Die Türkei und der "asymmetrische Krieg"

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Die Türkei und der "asymmetrische Krieg"

27. September 2016 - 01:42
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Die hiesigen und europäischen Medien haben inhaltlich eine asymmetrische Sprachregelung verinnerlicht, die in Zusammenhang mit der Türkei entsprechend weiterverbreitet wird und kaum noch zu bändigen ist. Inzwischen sind sich viele Türken sicher, dass dies nur ein Aspekt der "asymmetrischen Kriegesführung" ist, um vor allem die amtierende Regierung gefügig zu machen. Aber wieso kann sich die Türkei nicht erklären, ihre Sorgen und Nöte mitteilen, wieso treten wir in dieser Hinsicht immer noch auf der Stelle?

Nabi Yücel / TP - Was tun? Das ist die Frage die sich auch der Journalist Hasmet Babaoglu stellt. Die hiesigen und europäischen Medien haben inhaltlich eine asymmetrische Sprachregelung verinnerlicht, die in Zusammenhang mit der Türkei entsprechend weiterverbreitet wird und nach dem 15. Juli kaum noch zu bändigen ist. Inzwischen sind sich viele Türken sicher, dass dies nur ein Aspekt der "asymmetrischen Kriegesführung" ist, um vor allem die amtierende Regierung gefügig zu machen, ja sogar physisch und psychisch zu vernichten.

Nun, was tut man dagegen? Eigentlich immer das selbe. Die selbe Story vom falsch verstanden werden, Unmutsbekundungen, das ewige Gejammere. Jedenfalls hat man es nicht geschafft, sich gegenüber dem Westen zu artikullieren, geschweigeden die Sorgen mitzuteilen. 

Auf gut Deutsch: Man ist nicht im Stande, das Bild der Türkei selbst zu managen. Das wird in etlichen TV-Sendern auf und ab ausdiskutiert, in sozialen Netzwerken heftig debattiert und wie man selbst feststellen kann, schwer ertragen. Vor allem nach dem 15. Juli hat sich diese Feststellung eingeprägt, weil das Interesse des Westens nicht so sehr auf die Bevölkerung, viel mehr auf die Putschisten und deren Verbleib fokussiert war und ja, immer noch ist.

Was tut man nun angesichts dieser Wahrnehmung? Bislang hat niemand etwas anderes gesagt, was nicht bereits gesagt wäre. Die türkische Diplomatie übt sich in Zurückhaltung. Die Wurzel des Problems liegt daher auch in der aussenpolitischen Bürokratie. Man könnte fast meinen, dass die Heerschar von türkischen Diplomaten nicht die Türkei in die Welt trägt sondern die Welt mit Lob und Bewunderung dem eigenen Umfeld nahe bringt. 

Selbstverständlich gibt es noch andere Bewunderer aus der Wirtschaft, die den Westen wie ihre eigene Westentasche kennen und alles positiv zu erklären versuchen, weshalb der Westen so reagiert und dann gibt es noch die Beschwichtiger, mehr um ihre Interessen besorgt, als um die Türkei oder das Volk. Wie kann man das nun ändern? Wer meint, hier eine lange sozio-psychologische Erklärung zum Image der Türkei und im Abgang die Lösung zu dieser verflixten Lage zu bekommen, der irrt.

Erstens: jemanden etwas erklären zu wollen, der nicht Willens ist zuzuhören, ist Irrsinn. Genauso irrsinnig wie wenn man versucht einem Esel die Unterhose überzuziehen. Und wenn man es versucht und aufdringlich wird, kann das sogar nach hinten losgehen - man wird für nicht voll genommen. Ausserdem muss der Gegenüber auch ein gewisses Interesse zeigen, die Kultur zum Zuhören mitbringen. Andernfalls kann man davon ausgehen, dass die Meinung wie ein Atom gefestigt ist und bekanntlich kann man Atom nur dann spalten, wenn man immensen Druck ausübt. Das widerum kann als undemokratisch aufgefasst werden.

Dann gibt es selbstverständlich auch die Möglichkeit die Meinung des anderen von der Hintertür zu ändern. Man erzählt u.a. von der Türkei die so ist, von der Kultur die so und so reich ist, von der Wirtschaft die zweistellige Zuwachsraten hat und so weiter und so fort.

Tja, alles wurde bereits getestet, angewendet, ausprobiert, oder wie es der Graf Adhemar von Anjou zu sagen pflegte; "Du wurdest gewogen...du wurdest gemessen...und du wurdest für nicht gut genug befunden. Soll die Türkei etwa noch einen Salto hinlegen, damit man sie ernst nimmt oder zuhört? 

Wenn also alles nichts hilft, was tun? Eigentlich genau das Gegenteil! Wenn jemand euch nicht zuhört oder nicht mit euch spricht, dann läuft man eigentlich demjenigen hinterher und fragt sogar energisch, was denn los sei. Genau das kann man auch selbst beherzigen. Man spricht nicht mit dem Westen, macht hört einfach nicht zu und geht seinen Weg. Was glaubt man denn, weshalb der Westen sich plötzlich verwundert umschaut und ins Gespräch kommen will, nach dem man mit Russland korrespondiert?

Das bedeutet, nicht deren Interessen beherzigen, sondern eigene umsetzen. Dann erst wird man an uns Interesse haben, an unseren Meinungen, an unseren Sorgen. Man wird, was man ja selbst geradezu herbeigesehnt hat, zuhören wollen.