Erdogan: US-Koalition liefert Waffen an Terrormilizen

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Erdogan: US-Koalition liefert Waffen an Terrormilizen

28. Dezember 2016 - 13:03
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Der türkische Staatspräsident wirft der US-geführten Koalition in Syrien und Irak vor, Terrormilizen mit Waffen beliefert zu haben. Das syrische Regime fordert die YPG auf, sich aus Aleppo und den belagerten Gebieten zurückzuziehen. Türkische Medien berichten über Waffenlieferungen europäischer Staaten an Milizen. Diese Waffen würden sich nun gegen die türkische Bodenoffensive richten. In Kasachstan sollen die Türkei, Russland und der Iran zusammen kommen, um Friedensgespräche zu führen und einen Waffenstillstand auszuhandeln.

Erdogan: US-Koalition liefert Waffen an Terrormilizen

Conakry / TP - Der türkische Staatspräsident Erdogan hat die US-geführte Koalitionskräfte beschuldigt, Terrormilizen in Syrien und dem Irak unterstützt zu haben. Im westafrikanischen Staat Guinea erklärte Erdogan während einer Pressekonferenz mit dem guineanischen Präsidenten Conde am Dienstag, dass die westlichen Koalitionspartner in den umkämpften Regionen in Mesopotamien kurdische Terrormilizen sowie die Terrormiliz IS taktisch sowie materiell unterstütze.

In Ankara erklärte Erdogan nach der Rückkehr aus Guinea: “Was haben die Koalitionskräfte am Anfang noch gesagt? Sie sagten: Wir werden den Terrorismus bekämpfen, bis zum Ende. Sie haben uns beschuldigt, die Terromiliz Islamischer Staat zu unterstützen. Jetzt sind sie alle verschwunden. Im Gegenteil, sie sind es, die die terroristischen Gruppierungen unterstützen, die IS-Terrormiliz, die Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Syrien, die radikalen Kurden. Das ist unbestritten. Wir haben Beweise dafür, Bilder, Fotos und Videos.”

Nach Berichten türkischer Medien, die sich auf militärische Quellen stützen, sollen mehrere Hundert Kämpfer der Terrormiliz IS sich von ar-Raqqa aus auf den Weg machen, den Belagerungsring in der nordsyrischen Stadt al-Bab durch türkische Bodentruppen sowie Milizen der Freien Syrischen Armee (DSA) zu durchbrechen. Darunter sollen sich auch Selbstmordkommandos befinden. In ar-Raqqa steht die zweite Phase der US-angeführten Koalitionskräfte im Stillstand berichten türkische Medien weitere, weshalb sich Terrormilizen ungehindert nach Westen in Richtung al-Bab bewegen.

Der Sprecher des US-Aussenministeriums, Mark Toner, erklärte nach den Äusserungen des türkischen Staatspräsidenten, dass die Annahme, die Koalition unterstütze Terrormilizen in Syrien, albern sei. Man tue alles, um die Terrormiliz IS aus den Gebieten zu tilgen: “Wir sind natürlich aufmerksam in Bezug auf die herrschenden Spannungen zwisch den von der Türkei unterstützten Gruppierungen und den kurdischen Volksverteidigungseinheiten und anderen Kräften, die wir in der Region unterstützen. Aufgrund dieser Spannungen gibt es eine enge Zusammenarbeit, wir führen Diskussionen und versuchen, uns mit ihnen abzusprechen.”

Unterdessen berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag, dass die SDF (Demokratischen Kräfte Syriens) auf eine positive Entscheidung der USA warte. Der Sprecher der SDF, die mehrheitlich aus der kurdischen Volksverteidigungseinheit (YPG) mit einer Nähe zur Terrororganisation PKK besteht, hoffe auf eine positive Entscheidung und Aufhebung der Einschränkungen hinsichtlich der Waffenlieferungen durch die USA. Laut Generalmajor Talal Silo gebe es zwar keine Luftangriffe auf Stellungen der SDF, aber die Zukunft könne es erfordern, dass die SDF mit Flugabwehrraketen ihren Kampf fortsetzt. Wieso die SDF Abwehrraketen für Luftziele benötige, konnte oder wollte Silo sich dazu nicht äussern. Es sei für den Fall, dass die SDF Ziel von Luftangriffen wird, lautete die Amtwort knapp. Zur Zeit operieren in Syrien Luftstreitkräfte des syrischen Regimes, aber hauptsächlich russische, türkische und us-geführte Kampfflugzeuge. Bislang hatte die US-Führung Lieferungen von Flugabwehrraketen abgelehnt.

