• Der Nordirak wird zum Tummelplatz verschiedenster Konfliktparteien
  • Das türkische Militärlager in Bashika

Irak: Der D-Plan der Türkei

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Irak: Der D-Plan der Türkei

19. Oktober 2016 - 23:02
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Die türkische Regierung ist entschlossen, sich in der Mossul-Frage weder vom Irak, noch von einer anderen Partei abdrängen zu lassen. Die Sorgen darüber, wie die Mossul-Offensive gegen den Islamischen Staat von irgend einer Partei missbraucht und Auswirkungen auf die gesamte Region mit sich bringen würde, veranlasst die Regierung, Pläne zu schmieden, die das verhindern sollen.

Irak: Der D-Plan der Türkei

Ankara / TP - Die türkische Regierung hat für den Fall, dass die Mossul-Offensive im Nordirak aus dem Ruder gerät, mehrere Szenarien durch gespielt und entsprechende Pläne auf Lager. Was aber bislang nur unter vorgehaltener Hand geplant wurde, nun ziemlich offen zur Aussprache kommt und entsprechend aufgegriffen wird, sollten diese Szenarien zutreffen, wird durch jüngste Äusserungen um einen weiteren Plan erweitert. Für den Fall, dass das schlimmste eintritt, was die türkisch Regierung zu befürchten hat, soll Plan D in Erwägung gezogen werden.

Das eine Szenario betrifft das militärische Lager Bashika im Norden Iraks. Sollte dieses türkische Lager sich in Gefahr befinden, will die türkische Regierung diesen um jeden Preis halten und auch mit weiteren militärischen Kräften verstärken. Der zweite Plan betrifft die Bevölkerung im Nordirak, vor allem in Mossul. Sollte es zu Massakern oder ethnischen Säuberungen kommen, will die türkische Regierung im Nordirak militärisch aufmarschieren.

Für die Türkei ist aber vor allem die Rolle der PKK und dem Islamischen Staat (IS) von Interesse. Sollte die Terrororganisation PKK, die sich im Schingal-Gebiet aufhält und kantonale Forderungen stellt, einen Machtvakuum in der umkämpften Region wittern oder sich mit der irakischen Zentralregierung verständigen, um auch in Tal Afar Fuß zu fassen, will die Türkei wie in Syrien, über Dicle in den Nordirak einmarschieren. Die Operation "Schutzschild Dicle" - benannt nach dem Fluss Dicle, der bei Cizre in den Nordirak mündet -,  ist gegenwärtig im Gespräch und zeitlich näher als man denkt. Laut internationalen Medienberichten, gebe es bereits Gespräche zwischen der irakischen Regierung und Unterhändlern der PKK. 

Ausserdem wird laut türkischen Medienberichten der Verlauf der Kampfhandlungen zwischen den Koalitionskräften und den IS-Besatzern in Mossul von der Türkei aufmerksam mitverfolgt. Was die Türkei am allerwenigsten brauche, sei eine IS in Syrien, die durch fliehende IS-Milizen aus Mossul verstärkt werde. Zwar haben die Oberkommandierenden der irakischen Armee die Problematik erörtert und zu verstehen gegeben, dass den IS-Milizen eine Möglichkeit geboten werden müsse, über einen Korridor aus der Millionenstadt zu fliehen, um einerseits die Bevölkerung nicht unnötig in die Kampfhandlungen zu verwickeln. Das ist auch verständlich, zumal andererseits die IS in die Ecke gedrängt zu mehr imstande ist, als es die schlimmsten Befürchtungen erahnen lassen. Das wird auch von türkischen Experten nicht infrage gestellt, doch was danach passieren kann, steht auf einem anderen Blatt. Sollten die IS-Milizen den Korridor unbehelligt zur Flucht nutzen und ungehindert in Syrien ankommen, wäre das schlimmste Szenario eingetreten, die die Türkei mitunter durchgespielt hat. Das widerum soll erst gar nicht eintreten, geht es nach der türkischen Regierung. Damit wäre wieder Plan D im Spiel.

Die Türkei wird an der Konferenz am Donnerstag in Paris zur Zukunft Mossuls teilnehmen. Auf der Mossul-Konferenz wird die Türkei auch auf diese Themen eingehen und deutlich machen, was die Türkei daher erwartet.

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