Türkischstämmige Taxifahrer sauer auf Özdemir

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Türkischstämmige Taxifahrer sauer auf Özdemir

20. Februar 2017 - 19:05
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Taxifahren in Berlin ist anscheinend gefährlich, zumindest nach Angaben des Bundesvorsitzenden der Partei Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir. Vor wenigen Tagen erst, da fand Özdemir erneut Anschluss zu den zuvor geäusserten Vorwürfen gegenüber einigen aggressiven türkischstämmigen Taxifahrern - "nicht die Mehrheit“, betonte Özdemir dabei gegenüber der "Welt". Die Angaben sind nicht zu überprüfen, aber ein Taxifahrer meldete sich vor kurzem und teilte seine Sicht der Version vor.

Türkischstämmige Taxifahrer sauer auf Özdemir

Berlin / TP - Versöhnliche Worte findet der Bundesvorsitzende der Partei Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, gegenüber türkischstämmigen Taxifahrern in Berlin noch immer nicht, aber er zeigt sich nach einer Einladung zum Gespräch durch die Innung des Berliner Taxigewerbes erfreut. In der türkischen Community wurde der Vorwurf heftig debattiert, einzelne Taxifahrer zeigten sich überrascht, andere warfen dem Politiker vor, mit unlauteren Mitteln Migranten aufgrund ihrer politischen Einstellung in Verruf bringen zu wollen.

Özdemir geht aber inzwischen noch weiter und erhält auch durch den Bundesvorsitzenden der türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Gökay Sofuoglu, Rückendeckung. Es gehe dabei nicht nur um einige türkischstämmige Taxifahrer, sondern auch um die türkische Community insgesamt, die in Deutschland durch die Innenpolitik in der Türkei tief gespalten sei. Sofuoglu hatte sich erst vor kurzem von der türkischen Regierung distanziert und erklärt, dass ganze erinnere ihn "eher an eine Autokratie".

Doch genau das wird zum Boomerang und spaltet die türkische Community immer weiter. Während man der türkischen Community vorwirft, türkische Innenpolitik nach Deutschland zu tragen - was durch nichts untermauert werden kann, weil schlicht und einfach kein türkischer Verband oder Verein sich bis heute zu den politischen Geschehnissen in der Türkei medial geäussert hat -, wird durch die deutsche Politik und diesmal auch durch die TGD selbst, die türkische Politik zum Spielball eigener Interessen. Jüngst mahnte Sofuoglu noch selbst, die Türkei-Politik aussen vor zu halten. Özdemir selbst, der stets betont, deutsche Politik zu betreiben, unterstützte selbst tatkräftig den Wahlkampf der türkischen Partei HDP in Deutschland zur Parlamentswahl in der Türkei.

Für die Politik, aber vor allem die deutsche Gesellschaft hat sich der türkische Präsident inzwischen zur Projektionsfläche gemausert, für all das, was man der türkischen Comminity bislang nur hinter vorgehaltener Hand sagen konnte. Verkompliziert wird die Angelegenheit dadurch, dass es da tatsächlich auch noch eine reale, kritikwürdige Person in Gestalt eines türkischen Präsidenten gibt, die aber herzlich wenig mit der Fiktion zu tun hat, auf die alle nach Ansicht der türkischen Community, genüsslich eindreschen. 

Das Problem dabei: Mit marktschreierischen Mitteln gegen diese Projektionsfläche werden überproportional viele Türken in Deutschland in Richtung real existierenden Erdogan getrieben, was somit genau das Gegenteil bewirkt, die angesichts der "Kritik" zum Ziel haben sollte. In Zeiten, wo über eine wichtige Entscheidung entschieden werden soll, sind solche Äusserungen das Zünglein an der Waage, da bei der vorherrschenden Parität zwischen Gegnern und Befürwortern der Verfassungsreform, die Zustimmungswerte für Erdogan inzwischen stetig ansteigen. Es wird in der türkischen Community schon darüber gewitzelt und werden Wetten abgeschlossen, darüber, ob Özdemir und Sofuoglu womöglich bezahlte Trolle der AKP sind, denen der Auftrag zuteil wurde, die türkische Community in die Hände der AKP zu treiben. Aufgrund der Vorgeschichten von Özdemir und Sofuoglu - u.a. die Resolution des Bundestages vom 2. Juli 2016 sowie die Interviews von Sofuoglu - auch nicht einfach mal von der Hand zu weisen.

Aber zurück zur Geschichte mit den türkischen Taxifahrern - nun hat sich ein türkischstämmiger Berliner Taxifahrer bei einem türkischen TV-Sender gemeldet und seine Version mit Özdemir erzählt. Laut dem Taxifahrer vertrage wohl Özdemir keine Kritik, aber er selbst teile Kritik gerne aus. Demnach habe er nur die Annahme des Trinkgelds verweigert, danach soll Özdemir pampig geworden sein. Der namentlich bekannte Taxifahrer erklärte, er habe Özdemir erkannt und ihn auf eine ruhige Weise bis zur angegebenen Adresse gefahren. Der Fahrtpreis habe 17,- Euro betragen, Özdemir habe ihm daraufhin 20,- Euro gereicht und gesagt, er solle ihm eine Quittung auf 19,- Euro ausstellen. Der Taxifahrer habe eine Quittung auf 17,- Euro ausgestellt und Özdemir die Quittung samt den 3,- Euro Wechselgeld zurück gereicht und dazu erklärt: "An Ihrem Geld klebt das Recht und das Blut der Märtyrer, ich nehme von Ihnen kein Trinkgeld" Özdemir sei daraufhin sehr aufbrausend geworden und habe zum Taxifahrer gesagt: "In Deutschland schlage ich mich schon mit den deutschen Faschisten herum und jetzt tanzen mir auch noch die türkischen Faschisten auf der Nase herum?" Daraufhin soll Özdemir den Namen des Taxifahrers verlangt haben, der jedoch darauf aufmerksam gemacht haben soll, die Daten würden auf der Quittung stehen.

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