Serap Güler sieht überall "Erdogan-Trolls"

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Serap Güler sieht überall "Erdogan-Trolls"

16. April 2018 - 02:05
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Serap Güler will auf sozialen Netzwerken zivilisierten und kultivierten Meinungsaustausch etablieren. Das ist der erste grundlegende Fehler. Der zweite Fehler ist, in sozialen Netzwerken zu polarisieren, zu kategorisieren. Der dritte Fehler ist, zuerst einmal rigoros alles was Türkisch klingt und eine Meinung haben könnte, zu blockieren und ihnen ein Maulkorb zu verpassen. Viele bleiben dann nicht übrig, um eine Meinung auszutauschen oder Debatten zu führen, außer jenen die eine gleichgeschaltete Meinung haben.

Serap Güler sieht überall "Erdogan-Trolls"

Kommentar - Narzisstische Persönlichkeiten haben es so an sich, bewundert zu werden, kritikunfähig, von sich selbst überzeugt und machtstrebend zu sein. Dieser nazisstische Persönlichkeitstyp ist ein von sich selbst überzeugtes Arschloch, sagen Kenner der Psyche. Ein markantes Merkmal von Narzissmus ist die Unfähigkeit, zwischen Kritik an der Sache und Kritik an der Person selbst zu unterscheiden. So ein Prachtexemplar qualifiziert sich seit geraumer Zeit für den Befund "fortgeschrittener Narzissmus": Serap Güler, CDU-Politikerin und Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration im Kabinett von Armin Laschet in NRW.

Güler ist in sozialen Netzwerken auf der Suche nach zivilisiertem und kultiviertem Meinungsaustausch, wobei das mitunter darin endet, dass sie selbst ziemlich schnell und unkontrolliert aus der Hüfte schießt, dabei verallgemeinert und polarisiert. Wenn das dann einem nicht passt, wird der Rotstift angesetzt, und zwar so schnell, dass man das nicht einmal bemerkt, dass einem der Maulkorb verpasst wurde.

So ein Rotstift-Kandidat war einer Meiner. Aufgrund einer Bemerkung von mir zu einem Twitter-Beitrag von ihr gelte ich ab sofort als Persona non grata. Und überraschenderweise bin ich nicht der erste, wie ich schnell herausfand, nach dem mich andere Follower und Freundeslisten in sozialen Netzwerken darauf aufmerksam gemacht haben. Man muss auf dem Kurznachrichtendienst Twitter nicht einmal Güler folgen, um zur Persona non grata erklärt zu werden, habe ich mir sagen lassen. Es reicht wohl allein schon der türkische Name oder wo man die Person verortet und schon ist man ruckzuck blockiert. Und das schon seit Jahren. 

Vermutlich hat sie nur noch Follower und "Freunde" in sozialen Netzwerken, die ihr unkritisch gegenüberstehen, die Kritik nicht austeilen oder ihr politisch nicht in die Quere kommen. Das nennt man eigentlich "im eigenen Saft schmoren". Dabei setzte Güler doch den fehlenden Austausch zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund selbst auf die Agenda. Derzeit sieht es aber vielmehr danach aus, dass die junge Politikerin polarisierend durchs Netz stolziert und sich in selbstherrlichen Darstellungen in sozialen Netzwerken präsentiert, die für die eine oder andere Kritik an ihr hergehalten wird, seitdem sie kurzerhand den Kopftuch-Verbot für unter 14- jährige Mädchen zur politischen Agenda erklärt hat. 

Die Kritiken an ihrer Haltung zu diesem oder anderen Themen sind zum Teil sehr wohl berechtigt, wobei ich sie in einem Punkt in Schutz nehmen muss. Einige von ihr geteilten privaten Bilder mit der Kopf-betuchten Mutter als Vorwand für die Debatte über Kopftuch-Mädchen herzuhalten, zeugt nicht von berechtigter Kritik an ihrer Politik, sondern vielmehr von unsachlichen persönlichen Schmähungen. Überdies erschließt sich mir auch nicht der Zusammenhang zwischen einer, sagen wir einmal 12-jährigen mit Kopftuch und einer Mutter mit geschätzt über 50 Jahren, um die von Güler losgetretene Kopftuch-Debatte über Mädchen zu kritisieren. Das muss nicht sein, dass ist kontraproduktiv und nicht zielführend.