Dennoch erhält die SDF durch die US-Koalitionskräfte unter anderem mobile Panzerabwehrlenkwaffen. Befürchtet wird, dass diese Waffen in die Hände der Terrormiliz IS fallen. Auch ist nicht sichergestellt, ob diese Waffen gegen NATO-Verbündete wie der Türkei angewendet werden, die in der selben Region operieren. Die Türkei hatte dem Westen immer wieder vorgeworfen, militärisches Material in die Region zu liefern, die anschließend in die Hände der Terrormiliz IS sowie den Volksverteidigungseinheiten (YPG) fallen würden. Solche Waffen würden von der Terrororganisation PKK auch auf türkischem Territorium auf türkische Sicherheitskräfte gerichtet werden, berichten türkische Medien unter Berufung auf türkische Terrorexperten und militärische Kreise. Medienberichten zufolge sollen in dieser Woche erneut Waffen und Ausrüstung von den USA nach al-Hasaka transferiert worden sein. Hier operiert vor allem die PYD mit ihrem bewaffneten Arm, der YPG.

Das syrische Regime hat ihre Forderung nach Abzug der Volksverteidigungseinheiten (YPG) aus Aleppo und Norden Syriens erneuert. Kurz nach der kompletten Einnahme der Stadt Aleppo hatte ein ranghoher syrischer General die YPG aufgefordert, sich aus den "befreiten" Gebieten Aleppos zurückzuziehen. Wie das kurdisch-irakische Medienportal Rudaw aktuell berichtet, hat das syrische Regime nach der Niederlage der Opposition in Aleppo ihre Forderung erneuert, dass die PYD, der syrische Ableger der Terrororganisation PKK mit ihrem bewaffneten Arm, der YPG, die Kontrolle über die Gebiete an der türkischen Grenze sowie das Stadtviertel Scheich Maksud in Aleppo aufgibt.

"Die Regierung hatte der PYD diese Gebiete anvertraut, und jetzt will die Regierung sie wieder Kontrolle haben“, erklärte General Haitham Hassoun von der syrischen Armee gegenüber Rudaw, nannte jedoch keinen genauen Zeitplan, wann diese Forderung umgesetzt werden soll. Die Nachrichtenagentur steht der Regierung der autonomen kurdischen Gebiete (KRG) nahe.

In den von der Terrormiliz IS befreiten Gebieten, in denen türkische Bodentruppen sowie Milizen der Freien Syrischen Armee opererieren, stoßen nach eigenen Verlautbarungen nun 10 weitere Milizen hinzu, die zuvor aus Aleppo evakuiert wurden. In einer Erklärung heißt es hierzu, dass die Furkan-Brigade, Lions of the East Army, die Safwa-Brigade, die 1. Brigade, die United Sham Front sowie die Revolution Army offiziell innerhalb der FSA im Norden aktiv werden. Bislang waren die Milizen im Westen sowie Osten des Landes aktiv gegen die Terrormiliz IS vorgegangen.

Wie die Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf Regierungskreise in Moskau meldet, sollen Russland, die Türkei und der Iran einen Waffenstillstand vereinbart haben, der noch am Mittwochnacht in Kraft treten soll. Der Kampf gegen Terrororganisationen bleibe jedoch von der Vereinbarung ausgeschlossen, erklärte ein Sprecher aus Moskauer Regierungskreisen. Unter türkischem und russischem Vorsitz sollen Friedensgespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana aufgenommen werden, in der auch der Iran beteiligt wird. Ankara erklärte, dass die PYD als Gesprächspartner der Oppositionsmilizen an den Gesprächen nicht beteiligt werde.

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