Streit bei Beerdigung um Kranz der CHP und eine Anzeige

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Streit bei Beerdigung um Kranz der CHP und eine Anzeige

14. September 2017 - 20:04
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Überreaktion, Schnellschuß oder politisch motivierter Schlagabtausch zwischen der Oppositionspartei CHP und amtierenden Regierungspartner AKP in Zusammenhang mit einer Beerdigungszeremonie eines Korporals in Samsun?

Streit bei Beerdigung um Kranz der CHP und eine Anzeige

Samsun / TP - Am vergangenem Dienstag verweigerten Angehörige des im syrischen al-Bab bei einem Einsatz getöteten Korporals der türkischen Streitkräfte, die Annahme eines Kranzes während der Beerdigungszeremonie. Die Angehörigen und Verwandten zeigten sich erboßt darüber, dass die Partei des Oppositionsführers Kemal Kilicdaroglu (CHP), dem Korporal diese Ehre erweisen wollte.

Grund ist die derzeitige politische Haltung des CHP-Vorsitzenden Kilicdaroglu gegenüber der pronationalistisch-kurdischen Partei HDP sowie die Debatte über die Anschaffung des russischen Flugabwehrraketensystems S-400. Der Oppositionschef der Republikanischen Volkspartei hatte sich solidarisch mit der pronationalistisch-kurdischen Partei HDP gezeigt, deren Co-Vorsitzenden seit Ende des Jahres in Untersuchungshaft sitzen. Ausserdem hatte Kemal Kilicdaroglu den jüngsten Waffendeal als unnötig bezeichnet und darüber hinaus den Einsatz von bewaffneten Drohnen im Kampf gegen die Terrororganisation PKK infrage gestellt und kritisiert. 

Die Kritik an dieser Haltung ließ nicht lange auf sich warten. Die Oppositionspartei MHP warf Kilicdaroglu vor, die Partei durch einen Schmußekurs gegenüber der HDP und der PKK völlig aus der Bahn zu werfen und die amtierende Regierungspartei AKP verurteilte die plötzliche ideologische Verwandlung von Kilicdaroglu vom Saulus zum Paulus. 

Die CHP bekam jedoch die eigentliche Kritik hautnah während einer Beerdigungsfeier des in Syrien gefallenen Korporals Ramazan Taşkın zu spüren. Die bislang obligatorisch von allein Parteien - bis auf die HDP - gestifteten Kränze sollten auch bei dieser Beerdigung in Samsun nicht fehlen. Doch als der Kranz der CHP herangetragen wurde, erregte es nicht nur die Gemüter der Angehörigen und Verwandten, sondern auch die der anwesenden Trauergäste, so dass der Kranz im hohen Bogen über den Zaun der Moschee geworfen wurde, in der die Zeremonie abgehalten werden sollte. Die Angehörigen und Verwandten wollten aufgrund der derzeitigen Äusserungen des Oppositionsführers Kilicdaroglu, keinen Kranz von der CHP haben, was sie auch lautstark mitteilten.

Nur einen Tag später kursierte im Internet ein Bild einer Strafanzeige gegen Unbekannt. In dem Bild von der Anzeige zu erkennen: der Oppositionsführer der CHP als Anzeigenerstatter, sein Rechtsvertreter sowie der Grund der Anzeige. Es richtete sich gegen die Teilnehmer der Beerdigung, die dafür verantwortlich sein, dass der Kranz nicht gewürdigt und über den Zaun geworfen sowie beschädigt wurde, so der Vorwurf.

Noch am gestrigen Abend erregte die Strafanzeige in den türkischen Medien ein derart großes Interesse, dass der Sprecher der Republikanischen Volkspartei am Donnerstag, auch wegen dem ausserordentlichen Shitstorm in sozialen Netzwerken, sich gezwungen sah, bekannt zu geben, dass die Anzeige zurückgezogen worden sei. Man habe, so der Sprecher, die falschen Rückschlüsse gezogen, was aber nicht bedeute, dass die AKP daraus jetzt nicht einen politischen Skandal wittere und dies missbrauche. Bereits in der Nacht stand jedoch aussser Frage, dass der Kranz von Familienmitgliedern, also vom unmittelbaren Umfeld des Korporals, über den Zaun geworfen wurde und nicht wie die CHP zuvor behauptete, von Provokateuren, also von Anhängern der AKP. 

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