Wobei ich mich schon Frage, was die CDU-Politikerin in der Türkei bei Raki und Fisch geritten haben könnte, ihre Urlaubsbilder aus der Türkei zu teilen und hier gleichzeitig von Zwängen und Unfreiheiten in der Türkei zu sprechen. Deutsche wie Güler reisen wohl doch gerne und ohne schlechtes Gewissen in "autoritäre Staaten". Besonders gerne geht es in die Türkei, wo es wie selbstverständlich weder Zivilgesellschaft, freie Presse noch unabhängige Justiz gibt. Warum also fahren Deutsche wie Güler aus moralischen Gründen ausgerechnet in ein Land, in dem Menschen angeblich die elementarsten Rechte vorenthalten werden? Warum macht die Moral ausgerechnet im Urlaub Urlaub? 

Jedenfalls, weder wurde sie gezwungen, ihre Lebensweise bei der Einreise in die Türkei am Pass-Schalter abzulegen, noch daran gehindert, in die Türkei einzureisen und dort den härtesten Stoff in aller Öffentlichkeit den Rachen hinunter gleiten zu lassen. Sie nutzte stattdessen die Zeit um bei Raki und Fisch bewundert zu werden. Die selbstherrliche Darstellung in sozialen Netzwerken grassiert in unserer Gesellschaft wie eine Epidemie, dass muss man auch noch betonen, um zu verstehen, weshalb in sozialen Netzwerken ein zivilisierter und kultivierter Meinungsaustausch nicht immer funktionieren kann, wenn man auf Narzissten jeglicher Couleur trifft.

Kommen wir aber zum Eingangs beschrieben Umgang mit Diskutanten. Güler bot jüngst noch Migranten an, an der Gesellschaft teilzuhaben und die Angebote zu nutzen, um der eigenen Verantwortung im Land gerecht zu werden, um voranzukommen, was niemand ihnen abnehmen könne. Nun, sie macht es einem schwer, in dem sie kategorisch den Rotstift ansetzt und jede Teilhabe im Keim erstickt. Erstaunlicherweise werden dabei alle möglichen Kritiker mit türkischen Namen als "Erdogan-Trolls" disqualifiziert und polarisiert, wobei die Kausalität stets auf der Strecke bleibt. Ähnlich argumentieren ja auch AfD-, Grünen- oder Linken-Politiker, wenn sie mit berechtigter und sachlicher Kritik an ihnen nicht umgehen können. Inzwischen muss man nur "Erdogan" rufen und schon beginnt die hysterische Kampagne "Such den Erdogan".

Verallgemeinerungen und Generalisierungen führen dazu, dass inzwischen die ganze türkische Gemeinschaft in Deutschland negativ beurteilt wird. Kritik muss sachlich vorgetragen, aber auch angenommen werden. Wenn sachliche Kritik nicht ankommt, weil man aus der Diskussion ausgeschlossen wird, bleiben mehr offene Fragen als Antworten und die sind mitunter mit Schmähungen verbunden, vor allem dann, wenn eigene Aussagen stark polarisieren sollen. So wie man in den Wald ruft,... den Rest kennt man ja. Zwar ist es ja berechtigt, wenn man die Religion nicht mit Samthandschuhen anfasst, aber gleiches gilt auch für Politiker und deren Politik.  Im Grunde gilt auch für sie: wer austeilt, muss auch einstecken können. Sie sind keine Götter und dennoch tun sie sich generell schwer mit dem Grundgesetz, wenn es um Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit oder Selbstbestimmung geht.

Schlussendlich sei gesagt: Wer kritikunfähig ist, wertet entweder jede Form des Feedbacks als Angriff gegen seine Person, oder hält den anderen schlicht für dumm oder verortet ihn außerhalb der Gemeinschaft, Stichwort "Such den Erdogan". Das sind alles Manifestationen der Kritikunfähigkeit und diese kommen letztlich aus einem mangelnden Selbstbewusstsein. Das gilt im übrigem auch für die türkische Community, bei der ich oftmals erlebe, dass die sachliche Kritik persönlich genommen wird und droht verbal zu entgleisen. Jedoch, das soziale Netzwerk ist auch kein fruchtbarer Ort, wo es ruhig und besonnen zugeht, um auf einen Nenner zu kommen. Es wäre viel leichter ein Atom zu spalten, als die Meinung eines anderen im sozialen Netz grundlegend zu ändern.

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