Boris Johnson zu Gesprächen in der Türkei

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Boris Johnson zu Gesprächen in der Türkei

27. September 2016 - 20:52
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Der britische Außenminister Boris Johnson hat während seines Türkei-Besuchs die Containerstadt für syrische Flüchtlinge in Nizip bei Gaziantep besucht und traf sich in Ankara auch mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu.

Ankara / TP - Der britische Außenminister Johnson und die ihn begleitende Delegation wurden vor der Containerstadt vom Landrat Harun Sarifakiogullari und den Provinzdirektor des Katastrophenamts Adil Siraz in Empfang genommen. Danach besuchte Johnson Patienten der Klinik der Anlage, den Kindergarten, die Grundschule und Sozialanlagen der Containerstadt. 

Johnson wird im Rahmen seiner dreitägigen Visite mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident Binali Yildirim, Außenminister Mevlüt Cavusoglu und EU-Minister Ömer Celik zusammenkommen. Auf der Agenda der Gespräche stehen der Putschversuch vom 15. Juli, Beziehungen zwischen der Türkei und Großbritannien sowie regionale Themen. Der britische Außenminister wird auch die Türkische Große Nationalversammlung besuchen, die am 15. Juli Ziel von Bombenangriffen war.

Der britische Außenminister Boris Johnson erklärte bei seinem Treffen mit Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu, dass auch die YPG, der Ableger der Terrororganisation PKK, am Wochenende an dem angeblichen Kongress der PKK in der belgischen Hauptstadt Brüssel teilgenommen habe. „Seit langem sagen wir, dass diese beiden keinen Unterschied voneinander haben. Jeder konnte bei diesem sogenannten Kongress sehen, dass die PKK und PYD nicht verschieden sind.“

Çavuşoğlu kritisierte die Zusammenarbeit mit der PYD im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien und sagte, dass es ein Verrat sei, gegen einen Terroristen mit einem anderen Terroristen zu kooperieren. Die PKK und PYD hätten bei der Versammlung in Brüssel zweifelsfrei bekundet, dass es ihnen nicht um die Zukunft Syriens, sondern um die Gründung eines unabhängigen Kantons gehe.

Çavuşoğlu kritisierte dabei auch die US-Regierung: „Diejenigen, die meinen, dass sie die PYD kontrollieren, betrügen entweder sich selbst, oder sie versuchen, damit uns zu betrügen. Wir haben den USA gesagt, dass die YPG-Kräfte sich hinter die Linie des Euphrats zurückziehen sollen, sobald die Operation in Manbidsch zu Ende ist. Doch die Einheiten der YPG sind immer noch in Manbidsch. Entweder seid ihr nicht in der Lage, euch gegen die YPG durchzusetzen, oder ihr wollt sie gar nicht dazu bewegen.“ Die Organisation habe in Manbidsch sämtliche Dokumente vernichtet, darunter auch die Grundbucheinträge. Das bedeute zugleich, die Zukunft Syriens zu riskieren, in Rakka oder bei anderen Operationen mit der YPG zu kooperieren.

Der britische Minister Johnson unterstrich in seiner weiteren Rede, dass seine Vorahnen aus der Türkei stammen. „Mein Großonkel übte damals das Amt aus, das sie heute ausüben. Er hatte dieses Ministerium inne. Meine Familie hat in diesem Amt eine Vergangenheit.“ Ferner sagte Johnson, dass die Türkei sich in einer äußerst zentralen Lage befinde, was die Sicherheit der Welt angehe. Gegen die geheime Organisation der Gülenisten sei eine ernsthafte Haltung vonnöten. Sie würden der Türkei jegliche Unterstützung bei ihren rechtlichen Gesuchen hinsichtlich der Feststellung der Personen leisten, die im Zusammenhang mit den Gülenisten stehen.

Wer ist Boris Johnson?

Ein Beitrag von Deutsch-Türkische Akademiker e.V.

Der britische Außenminister, chronischer EU-Gegner und mal ganz nebenbei der Urenkel eines osmanischen Ministers. Eine interessante Figur ist der britische Außenminister alle mal. Er ist laut, polemisch und auch sein Auftreten entspricht nicht immer der gewohnten britischen Zurückhaltung.

Johnson ist zur Zeit zum Staatsbesuch in der Türkei und simuliert eine ungewöhnliche Nähe zur Türkei um die angespannten Beziehungen zu kitten. Das wird allerdings durch seine Vita auch nicht unbedingt einfacher.

Johnson Großvater war der leibliche Sohn von Ali Kemal. Wer war Ali Kemal ?

Ali Kemal war ein in Ankara geborener Geschäftsmann der nach seinem Studium in Paris mit einer totalen Begeisterung zu Europa zurückkehrte. Ali Kemal schrieb im Anschluss für zahlreiche Zeitungen und trat aktiv in die Politik ein. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges trat er in das Kabinett der Marionette der Besatzungsmächte - Damat Ferit Paşa - ein.

Während der Kuvai-Milliye Bewegung von Atatürk und seinen Weggefährten startete er als Minister eine Verhaftungswelle an türkische Widerstandssymphatisanten und ließ diese auch foltern und ermorden. Währenddessen schrieb er weiter in diversen Zeitungen und gründete um der britischen Besatzung zu imponieren den " Verein der Freunde Englands" In seinen Kolumnen bezeichnete er die Widerstandsbewegung unter Mustafa Kemal Atatürk als Verräter und jeglichen Widerstand gegen die Besatzung als "Akt der Barbarei und Frevel an Allah".

Diese mediale Hetze wurde unter ihm dermaßen bekannt, dass man noch heute -lagerübergreifend- von einem "Ali Kemal- Fall" spricht , wenn man einen Journalisten beschimpfen und ihm Verrat vorwerfen möchte. Nach dem Sieg im Befreiungskrieg wurde Ali Kemal während eines Fluchtversuches in der Nähe des Hafens vom Geheimdienst des Widerstandes festgenommen.

Man wollte ihn nach Ankara bringen um ihm den Prozess zu machen. Allerdings sorgte der Feldherr Nurettin Paşa, dass Ali Kemal ihm in Izmit überstellt wurde. Nach seinem Verhör im Feldzelt von Nurettin Paşa wurde er von den Soldaten -ziemlich brutal - gelyncht. Viele der "Täter" waren Soldaten und Offiziere die Ali Kemal zuvor hatte foltern lassen.

Sein Leichnam wurde bei Izmit ohne Grabstein verscharrt. Seine genaue Begräbnisstätte gilt heute als unbekannt , bzw der Ort ist umstritten. Der britische Außenminister ist der Urenkel dieses Mannes und kommt aus dessen ersten Ehe mit einer Britin hervor.