Was ist eine osmanische Ohrfeige?

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Was ist eine osmanische Ohrfeige?

15. Februar 2018 - 18:57
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Auf eine Nachfrage von Journalisten während einer Pressesitzung, wie die Türkei reagieren würde, sofern die USA die Terrororganisation YPG / PKK gegen die Türken weiterhin unterstützen würde, antwortete der türkische Staatspräsident Erdogan metaphorisch und deutete an, dass man sich wehren werde.

Was ist eine osmanische Ohrfeige? Hier eine Anleitung!

Kommentar DTA - Auf eine Nachfrage von Journalisten während einer Pressesitzung, wie die Türkei reagieren würde, sofern die USA die Terrororganisation YPG / PKK gegen die Türken weiterhin unterstützen würde, antwortete der türkische Staatspräsident Erdogan metaphorisch und deutete an, dass man sich wehren werde.

Er sagte wörtlich, dass „Die“ noch nicht die osmanische Ohrfeige kennengelernt hätten.

In der Springerpresse etc. hat man natürlich den ganzen Zusammenhang, die Ursprungsfrage etc. vollkommen ausgeblendet und in gewohnter Manier a‘la „Türken drohen USA mit osmanische Ohrfeige etc.“ ihre Titelblätter und Social-Media Beiträge geschmückt.

Doch was ist überhaupt eine osmanische Ohrfeige und wie wird es konkret angewendet?

Die "Osmanische Ohrfeige" oder auf türkisch "Osmanlı tokadı", ist weder eine fernöstliche Kampfkunst noch ein anderes Wort für einen Gossen- oder Straßenkampf. Es ist eine Form der unbewaffneten Verteidigung gegen einen Gegner oder Feind, deren Ursprung man in der osmanischen Armee findet.

Hatten die Soldaten der osmanischen Sultane während einer Verteidigung oder Angriffs keine Waffen mehr zur Verfügung, benutzten sie ihre Hände, links wie rechts, weshalb es an Popularität unter Links- wie Rechtshändern gewann. Dabei wurden die Ärmel hochgekrempelt um die Gelenkbewegung des Oberarm und Unterarm nicht zu beeinträchtigen. Ein weites ausholen und ein Treffer mit der flachen Hand mitten auf der Wange des Gegners erzeugte einen lauten Klatsch, der unter den Feinden nicht nur für Verwirrung sorgte, sondern den Getroffenen meistens von den Beinen holte. 

Dabei muss man Wissen, dass in der osmanischen Kultur ein Faustschlag verpönt war. Weder in Friedens- noch in Kriegszeiten versetzte man einem Gegner einen Faustschlag, vielmehr gab man mit der flachen Hand eine Klatsche. Damit wurde vermieden, dass der Gegner irreparable sichtbare Schäden davon trägt. Die Klatsche bzw. Ohrfeige sollte den Gegner lediglich einschüchtern und zur Räson bringen, keineswegs für eine lange Zeit oder für immer entstellen, so dass der Gegner nach kurzer Zeit sein Gesicht in der Öffentlichkeit wahren konnte.

Die Osmanische Ohrfeige fand also im laufe der Zeit in der Osmanischen Armee gefallen, auch weil man dem Feind damit eine Lektion erteilte, jedoch dieser sein Gesicht wahren konnte. Die Osmanische Ohrfeige hatte bei Feinden eine nicht zu unterschätzende psychologische Wirkung, weshalb es mit der Zeit weiter entwickelt und verfeinert wurde. So feuchtete man die Innenfläche der Hand, um mehr Schmerzen zu verursachen, in dem man z.B. in die Hand spuckte und verrieb. In ihrer Hochphase übten osmanische Soldaten an Marmorsteinen die Kunst der osmanischen Ohrfeige. Bei entsprechender Übung entwickelte sich die Hand zu einer erstaunlichen Größe und Härte. Die besten unter ihnen wurden unter anderem "Başıbozuklar" genannt, sinngemäß übersetzt "Führerlos“, weil sie auf niemanden hörten, ausser auf den Sultan. 

Man kann es auch mit einer japanischen Tee-Zeremonie vergleichen. Es gibt Voraussetzungen, eine Vorbereitung und eine Abfolge der Ohrfeige, damit es eine osmanische Ohrfeige wird. Nicht jeder beherrscht die Kunst der osmanischen Ohrfeige, aber jeder der sie noch nie erlebt hat, stellte danach mit Erstaunen fest, wie wirkungsvoll diese Maßregelung ist.

Die Anleitung im Bild verdeutlicht die Schritte zu einer Osmanischen Ohrfeige.

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