Balkan- und Ägäismuslime kritisieren Patriarchat

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Balkan- und Ägäismuslime kritisieren Patriarchat

28. September 2016 - 16:31
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Die Förderation der Vereine in der Ägäis, Balkan und Rhomä kritisieren die türkische Regierung für ihre untätige Haltung in Zusammenhang mit der Ernennung des Metropoliten von Izmir. Der Vertrag von Lausanne werde einseitig ausgehebelt, heißt es in einer Erklärung hierzu.

Izmir / TP - Nach der Ernennung und Einsetzung eines Metropoliten in Izmir durch Bartholomeos I., dem griechisch-orthodoxen ökumenischen Patriarch von Konstantinopel mit Sitz in Fener in Istanbul, erklären Experten und die Förderation der Vereine der Ägäis, Balkan und Rhomä, der Vertrag von Lausanne werde dadurch einseitig aufgehebelt. Der Vertrag regelt u.a. im Abschnitt über den Minderheitenschutz (Art. 37-45), die Rechte der verbleibenden nicht-muslimischen Minderheiten in der Türkei sowie der muslimischen Minderheiten in Griechenland, nach 1923.

Die Kritik richtet sich gegen die Ernennung des Metropoliten von Izmir, Kyrillos Sykis, die am 25. September im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Beisein von Gästen aus Griechenland, darunter dem stellvertretendem Außenminister Yannis Amanatidis und griechischen Botschaftsangehörigen aus Ankara, stattfand. Bartholomeos I., der die Ernennung und Einsetzung des Metropoliten von Izmir für drei Jahre bekannt gab, erklärte während der Zeremonie, dass die Wiederbelebung der griechisch-orthodoxen Kultur in der Türkei, Kritik hervorrufe, die man verstörend aufnehme. Bartholomeos I. sagte ausserdem, dass die Einsetzung des Metropoliten in Izmir nicht als eine politische Signalwirkung verstanden werden sollte. Vielmehr gehe es um den Dialog zwischen den Religionen und Kulturen, vor allem aber um das Verständnis für eine Minderheit im Land. 

In griechischen TV-Fernsehkanälen erklärte der Generalsekretär der griechisch-orthodoxen Kirche in Izmir, dass die Wiedereinsetzung eines Metropoliten eine Wiederbelebung der einstigen religiösen Festlichkeiten auch in Izmir mit sich bringen werde. Darunter etwa das Tauchen und Heraufholen eines Kreuzes aus dem Meer durch Jugendliche am Tag der Taufe Christi, dem Theophaniefest am 6. Januar, die in Istanbul bereits praktiziert wird.

Experten, darunter Rechtswissenschaftler der Ägäis-Universität in Izmir sehen in dem Wirken des griechisch-orthodoxen ökumenischen Patriarch von Konstantinopel aber eine Verletzung des Vertrags von Lausanne, die am 24. Juli 1923 zwischen der Türkei sowie Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Griechenland, Rumänien und dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen im Palais de Rumine geschlossen wurde. Demnach gebe es zwar einen Abschnitt, der sich mit dem Minderheitenschutz (Art. 37-45) befasse und u.a. der griechisch-orthoxen Bevölkerung eine Erzdiözese garantiere, aber gleichzeitig ein Patriarchat ausschließe. Laut türkischer Verfassung stehe die alleinige Rechts-, Verwaltungs- und Lehrhoheit dem Staat zu und nicht einem Patriarchat, so die Experten. Dass die Regierung einst den Titel des "Patriarchats" wohlwollend in Kenntnis genommen habe, hieße nicht, der Ökumene auch das Recht zu geben so zu handeln. Lediglich die Position eines Erzbischofs käme in Frage, die die Staatshoheit nicht in Frage stelle.

Auch die Förderation der Vereine in der Ägäis, im Balkan und aus Rhomä kritisieren nun das Vorgehen von Bartholomeos I. und die Untätigkeit Ankaras in diesen Fragen. Die Ernennung eines Metropoliten untergrabe den Vertrag von Lausanne. Vor allem die Lage in den Balkanländern und in Griechenland zeige doch, dass die Ernennung eines Imamen durch eine ausserstaatliche Authorität stattlich nicht geduldet werde. Noch heute werde in Komotini und Xanthi den türkisch-muslimischen Minderheiten dieses Recht nicht eingeräumt, erklärte der Vorsitzende der Föderation Süleyman Pehlivanoğlu. Des Weiteren erklärte Pehlivanoğlu, dass das Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel nach dem Vertrag von Lausanne kein Patriarchat sei, ausschließlich unter der Ägide des Provinzgouverneurs tätig bleiben dürfe.

Die griechisch-orthodoxe Kirche feiert wie die armenische apostolische Kirche seit einigen Jahren aufgrund einer Geste des guten Willens der türkischen Regierung religiöse Feste auch im freien oder in berühmten Kulturdenkmälern wie im Sumela-Kloster am Schwarzen Meer. In Griechenland und in Bulgarien wird den muslimischen Minderheiten jedoch diese Gelegenheit nicht gewährt, trotz des Garantieabschnittes im Vertrag von Lausanne.

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