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Bayern jagt den Diktator - Geschwister Scholl-Wettbewerb 2017

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Bayern jagt den Diktator - Geschwister Scholl-Wettbewerb 2017

27. Juni 2017 - 02:50
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Zum allerersten Mal richtet die bayerische Staatsregierung den Geschwister-Scholl-Wettbewerb aus, in der Schülerinnen und Schüler von Gymnasien teilnehmen können. Sie sollen mit selbstkreierten Flugblättern die Tyrannen und Diktatoren von der Welt befreien. Die Kandidaten? Baschar al Assad, Wladimir Putin oder Erdogan.

Youtube-Kanal zu #Scholl2017 – Von der Vergangenheit lernen

München / TP - Die bayrische Staatsregierung hat Schülerinnen und Schüler in Gymnasien zur Jagd auf Tyrannen und Diktatoren und ist auch in sozialen Netzwerken unter dem Hashtag aktiv verbreitet. Initiatoren dieses Wettbewerbs zu Ehren der Geschwister Scholl ist einerseits der bayerische Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr, Joachim Herrmann und der bayerische Staatsminister für Schule, Kultur und Demokratie, Dr. Ludwig Spaenle. Das zum ersten Mal ausgerichtete Wettbewerb wird von der Staatsregierung getragen. Zu gewinnen sind dabei unter anderem Reisen, Abonnements und ja sogar ein Auftritt in Neo Magazin Royale. 

Statt Stadt, Land, Fluß, dürfen Schülerinnen und Schüler spielerisch Land, Tyrannen, Diktatoren Widerstand leisten. Ermöglicht wird das durch die bayrische Staatsregierung, die zum 75. Jubiläum der Geschwister Scholl im Rahmen einer Projektarbeit dazu alle Schülerinnen und Schüler in allen Gymnasien des Landes aufgerufen hat.

Um die Tyrannen und Diktatoren in der Welt jagen zu können, sollen sie in der Manier der Geschwister Scholl Flugblätter erstellen und damit Widerstand leisten, zum Sturz des Regimes beitragen. Hierzu müssen die Schülerinnen und Schüler einen Text mit 2.000 Zeichen erstellen und absenden, um am Wettbewerb teilzunehmen. Auch an die Kandidaten hat die Staatsregierung selbstverständlich gedacht und eine Vorauswahl getroffen. Als Zieldiktatoren wären da: Baschar al Assad (Syrien), Wladimir Putin (Russland), Umar al-Baschir (Sudan), Kim Jong Un (Nord-Korea), Isayas Afewerki (Eritrea), Robert Mugabe (Simbabwe), Shavkat Mirziyoyev (Usbekistan), Salman ibn Abd al-Aziz (Saudi-Arabien), Ramsan Achmatowitsch Kadyrow (Tschetschenien), und wer darf in der Runde nicht fehlen? Recep Tayyip Erdogan aus der Türkei.

Am 29. Juni 2017 sollen dann die zahlreichen Preise während der Münchener Kammerspiele an die besten Flugblätter vergeben werden. Von Klassenfahrten, Abonnements bis hin zu einem Auftritt mit Jan Böhmermann im Neo Magazin Royale, jede Menge Preise winken den Schülerinnen und Schülern. 

 

Die Idee dazu soll auf Bitten von Joachim Herrmann an Staatsminister für Schule, Kultur und Demokratie, Dr. Ludwig Spaenle enstanden sein, um wie Spaenle und Herrman sagen, Diktatoren wie Erdogan in der Türkei zu jagen und zu stoppen, der gegen alle Warnungen hinweg eine totalitäre Revolution ausgerufen habe, die mit dem Referendum nun vollendet sei. Kein Zeitpunkt wäre besser geeignet, so Herrman weiter, "den freien Geist der Weißen Rose zu reaktivieren. Unser Freistaat steht schon lange für eine eher atypische Liaison von Tradition und Moderne." Eine "wehrhafte Demokratie bedeute, sich gegenüber den Feinden der freiheitlichen Demokratie" zur Wehr zu setzen und da biete sich das Vermächtnis Franz-Josef Strauß an: "“Wir Bayern müssen bereit sein, wenn die Geschichte es erfordert, notfalls die letzten Preußen zu werden!” 

Herrman erklärt des Weiteren, dass die Staatsregierung versucht habe, "mit Diktatoren wie Putin oder Erdogan ins Gespräch zu kommen. Vergeblich. Nach dem „Trump-Schock“ fand in der Staatskanzlei ein Umdenken statt." Hermann fährt damit fort, dass die Diktaturen Angst vor Ihnen haben müssen, insbesondere dann, wenn Diktatoren "sich auf unseren demokratischen Boden trauen."  Die Assads, Putins und Erdogans dieser Welt sollten dabei "auch in ihren opulenten Herrscherpalästen noch Angst vor Ihnen Demokraten haben", denn man würde sie jagen, "nicht aus Lust, sondern aus Pfichtgefühl. Respekt vor der Würde des Menschen."

Am 26.6.2017 wurde das Schulbuch "Scholl 2017 – Von der Vergangenheit lernen“ (61 Seiten) mit Unterrichts­materialien und Übungen an sämtliche Gymnasien des Freistaats ausgeliefert. Bislang sind 31 Einsendungen von Flugblättern eingangen, mehrere Kandidaten haben sich zudem als Widerstandsführer für die jeweiligen Länder beworben. Derzeit gibt es auch eine , wonach die Türkei auf Platz 7 (27.06.2017) steht, mit guten Aussichten auf höhere Ränge.

Die Kammerspiele und das Zentrum für politische Schönheit haben die Aktion "Verteile Dein Flugblatt in der Diktatur." ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um eine Aktion des "Zentrums für politische Schönheit" um den Philosophen und Aktionskünstler Philipp Ruch. Wer es bisher noch nicht geschnallt hat: es ist eine drastische Art der Verulkung, denn es gibt kein "Bayerisches Staatsministerium für Bildung, Kultur und Demokratie", sondern nur eines für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Auch die Aufmachung und die Erklärungen der "Staatssekretäre" und "Minister" sind nicht echt, auch wenn es dem Zeitgeist passt.

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