Türkei - Mehrheit dagegen

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EU-Beitritt der Türkei - Mehrheit dagegen

13. Oktober 2017 - 00:44
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Dem Ergebnis einer Umfrage zufolge, ist in der Türkei die Zustimmung zu einem Beitritt des Landes zur EU deutlich zurück gegangen. Dagegen blicken die Türken optimistisch in die Zukunft.

EU-Beitritt der Türkei - Mehrheit dagegen

Istanbul / TP - Die Türken blicken optimistischer in die Zukunft als die meisten anderen Europäer. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens ORC hervor. Die ORC hatte in der Türkei über gegenwärtige aktuelle Vorgänge rund 2.900 Personen befragt.

Die Mehrheit (63,2 Prozent) der Befragten schätzt demnach die Zukunft in der Türkei in den nächsten zwölf Monaten als gut oder sehr gut ein. Eine so positive Einschätzung herrscht derzeit in keinem anderen europäischen Land. Lediglich 32,5 Prozent sahen keine guten Zukunfstperspektiven und 4,3 Prozent enthielten sich. Nach einer Erhebung der Bertelsmann-Stiftung Anfang September sind 59 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass die Zukunft im Land sich besser entwickeln wird. Vor einigen Monaten sah die Situation in Deutschland nicht so gut aus, lediglich jeder Dritte sah die Entwicklung des Heimatlands positiv.

Die ORC wollte auch eine Einschätzung darüber, wie sie zu Auslandseinsätzen des türkischen Militärs stehen. Der Umfrage zufolge unterstützen 65,1 Prozent der Befragten den Einsatz von türkischen Soldaten in Syrien oder Nordirak. 27 Prozent der Befragten sollen sich gegen den Auslandseinsatz ausgesprochen haben.

Ein weiteres Thema, dass die Türkei derzeit beschäftigt ist der Kampf gegen Terrorismus und in diesem Zusammenhang die Gefahrenabwehr. 74 Prozent der Befragten halten es demnach für richtig, Operationen gegen die FETÖ (Fethullahistische Terrororganisation), PKK sowie die Terrormiliz IS durchzuführen. 21,6 Prozent der befragten Personen gaben an, den Kampf nicht zu unterstützen. 

Nach dem Volksreferendum zum Präsidialsystem im April dieses Jahres ist das Interesse daran merklich zurückgegangen. Die Gegner der präsidialen Regierungsform hatten bis zum Volksreferendum vor einer Gefahr für die Laizität und Rechtstaatlichkeit des Staates gewarnt. Laut Umfrage der ORC hat sich der Anteil der Gegner um rund ein Drittel verringert. 29,5 Prozent halten nachwievor die Laizität für gefährdet, während 65 Prozent angaben, dass sie nicht in Gefahr ist.

In der Beliebtheitsskale türkischer Politiker führt Recep Tayyip Erdogan mit 55,3 Prozent die Spitze an, gefolgt von Binali Yildirim mit 48,4 Prozent. Der Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu kann immer noch 35,7 Prozent der Befragten für sich gewinnen, gefolgt von Devlet Bahceli mit 32,9 und dicht dahinter der Rivalin Meral Aksener mit 21 Prozent. Die Stimmen, die einen Politiker nicht mögen führt Meral Aksener mit rund 61 Prozent an, gefolgt von Kemal Kilicdaroglu (58 Prozent), Devlet Bahceli (57,5 Prozent), Binali Yildirim (42,5 Prozent) und Erdogan mit 39 Prozent.

Auf die Frage, welche Partei sie am Sonntag wählen würden, gaben 47,4 Prozent der Befragten ihre Stimme der amtierenden Regierungspartei AKP, 26,3 Prozent der Oppositionspartei CHP, weit abgeschlagen mit 10,7 Prozent die MHP, gefolgt von der HDP mit 7,3 Prozent und der neuen Partei von Meral Aksener mit 6,2 Prozent.

Das Hauptaugenmerk der Befragung richtete sich aber auf die Aussicht auf den EU-Beitritt. Der Traum vom EU-Beitritt scheint demnach an Reiz verloren zu haben, denn nur noch 22,7 Prozent der befragten Türken gaben an, den EU-Beitritt mit Interesse zu verfolgen während 77,3 Prozent einer EU-Mitgliedschaft nichts beimessen wollen und daher angaben, ihr gleichgültig gegenüber zu stehen.

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