Türkei nach dem Volksreferendum: Betrug am Wahlvolk?

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Türkei nach dem Volksreferendum: Betrug am Wahlvolk?

23. April 2017 - 11:23
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Hat die Opposition einen Wahlbetrug auf dem Gewissen und versucht dies nun krampfhaft auf dem Rücken der amtierenden Regierung AKP auszutragen und darauf aufbauend ihr die Manipulation des Hohen Wahlausschusses in ihrer Entscheidung zu den Wahlzetteln nachzusagen?

Der besagte Nachrichtentext wurde am Wahltag um 6.57 Uhr gesendet, also noch vor dem offiziellen Wahlbeginn

Ankara / TP - Es wäre ein Skandal sondergleichen, wenn sich herausstellt, dass die Opposition beim Volksreferendum in der Türkei einen Betrug am Wahlvolk inszeniert hat. In einem jüngsten Artikel des Online-Nachrichtenportals Oda TV berichtet der Journalist Fetih Yilmaz über Handy-Nachrichten, die von AKP-Politikern an die Wahlbeauftragten aus den Reihen der AKP gerichtet waren. 

In dem Artikel wird der Eindruck erweckt, dass die besagten Wahlbeauftragten in den Wahllokalen angewiesen wurden, auf ungestempelte Wahlzettel zu achten und wenn nötig sie noch im Wahllokal bzw. aus der Wahlurne heraus abzustempeln und so ihre Gültigkeit zu besiegeln. Das wäre jedoch ein Skandal und würde die AKP in Erklärungsnot bringen.

Auf diesen Artikel bezugnehmend haben mittlerweile sehr viele oppositionsnahe Medien reagiert und teilen entsprechend ihre negative Meinung über das Volksreferendum mit, in der den AKP-Wahlbeauftragten unterstellt wird, die Wahlzettel nachträglich, womöglich sogar in Abwesenheit der Oppositions-Wahlbeauftragten abgestempelt zu haben, was ja einem Wahlbetrug gleichkommt.

Doch sieht man sich den Artikel von Fetih Yilmaz genauer an, in der auch eine Reihe von Auszügen der Handy-Nachrichten ersichtlich sind, kommt man zu einem anderen Schluss, denn in dem Artikel werden die Handy-Nachrichten bewusst in ihrer zeitlichen Abfolge aus dem Kontext gerissen und entsprechend neu platziert, so, dass der Eindruck entsteht, dass die besagte Nachricht, in der die Wahlbeauftragten der AKP angewiesen werden, die Wahlzettel auf ihre Gültigkeit hin zu kontrollieren, am Schluss der Nachrichtenkette steht, also während oder sogar fast am Schluss der Wahl bei den Wahlbeauftragten einging, obwohl sie zeitlich betrachtet, noch vor der Wahl versendet wurde. 

Wird hier bewusst der Eindruck erweckt, dass die besagte Aufforderung durch einen oder mehrere AKP-Politiker, die Wahlzettel als Wahlbeauftragte noch kurz vor dem Wahlende auf ihre Gültigkeit hin zu kontrollieren und bei Bedarf nachträglich abzustempeln und so zu legalisieren, was ja an und für sich eine Manipulation bedeutet? Nach kurzem durchlesen des Artikels der Oda TV, die jetzt von etlichen oppositionsnahen Medien weitergeteilt wird, kommt man jedenfalls zu keinem anderen Schluss und wird auch durch die aneinandergereihten Handy-Auszüge darin bestätigt, wenn man sie nur kurz überfliegt. 

Nur, wenn man die abfotografierten Handy-Nachrichten in ihrer zeitlichen Abfolge korrekt wiedergibt - die Zeit in der sie versendet wurden, sind gut erkennbar -, dann kommt man zu einem anderen Schluss, der Verdacht wird nun umgekehrt. Während der besagte Handy-Text mit der Aufforderung an die Wahlbeauftragten, die Wahlzettel zu kontrollieren, am Schluss dieser "Beweisaufnahme" der Oda TV angereiht wird, müsste sie zeitlich betrachtet weit oben angesiedelt werden, was einen anderen Schluss nahelegt. Denn, die Wahlbeauftragten wurden noch vor der eigentlichen offiziellen Wahl darauf aufmerksam gemacht, die Wahlzettel nach ihrer Gültigkeit zu kontrollieren, sprich, darauf Ausschau zu halten, ob die Wahlsiegel des Hohen Wahlausschusses und der wahlbeauftragten Lokale auf den Wahlzetteln zu erkennen sind.

Wieso, so stellt sich nun die Frage, versucht die Oda TV die zeitlich erkenntlich gemachten Handy-Nachrichten, aus ihrer zeitlichen Abfolge herauszureißen und neu geordnet, sich in einem Artikel damit an die Leser zu wenden und so den Eindruck zu erwecken, die AKP-Wahlbeauftragten hätten die Wahlzettel während oder sogar kurz vor dem Ende des Volksreferendums, also nachträglich, abgestempelt, um so damit Gültigkeit der Wahlzettel zu bestätigen, falls bis dahin nicht geschehen?

Wenn dem so ist, würde das aber auch bedeuten, dass die Wahlbeauftragten der Opposition womöglich es sogar bewusst unterlassen haben, die Wahlzettel zu legimitieren, in dem sie es womöglich unterließen, die Wahlsiegel der Wahllokale noch vor Wahlbeginn an die Wahlzettel anzubringen. Damit hätten sie das Volksrefendum boykottiert bzw. manipuliert, einen Wahlbetrug am Volkswillen auf dem Gewissen. 

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