Haben die Austro-Türken Erdogan zum Sieg verholfen?

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Haben die Austro-Türken Erdogan zum Sieg verholfen?

18. April 2017 - 09:14
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Nein. Das Ergebnis aus Österreich war klar, aber nicht entscheidend. Das gilt übrigens für alle Auslandsstimmen weltweit. Sie waren auch nicht entscheidend.

Yeni Haraket - Haben die Austro-Türken Erdogan zum Sieg verholfen?

Kommentar Rusen Timur Aksak / TP - Zunächst muss man sagen, dass nicht DIE Austro-Türken abgestimmt haben, sondern nur jene mit türkischer Staatsbürgerschaft und dann auch nur jene, die dann tatsächlich hingegangen sind. Das sind im Fall Österreichs knapp 50.000 Leute gewesen.

Wenn man also das starke Ergebnis für die “Ja”-Kampagne in Österreich her nimmt, kann man damit nur Rückschlüsse auf diese klar umrissene Wählergruppe bekommen.

Ich werde dennoch ab jetzt von “den Austro-Türken” schreiben, um die Stimmung und den Grad der Reflektion der Polemiker aufzufangen. Haben also die bösen Austro-Türken Erdogan zum Super-Präsi gemacht?

Nein. Das Ergebnis aus Österreich war klar, aber nicht entscheidend.
Das gilt übrigens für alle Auslandsstimmen weltweit. Sie waren auch nicht entscheidend.

Einfaches Rechenbeispiel:

Das vorläufige Endergebnis in der Türkei gibt uns folgende Zahlen zum Durchspielen.

Die Differenz zw. “JA” und “NEIN” beträgt 1.379.934 Stimmen.
Die Auslandsstimmen betragen in Summe 1.406.573 Stimmen.
Davon sind allerdings 831.043 Stimmen für “JA” und 575.288 “NEIN” Stimmen darunter.
Das heißt die Differenz, der Bonus für das “JA” Lager beträgt 255.755.

Also selbst ohne die Auslandsstimmen wäre das “JA”-Lager immer noch mit ca. 1 Mio. Stimmen voraus. Es erübrigt sich natürlich an dieser Stelle die Stimmen aus Österreich in die Waagschale zu werfen, denn sie würden in diesen Größenordnungen verpuffen. Die Auslandsstimmen, die gerade in Europa sehr kritisch gesehen werden, haben zwar ein Gewicht, aber das ist eher ergebniskosmetischer Natur.

Kommen wir nun zum Teil, der mir persönlich teuflische Freude bereiten wird.

Wenn also die Auslands-Türken Erdogan nicht zum Super-Präsi gemacht haben, wer denn dann? Tja, die Antwort darauf wird insbesondere die Öcalan und PKK-Fanboys und -girls wild machen, aber die Zahlen lügen nicht.

1.226.000 Stimmen hat die “JA” Kampagne nur aus den Gebieten mit kurdischer Bevölkerungsmehrheit bekommen. Erinnern wir uns an den Abstand zw. “JA” und “NEIN”-Lagern, der 1.379.934 beträgt. Et voila.

Denn auch wenn im Südosten des Landes die Mehrheit mit “NEIN” gestimmt hat, war das Ergebnis der “JA”-Kampagne, das man mit den Ergebnissen der AKP in der letzten Parlamentswahl quer lesen kann (weil im Südosten quasi nur HDP gegen AKP antritt), außerordentlich gut.

So gut, dass man die teils dramatischen Ergebnisse in den westlichen Metropolen doch auffangen konnte. Diese Einschätzungen und Gedankenspiele werden in der Türkei gerade durchdekliniert. Ob etwas davon auch zu uns überschwappt, wage ich zu bezweifeln. But we’ll see.

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Es ist 1 Kommentar vorhanden

Bild von Aslan

 

 

 

Vielen Dank für die dargelegten Zahlen und den Kontext.

Ich bin persönlich sehr froh, dass ich meinen geringen Anteil an diesem historischen Volksentscheid zur türkischen Verfassungsreform und überhaupt haben durfte und auch sehr dankbar, dass die derzeitige türkische Regierung dies ihren Staatsbürgern ermöglicht hat.

Auch bin ich froh mit dem Ausgang des Referendums, wenngleich ich mir ein deutlicheres Ergebnis gewünscht hätte.

Die unverschämten Töne aus der Politik und Gesellschaft in Deutschland und EU waren zu erwarten und sind nichts weiter als dummdreiste von Neid und Missgunst getriebene Hetze der üblichen anti-türkischen Netzwerke und Aktivisten, deshalb und sowieso meines Erachtens als feindselig und wertlos zu registrieren.

Ich denke übrigens, dass es ein großer Denkfehler ist, wenn manch eine/r meint sich für die Ausübung urdemokratischer Rechte rechtfertigen zu müssen.

Auch wenn man Verständnis für den Neid der Deutschen haben kann, weil sie aufgrund ihrer Nazigeschichte keinerlei Volksentscheide gestattet bekommen und ohnehin nur der allierten Schirmherrschaft demokratische Verhältnisse und auch den Wohlstand zu verdanken haben (mittlerweile auch die DDR-Zuwächse), muss man ihnen nicht all zu viel Einmischung in innere Angelegenheiten der Türkei bieten.

Man kann man sich auch ausrechnen, dass diejenigen,  die den Ausgang des türkischen Referendums gerne anders gesehen hätten davon ausgehen dass die genannten 831.043 <JA>- Stimmen außerhalb der Türkei als theoretische <Nein>-Stimmen einen anderen Ausschlag gegeben hätten, denn wäre dem so, dann müsste man diese bei <JA> abziehen und die würden zu <Nein> addiert, das wären dann schon entscheidend gewesen, wenn ich richtig verstanden habe:

Total-Differenz 1.379.934 - 831.043 = 548.891 und wenn man diese 831.043 <JA>-Stimmen als <Nein> gehabt hätte und diese mit der verbleibenden Differenz von 548.941 gegenrechnet ergibt sich  -282.152, das wären dann theoretisch die Mehrstimmen für das "Nein", was glücklicherweise nicht der Fall ist :) ...trotz all der Agitation und Propaganda in den den Medien & Co. hierzulande.

         Für die Zukunft wünsche ich dem türkischen Staat und Volk das Beste!!!

Viele Grüße

Aslan