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Erdogan warnt vor Krieg der Religionen in Mossul

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Erdogan warnt vor Krieg der Religionen in Mossul

17. Oktober 2016 - 12:43
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Der türkische Staatspräsident Erdogan warnt den IRAK und die USA zur Offensive in Mossul: "Wir werden einen Religionskrieg zu verhindern Wissen"

Erdogan warnt vor Krieg der Religionen in Mossul

Ankara / TP - In der Großen Moschee in Mossul ließ sich der selbsternannte Kalif und Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Bakr al-Bagdadi, das erste mal öffentlich blicken und in der selben zweitgrößten Stadt des Iraks rief al-Bagdadi auch den Islamischen Emirat in Irak aus. Das war Mitte Juni 2014. Die IS-Miliz konnte am 10. Juni 2014 die Stadt mit fast noch 2 Millionen verharrenden Einwohnern ohne nennenswerten Widerstand kampflos einnehmen, nach dem die von den USA hochgerüstete irakische Armee vor wenigen Tausend IS-Milizen kollabierte und unmengen an Waffen und Material zurück ließ.

Seit damals startete die irakische Armee nur eine einzige weitere Großoffensive mit Unterstützung verbündeter Milizen, kurdischen Peschmergas und unterstützt durch US-Luftschlägen am 24. März 2016, aber sie blieb nach nur wenigen Tagen an den Aussengrenzen der Provinz Mossul hängen. 

Nun hat in der Nacht vom Sonntag auf Montag eine neue Offensive begonnen, bei der über 25.000 Kämpfer herangezogen werden, um Mossul von der IS zu befreien. 4.000 IS-Kämpfer werden in der jetzt 1,5 Millionen-Stadt vermutet. Von den 25.000 Kämpfern auf Seiten der Befreier sind gut 2.500 von türkischen Militärs ausgebildete Peschmergas, die einem loyalen Anführer und ehemaligen Provinzgouverneur von Mossul unterstehen. Sie sollen der Garant dafür sein, dass die Offensive in Mossul nicht in einem Glaubenskrieg mündet.

Die Türkei setzt daher nicht ohne Grund auf den Militärstützpunkt in Baschika, die nordöstlich von Mossul liegt und bis zu 800 türkische Soldaten sowie 20 Panzer beherbergt. Trotz der massiven Einschüchterungsversuche in der jüngsten Zeit, darunter Fatwas gegen türkische Einheiten auf irakischem Boden und Aufforderungen seitens der irakischen Regierung an die Türkei, die unter schiitischem Vorzeichen stehen, ließ sich der türkische Staatspräsident Erdogan bislang nicht davon beirren und denkt auch nicht daran, den Stützpunkt aufzugeben und die türkischen Militärs abzuziehen. Entgegen der Erwartung erklärte Erdogan gegenüber dem Premier des Iraks Haider al-Abadi harsch, man werde sich von einem zweitrangigen Mann nicht einreden lassen, was die Türkei zu tun habe.

Und auch nach dem Beginn der Offensive, die jetzt an den Anhöhen vor Mossul vorerst stehen geblieben ist, warnt Erdogan die Beteiligten der Offensive vor einem Religionskrieg zwischen Schiiten und Sunniten. Erdogan warnte am späten Sonntagabend erneut, dass man dies zu verhindern wisse. Auch der türkische Ministerpräsident Binali machte deutlich, dass die Türkei in diesem Fall einen Plan B, ja sogar Plan C parat habe, um so einen Konflikt im Keim zu ersticken. Die Warnung geht nicht nur an die irakische Regierung, die auch schittische Milizen gegen Mossul aufgestellt hat, sondern auch an den Iran und die USA.

Bislang, so sehen es zumindest Beobachter, nimmt die irakische Regierung die Drohung seitens der Türkei ernst und hat selbstverlautend die schiitischen Milizen nur zu Sicherheitaufgaben rund um die belagerte Stadt Mossul eingesetzt. Kurdische Peschmergas die von türkischen Militärs ausgebildet wurden, stehen im Norden der Stadt, während lokale verbündete Milizen die Stadt selbst einnehmen sollen. Die hochbrisante Konstellation könnte auch in Mossul zu unerwarteten Reaktionen innerhalb der mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung führen, wenn schittische Milizen und Einheiten unkontrolliert einmarschieren, befürchten Experten in der Türkei und warnen vor unabsehbaren Folgen. 

In türkischen Medien wird von bereitstehenden schittischen Milizen berichtet, die unverhohlen als Märtyrer in Namen des Imam Hussein (einem Enkel des Propheten Muhammed, den Schiiten besonders verehren) Rache an den Sunniten ausüben wollen. Darunter ein irakischer Kämpfer und Kommandeur der Regierungsmiliz Haschdi Schaabi, der auf eine Fatwa eines schiitischen Großayatollahs im Irak in einem Video darauf reagiert hat, der zuvor unter anderem alle türkische Militärs auf irakischem Boden als "Vogelfrei" erklärte. 

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